Experten beenden Untersuchungen

Flugzeugunglück: Pilotenfehler oder technischer Defekt?

Zwei Tage nach dem tödlichen Flugzeugunfall auf der Wasserkuppe haben Fachleute ihre Nachforschungen auf Hessens höchstem Berg absolviert. Experten rätseln immer noch, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Nach dem schweren Flugzeugunglück mit drei Toten auf der Wasserkuppe haben die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) ihre Ermittlungen auf Hessens höchstem Berg abgeschlossen. Mit einer Zwischenbilanz sei erst in einigen Wochen, mit einem Abschlussbericht zur Unfallursache erst im kommenden Jahr zu rechnen, sagte Sprecher Jens Friedemann.

Luc de Causmaecker ist Vorsitzender der Pilotenvereinigung Wasserkuppe. „Wir sind alle entsetzt“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Seit über 25 Jahren ist die Wasserkuppe sein Flugrevier. An solch ein schreckliches Geschehen kann sich der Frankfurter Personalberater nicht erinnern.

Bei dem Unglück war am Sonntag ein einmotoriges Leichtflugzeug über die Landebahn hinausgerast und hatte eine Frau (39) aus dem Main-Kinzig-Kreis und ihre beiden Kinder (11 und 12) tödlich verletzt. Der Pilot der Cessna hatte zuvor versucht, nach einem Landeversuch durchzustarten, was ihm aber nicht gelang. Die viersitzige Maschine durchbrach eine Schranke, schoss über eine Landstraße hinweg und erfasste die Passanten auf einem angrenzenden Fußweg. Sie waren sofort tot.

Pilot Causmaecker sagt, die Unfallursache sei für ihn immer noch unerklärlich. Die Flugpiste auf der Wasserkuppe sei rund 900 Meter lang, und es gebe noch einen Puffer von knapp 100 Meter nach dem Ende der offiziellen Piste. „Die Wasserkuppe ist ein anspruchvolles Fluggebiet, aber es gibt im Notfall auch noch Ausweichmöglichkeiten auf dem gigantischen Gelände“, sagt er. Warum es zu dem schrecklichen Unfall kommen konnte, ist Causmaecker auch jetzt noch „unerklärlich“. Er vermutet eine Verkettung von Fehlern bei dem Unglück. Ein Pilot könne im Normalfall immer ein oder zwei Fehler korrigieren.

Durchstarten, wie es der 56 Jahre alte Unglückspilot versuchte, ist nach Darstellung von Causmaecker ein alltäglicher Vorgang im Flugbetrieb. „Es ist mir auch selbst schon passiert, weil die Landung nicht gelungen ist“, sagt er. Optimalerweise kalkuliere ein Pilot so, dass er lediglich die Hälfte der Piste für die Landung brauche, in besonderen Fällen seien es schon einmal drei Viertel der Landebahn.

Warum die einmotorige Unglücks-Cessna über die Landebahn hinaus schoss, darüber kann Causmaecker auch nur spekulieren. Vielleicht habe der Pilot zu spät mit dem Durchstart-Manöver begonnen oder die Motorleistung sei reduziert gewesen, was im Flug nicht erkennbar gewesen sei. Aus Sicht von Causmaecker haben sich die Besucher korrekt verhalten, weil sie sich auf einem Fußweg aufhielten.

Der aus Ludwigshafen stammende Pilot machte zum Unfallgeschehen bislang noch keine Angaben. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in drei Fällen ermittelt.

Der Flugbetrieb wurde schon am Montag auf der Wasserkuppe wieder aufgenommen. Die Untersuchungen der Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen sollen Erkenntnisse für die Schuldfrage bringen. Überprüft werde, ob es einen technischen Defekt gab. Doch müssten auch das Körpergewicht der Insassen, der mitgeführte Sprit und Zusatzgewichte wie Gepäck berücksichtigt werden. „Dies alles wird in unsere Analyse einfließen“, sagte BFU-Sprecher Jens Friedemann. Auf den Prüfstand gestellt wird auch der Flugplatz selbst. „Es wird untersucht, ob seitens des Flugplatzbetreibers alle Sicherheitsbestimmungen und Gesetze eingehalten worden sind“, sagte Harry Wilke von der Staatsanwaltschaft Fulda.

Die Unfallmaschine bleibt bis auf Weiteres in einem Hangar auf der Wasserkuppe. Das Flugzeug stammt vom Badisch-Pfälzischen Flugsportverein Mannheim. Der Pilot sei sehr erfahren und gut in Übung gewesen, sagte Vereinspräsident Klaus Peters.

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