Zahl toter Blaumeisen in Rhein-Main steigt

Mysteriöses Meisensterben: Nun kennen Wissenschaftler die Ursache

Sie nehmen ihre Umwelt kaum noch wahr, sind aufgeplustert und ihre Schnäbel verklebt: Kurz darauf sind die Vögel tot. Immer mehr Blaumeisen in Rhein-Main werden von einer neuen mysteriösen Krankheit befallen. Laut NABU Hessen ist ein Bakterium Schuld am Meisensterben. 

  • Das Meisensterben im Großraum Frankfurt war lange Zeit mysteriös
  • Laut NABUist ein Bakterium verantwortlich
  • Für Menschen und Haustiere sei es nicht gefährlich

+++Update: 23.04.2020, 14.01 Uhr: Der mysteriöse Krankheitserreger, der das aktuelle Meisensterben im Großraum Frankfurt  verursacht hat, ist identifiziert, das geht aus einer Pressemitteilung des NABU Hessen hervor. Es handele sich um um das Bakterium Suttonella ornithocola, das bei betroffenen Vögeln vor allem eine Lungenentzündung verursache. Die Identität des Erregers für das Meisensterben wurde laut NABU von mehreren Landesuntersuchungsämtern vermeldet. Für Menschen und Haustiere sei das Bakterium ungefährlich, so der NABU. Bis zum 21.04.2020 seien beim NABU 13.800 Fälle mit etwa 26.000 Vögeln gemeldet worden. 

Gebiet um Frankfurt: Meisensterben tritt gehäuft auf 

Region Rhein-Main – Eine mysteriöse und ansteckende Krankheit treibt Vogelfreunden aktuell Sorgenfalten auf die Stirn. Seit Anfang März werden aus vielen Gärten immer öfter von einem Meisensterben berichtet– vor allem Blaumeisen sind betroffen. „Vergangene Woche gingen soviele Nachrichten über tote Vögel ein, wie noch nie“, sagt Berthold Langenhorst, Sprecher beim Nabu Hessen. 

Großraum Frankfurt: Bakterium löst mysteriöses Meisensterben aus

Besonders im Großraum Frankfurt, in Rhein-Main und Rheinhessen wütet die unbekannte Meisenkrankheit. „Von hier aus scheint sie sich deutschlandweit langsam auszubreiten“, so der Experte. Inzwischen wurden deshalb Experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg mit der Suche nach der Ursache für das Meisensterben beauftragt. „Die haben ziemlich schnell gesagt, dass das eine neue, unbekannte Krankheit ist“, so Berthold Langenhorst. Die Forschung läuft deshalb auf Hochtouren. 

Betroffene Tiere sind leicht zu erkennen: Sie verlieren ihre Scheu vor dem Menschen, sind aufgeplustert, haben oftmals verklebte Augen und Schnäbel und Teile des Kopfgefieders fehlen. Der Nabu-Sprecher: „Im Prinzip wirken sie wie wir, wenn wir krank sind, nämlich extrem schlapp.“ Und auch das Ende der Tiere steht schon fest: „Ist eine Meise erstmal erkrankt, wird sie sterben!“ 

Vogelkrankheit im Raum Frankfurt: Bakterium wohl Verantwortlich für Meisensterben

Damit ähneln Symptome und Verlauf des Meisensterbens bereits bekannten Vogelkrankheiten, wie dem Usutu-Virus, das Amseln betrifft, oder dem Trichomonaden-Befall von Grünfinken. Aufgrund der besonderen Betroffenheit von Meisen und der Jahreszeit des Auftretens im noch kühleren Frühjahr, passt laut Experten trotzdem keine der bekannten Vogelkrankheiten zum neuen Phänomen. 

Großraum Krankheit: Vögel wegen Meisensterben voneinander isolieren 

Weil erkrankte Meisen vor allem um Futterstellen in Gärten beobachtet werden, bitten die Experten nun um Mithilfe, um die hochansteckende Infektionskrankheit einzudämmen. „Im Prinzip müssen auch die Vögel wie wir aktuell soziale Kontakte zu anderen Vögeln vermeiden“, sagt Berthold Langenhorst. „Deshalb mit Fütterungen oder dem Bereitstellen von Wasser erstmal aufhören, wenn Meisen mit diesen Symptomen entdeckt werden. Weil es sich vermutlich um einen bakteriellen Erreger handelt, kann nur so eine Weiterverbreitung verhindert werden.“ 

Großraum Frankfurt: NABU sammelt Daten zum Meisensterben

Außerdem können dem Naturschutzbund online kranke oder tote Meisen gemeldet und Fotos eingeschickt werden – tote Vögel können an das Bernhard-Nocht-Institut eingeschickt werden. Dabei sollten möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum sowie den Symptomen der Vögel gemacht werden. Der Nabu sammelt die Daten zum Meisensterben und stellt sie den Forschern zur Verfügung. 

Nichts mit Corona zutun: Meisensterben im Großraum Frankfurt wird von Bakterium ausgelöst

Mit dem Coronavirus hat das Meisensterben übrigens nichts zu tun, so der Nabu-Experte. „Es handelt sich um eine reine Vogelkrankheit.“

Sichtungen und Fotos erkrankter Vögel können online unter www.nabu.de/meisensterben eingereicht werden. Hier gibt’s auch weitere Infos zur Krankheit.

Von Julia Oppenländer


Der Naturschutzbund (NABU) ruft in Deutschland wieder zur großen Vogelzählung auf. Bei der Aktion "Stunde der Gartenvögel" sollen Naturliebhaber zwischen dem 8. und 10. Mai eine Stunde lang das Treiben der Vögel beobachten und die Zahl der gesichteten Vögel melden. Besonderes Augenmerk soll dieses Jahr auf den Blaumeisen liegen.

Der Nabu startet in ganz Deutschland die Aktion "Zählen was zählt*". Dabei kann jeder mitmachen. Es sollen Insekten gezählt werden. Auch eine Nabu-Ortsgruppe aus der Nähe von Witzenhausen (Nordhessen) beteiligt sich daran.  

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

Rubriklistenbild: © Nabu Hessen/Otto Schäfer

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