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Ausländische Pflegekräfte, hier die Chinesin Song Xi im Frankfurter Curanum-Seniorenpflegezentrum mit der 96-jährigen Luise Heise auf deren Zimmer, könnten den Pflegenotstand erheblich abmildern. Die Türen in Hessen sollen sich dazu bald auch für Flüchtlinge öffnen.

Neues Model

Flüchtlinge sollen Personalmangel in Altenheimen entgegenwirken

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In Altenpflegeheimen herrscht allenthalben Personalmangel. Viele Flüchtlinge wiederum wollen gerne arbeiten und sich so auch besser in die Gesellschaft integrieren. Der Hessische Landtag macht sich jetzt daran, beide Probleme miteinander zu verbinden.

Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen brachten gestern im Landesparlament einen Entwurf mit dem arg bürokratisch klingenden Titel „Zweites Gesetz zur Änderung des Hessischen Altenpflegegesetzes“ ein. Dahinter verbirgt sich das Vorhaben, Flüchtlingen auch ohne Schulabschluss den Zugang zum Beruf des Altenpflegehelfers zu ebnen.

Konkret ist dazu ein Modell mit der Ausbildung von insgesamt 480 Absolventen der Intensivklassen für Grundkenntnisse in Deutsch (Intea) vorgesehen, die noch keinen Schulabschluss haben. In Zusammenarbeit von Altenpflege- und beruflichen Schulen sollen sie während dieser Ausbildung zugleich den Hauptschulabschluss nachholen und den Berufsabschluss des Altenpflegehelfers erwerben können. In drei aufeinanderfolgenden Jahren sind in Hessen jeweils 160 solcher Ausbildungsplätze vorgesehen.

Obwohl klar ist, dass das Vorhaben kaum ausreichen wird, alle Personal- und Nachwuchssorgen in der hessischen Altenpflege zu lösen, stößt das Projekt, das jetzt zunächst in den Ausschüssen weiter beraten wird, im Landtag auf parteiübergreifende Unterstützung. Neben CDU und Grünen signalisierten auch die Oppositionsfraktionen von SPD und FDP Zustimmung.

Die Linke Marjana Schott sagte dagegen, um den Personalmangel in der Altenpflege zu beheben, seien vor allem eine bessere Bezahlung statt „Hungerlöhnen“, ein höherer Personalschlüssel und mehr gesellschaftliche Anerkennung für diesen Beruf erforderlich.

Demgegenüber zeigte sich Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) „dankbar“ für den schwarz-grünen Gesetzentwurf. Zumindest in einem gewissen Prozentsatz könnten damit weitere Interessenten für den Altenpflegeberuf gewonnen werden. „Wir fangen ja nicht bei Null an“, fuhr er fort, es gebe ja noch weitere Maßnahmen, um der Misere Abhilfe zu schaffen. Er erwähnte eine groß angelegte Werbekampagne für den Beruf und warnte davor, Nachteile in allzu schwarzen Farben zu zeichnen und damit mögliche Interessenten eher abzuschrecken.

Grüttner verwies auch darauf, dass die Deckelung der Zahl an Ausbildungsplätzen aufgehoben worden sei und es derzeit die Rekordzahl von 5400 Altenpflegeschülern gebe. Auch die Schulgeldpauschale sei erhöht worden, und weitere Veränderungen würden folgen. Außerdem betonte der Minister, dass die Aufnahme junger Migranten keineswegs mit einem Abbau irgendwelcher Standards in der Altenpflegeausbildung einhergehen werde.

FDP-Fraktionschef René Rock sagte, die Neuerung mache Sinn. Man dürfe die Heime indes nicht mit zu viel Bürokratie belasten und müsse aufpassen, dass Pflegeheime für die Angehörigen nicht noch teurer würden.

Daniela Sommer von der SPD betonte, ihre Partei unterstütze jede Verbesserung in der Pflege. Das Ausbildungsmodell könne da nur ein Baustein sein.

Der Grünen-Abgeordnete Marcus Bocklet pries die geplante Neuerung als „integrative Ausbildungsform“. Die vom Bund geplanten 800 zusätzlichen Stellen in der Pflege deutschlandweit seien nur ein „kleiner Schritt“.

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