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Asyl in Hessen

Flüchtlinge kämpfen in Unterkünften gegen Langeweile

Ebersburg-Weyhers ist ein kleines Dorf in der Rhön. Kein Ort, in dem das Leben aufregend pulsiert. Für Fremde gibt es nicht viel zu erleben. Die Freizeitmöglichkeiten sind begrenzt. Und Fulda als nächst größere Stadt ist mehr als zehn Kilometer entfernt. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss Geduld mitbringen.

Ebersburg-Weyhers ist ein kleines Dorf in der Rhön. Kein Ort, in dem das Leben aufregend pulsiert. Für Fremde gibt es nicht viel zu erleben. Die Freizeitmöglichkeiten sind begrenzt. Und Fulda als nächst größere Stadt ist mehr als zehn Kilometer entfernt. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss Geduld mitbringen.

Florian (Name geändert), ein junger Flüchtling aus Albanien, lebt seit ein paar Monaten in Weyhers. Der 26-Jährige hat sich den Ort als Ziel seiner langen Reise nicht ausgesucht. Er ist zufällig dort gelandet. Jetzt wohnt er mit rund 40 weiteren Aylbewerbern in einem ehemaligen Hotel-Restaurant. Die Zeit dort ist von Langeweile geprägt. Und zuweilen knallt es, wie er sagt.

Es reicht zuweilen ein Funke - und schon brennt die Luft in der Unterkunft. Neulich habe er sich mit jemanden in die Haare bekommen, erzählt Florian, weil Uneinigkeit darüber bestanden habe, welcher Topf zum Kochen verwendet werden solle. Zu Reibereien komme es leider immer mal wieder, bestätigt Wolfram Latsch, wirtschaftlicher Leiter vom Kreisverband Fulda der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die AWO betreibt diese und weitere Einrichtungen in der Stadt Fulda und im Landkreis.

Wie schnell Streitereien unter Flüchtlingen eskalieren können, war kürzlich in einer Zeltunterkunft im nordhessischen Calden zu sehen. Bei einer Massenschlägerei vor allem zwischen Albanern und Pakistanern wurden elf Flüchtlinge und drei Polizisten verletzt. Auch in Weyhers musste die Polizei schon wegen Handgreiflichkeiten alarmiert werden. Ruhestörungen seien ein Problem in der Einrichtung, berichtet Latsch. "Der eine will feiern, der andere will schlafen" - da kann es eskalieren. Dass verschiedene Religionen und Kulturen unter einem Dach leben müssen, macht die Sache nicht einfacher. Je ein Drittel der Bewohner kommt aus arabischen Ländern, Afrika und vom Balkan.

Einrichtungsleiterin Johanna Pflüger sagt: "Das Hauptproblem für die Bewohner ist der Kampf gegen die Langeweile und, dass sie sich unnütz fühlen." Um den Menschen zu helfen, leistet die AWO eine soziale Betreuung und unterbreitet zahlreiche Angebote. Die Bewohner können etwa Deutschkurse belegen, Tischtennis spielen, Rad fahren, fernsehen und kostenlos im Internet surfen. Es gebe zudem einige Kontakte zu engagierten Bewohnern aus Weyhers.

Auch einige Sportvereine aus der Gemeinde versuchen, die Flüchtlinge miteinzubeziehen. Florian spielt mit großem Spaß beim örtlichen Fußballclub mit. Aber damit kann nicht jeder etwas anfangen. "Und Gesangsvereine, wie es sie zum Beispiel gibt, stehen bei den Bewohnern hier nicht hoch im Kurs", räumt Pflüger ein.

Das Problem für die Flüchtlingsunterbringung auf dem platten Land ist: "Die Langeweile ist hier im Dorf größer als in einer größeren Stadt", betont Pflüger. Und im Winter, wenn der Aufenthalt im Freien nicht mehr so angenehm ist, droht sich die Situation weiter zu zuspitzen. Dann kann die Langeweile noch mehr Frustrationen und Aggressionen freisetzen.

Experten diskutierten bereits bundesweit wegen mehrerer Zusammenstöße unter Flüchtlingen darüber, Flüchtlinge nach Religionszugehörigkeit zu trennen. So könnte womöglich Konflikten aus dem Weg gegangen werden. Für die AWO spielt aber die Größe der Unterkünfte eine wichtigere Rolle: "Wir wollen lieber kleinere Bewohnergruppen. Das erleichtert die Integration", erklärt Latsch.

Florian ist froh, dass er sich während des Wartens auf die Entscheidung seines Asylverfahrens ablenken und betätigen kann. Er betätigt sich als Küchenhilfe in einer nahen Gaststätte. Aber das füllt ihn nicht aus. Er hat schließlich auch schon Wirtschaftswissenschaften studiert. "Ich hoffe, dass ich eine Chance in Deutschland bekomme. Das ist mein größter Wunsch", sagt Florian.

dpa  

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