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Maria B. (vorne Mitte) im Horrorhaus.

Entscheidender Hinweis aus Hessen

Senioren im Altenheim gequält: Frankfurterin lässt "Horrorhaus" auffliegen

Unmenschliche Zustände in einem Pflegeheim in Spanien: Dort wurden die Senioren eingesperrt, unter Drogen gesetzt, und misshandelt - darunter auch Deutsche. Eine Frau aus Frankfurt hat jetzt entscheidend dazu beigetragen, dass das "Horrorhaus" aufgeflogen ist.  

Frankfurt/Madrid - Sie war die frühere Nachbarin eines der Opfer und misstrauisch geworden, wie der Sprecher der Frankfurter Polizei am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ein deutscher Rentner und eine Niederländerin waren im Süden Spaniens aus einem privaten Pflegeheim befreit worden, das nach Angaben der spanischen Polizei einem "Horrorhaus" glich. Die beiden zuletzt aus der "Casa de los horrores" befreiten Rentner seien unterernährt und "schläfrig, wie unter Drogen gesetzt" aufgefunden worden, so die Zeitung "Diario de Cádiz". Sie wurden umgehend in eine andere Einrichtung in Jerez gebracht, wo sie sich erholen sollen.

In dem Haus in der Küstengemeinde Chiclana in Andalusien sollen Rentner - vorwiegend Ausländer - unter anderem eingesperrt, unter Drogen gesetzt, misshandelt und unnötigerweise nur per Magensonde ernährt worden sein. Einer der Festgenommenen sei deutscher Staatsangehöriger, hieß es. Die Ermittlungen wurden durch einen Hinweis der deutschen Behörden ausgelöst, die eine 101 Jahre alte Deutsche Maria B. in Spanien als vermisst gemeldet hatten. Drahtzieher war ein deutsch-kubanisches Paar. Viele Details der zeitlichen Abläufe, der mutmaßlichen Straftaten und der polizeilichen Maßnahmen in Spanien waren am Freitag noch unklar.

101-Jährige ist Opfer des "Horrorhauses"

Die 101-Jährige habe bis 2015 in Frankfurt gewohnt, berichtete die dortige Polizei. Danach sei sie nach Teneriffa umgezogen, habe aber weiterhin Kontakt zu ihrer ehemaligen Nachbarin gehalten. Als diese die alte Dame nicht mehr erreichen konnte, gab sie eine Vermisstenmeldung auf. Die Polizei gab die Anzeige an die spanischen Kollegen weiter, diese fanden die Frau in einem Altenheim und kamen dadurch den dortigen Machenschaften auf die Spur.

Privates Pflegeheim in Chiclana de la Frontera

Den Beamten berichtete die 101-jährige Maria B. damals, sie sei von der Betrügerbande überredet worden, von der Insel Teneriffa in das Haus in Chiclana umzuziehen. Dort sei sie dann aber monatelang in Handschellen eingesperrt worden. Sie sei auch um mehr als 160.000 Euro, die sie auf dem Konto gehabt habe, sowie um den ihr nicht bekannten Wert eines auf Teneriffa verkauften Hauses betrogen worden.

"Horrorhaus": Maria B. stirbt im Wagen und wird sofort eingeäschert

Wenige Stunden vor der Festnahme der Verdächtigen hätten diese Maria B. aber mit Hilfe einer mutmaßlich gefälschten notariellen Vollmacht unerwartet aus dem Pflegeheim geholt. Die Frau sei den Erkenntnissen zufolge im Wagen der Verdächtigen gestorben und auf deren Betreiben sofort eingeäschert worden, so dass die Behörden keine Autopsie hätten durchführen können, sagte ein Sprecher der Guardia Civil gegenüber Journalisten.

Viele Senioren sterben im "Horrorhaus"

Man schließe unterdessen nicht aus, dass die Deutsche ermordet worden sei. Vier weitere Senioren, die sich in den vergangenen vier Jahren der Pflege der Verdächtigen anvertraut hätten, seien alle ebenfalls gestorben. Die beiden nun befreiten Rentner habe man in "einem fürchterlichen Zustand" vorgefunden. Sie seien in ein anderes Pflegeheim gebracht worden, wo sich ihr Zustand inzwischen deutlich gebessert habe.

Der aus den sechs Festgenommen sowie mutmaßlich aus neun weiteren verdächtigen Menschen bestehende Bande wird unter anderem Betrug an Privatpersonen, Misshandlung, Urkundenfälschung, Betrug an der deutschen Sozialversicherung und Geldwäsche zur Last gelegt, teilte die Guardia Civil auf Anfrage mit. Die Bande habe mit der Beute an der Playa del Plamar in Cádiz ein Hotel bauen wollen.

In sozialen Netzwerken zeigten sich viele Spanier entsetzt: "Wie furchtbar! Hier muss es hohe Strafen geben", kommentierte eine Frau und bat die zuständigen Politiker um mehr Kontrollen in Altenheimen. Von "unerträglicher Barbarei" und einer "Schande" gegenüber "Wehrlosen" schrieben Nutzer und beschimpften die Festgenommenen. (dpa)

Lesen Sie auch:  Hessens Gerichte bekommen es in den nächsten Monaten mit einigen großen Verfahren zu tun. Manche der angeklagten Taten liegen schon sehr lange zurück, wie fnp.de* berichtet. Außerdem ist eine 59 Jahre alte Frau vom Amtsgericht Frankfurt verwarnt worden, weil sie ihre 85 Jahre alte, schwer pflegebedürftige Mutter misshandelt hat.*

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