Sauberkeit in Frankfurt

Frankfurt will Hundekot-Tüten einsparen - andere Städte nicht

Sind die Tüten-Spender für Hundehaufen in Grünanlagen bloß Luxus? Oder die Rettung vor Berliner Verhältnissen? An dieser Frage scheiden sich die Geister der Hundebesitzer und Kommunalpolitiker.

Das reiche Frankffurt will die dunklen Tüten für Hundekot aus Spargründen streichen. Das hoch verschuldete Offenbach, das wie Frankfurt 20 0000 Euro dafür im Jahr ausgibt, hält dagegen an den Spendern mit den Beuteln zum Einsammeln von Hundehaufen fest. Auch Kassel, Hanau und andere Städte sparen nicht an den Tüten, wie eine dpa-Umfrage ergab. Darmstadt ist noch unentschieden: In der südhessischen Großstadt werden die Beutel seit rund einem Jahr erprobt.

In Wiesbaden, das sich die Beutel mehr als doppelt so viel (50 000 Euro) wie Frankfurt und Offenbach kosten lässt, sollen einzelne Standorte überprüft werden, weil die gefüllten Beutel immer öfter im Feld oder im Wald landen. Ähnlichen Ärger gibt es in Gießen, das ein Zehntel (5000 Euro) von Wiesbaden für die Tüten ausgibt, und über eine Freilaufwiese für Hunde als Alternative nachdenkt. Dies würde zugleich Vögel schützen, die in der Nähe der Beutel-Stationen brüten.

Sieht es in Frankfurts Grünflächen und Parks bald so aus wie in Berlin, das für seine Hundehaufen auf Gehwegen verschrien ist? Das glaubt der Leiter des Grünflächenamts, Stephan Heldmann, nicht. "Unter den Hundehaltern gibt es doch nicht nur schwarze Schafe!" Das Bewusstsein, dass man Hundehaufen nicht einfach liegen lassen könne, habe sich in der Vergangenheit deutlich verbessert.

Was sagen die Hundebesitzer? "Dann muss ich jetzt halt Mülltüten kaufen. Das ist doch auch irgendwie kacke", meint eine Frankfurter Jagdhund-Besitzerin, die "immer eine Tüte dabei hat, in jeder Tasche und Handtasche". Das Frauchen eines 15 Jahre alten großen Mischlings hält die Frankfurter Sparpläne auch nicht für eine gute Idee. "Das wird dazu führen, dass wieder mehr Hundekot liegen bleibt." Sie habe zwar solche Tüten auch zu Hause, "aber ich vergesse sie auch mal oder mein Hund produziert mehr als gedacht". Die Usingerin ist überzeugt: "Das wird vermutlich nicht nur mir so gehen."

Ein IT-Spezialist aus dem Kreis Offenbach hingegen hält die Beutel-Stationen für hilfreich, aber nicht für notwendig. "Wir haben immer solche Tüten dabei, da meist kein Spender vorhanden ist, wenn der Hund sein Geschäft macht. Allerdings wohnen wir nicht in einer Großstadt, wo es eigentlich die Pflicht sein soll, jeden Haufen zu entfernen, den der Hund hinterlässt." Im Hainburger Rathaus könne jeder Hundebesitzer die Tüten bei Bedarf aber kostenlos bekommen und zum Gassi gehen einzeln mitnehmen.

In Offenbach liegen die Tüten auch im Bürgerbüro und anderen Ausgabestellen zum Abholen bereit. Es gibt aber auch noch etwa 60 Spender-Stationen, "dort wo Probleme mit den Häufchen vermehrt auftraten", wie Stadtsprecher Fabian El-Cheikh sagt. Über eine Abschaffung der Tüten sei trotz der Finanzmisere der Kommune noch nicht diskutiert worden, weil die Erfahrungen sehr gut seien. 

Das Frankfurter Grünflächenamt wolle lieber an den Hundetüten als an der Instandhaltung von Spielgeräten oder den Wasserspielen im Sommer sparen, sagt Heldmann. "Wir bekommen 32 Fußballfelder zusätzlich an Grünflächen, haben aber 400 000 Euro weniger Budget." Die Kosten für die Tüten sollen die 13 betroffenen Ortsbeiräte aus ihren Budgets übernehmen, die konnten sich allerdings noch nicht zu dem notwendigen gemeinsamen Ja durchringen.

So mancher Spender stehe bereits leer oder die Tüten würden zweckentfremdet, sagt Heldmann. "Es ist doch zumutbar, dass der Halter die Hinterlassenschaft seines Hundes wegmacht." Dies könne nicht nur dann gelten, wenn ihm Tüten dafür angeboten würden. Kontrollieren und ahnden lasse sich dies aber praktisch nicht. "Es gibt keine echte Kontrolle", sagt Heldmann mit Blick auf das dafür notwendige Personal. "Der Hund muss dem städtischen Beamten schon direkt auf den Schuh kacken", sagt der Sprecher des Ordnungsamtes, Ralph Rohr. Andernfalls sei es schwer, ihm nachzuweisen, dass der Haufen von seinem Vierbeiner stamme.

Wiesbadens Ordnungsdezernent Oliver Franz formuliert es so: "Wenn wir nicht auf die Vernunft der Hundebesitzer setzen können, sind der Stadt ab einem gewissen Punkt praktisch die Hände gebunden."

Soziale Kontrolle sei hilfreich als Mittel gegen Hundehaufen, sagt dagegen die Sprecherin der Stadt Gießen, Claudia Boje. So könnten sich Spaziergänger und Passanten - mit oder ohne Hund - klar äußern, dass von sauberen Straßen und Wiesen alle etwas haben. Und es müsse der Grundsatz gelten: "Zum Spaziergang gehören Leine und Beutel." In der mittelhessischen Universitätsstadt gibt es zwar rund 40 Behälter für etwa 500 000 Beutel pro Jahr. Doch die gefüllten Beutel würden häufig einfach in die Landschaft statt in den Mülleimer geworfen.

In Hanau hilft soziale Kontrolle offenbar: Viele Hundebesitzer fühlten sich dabei beobachtet, ob sie stets die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgten, wie Stadtsprecherin Ute Wolf sagt. Rund 100 Spender-Stationen mit Beuteln helfen dabei.

"Wenn wir reingetreten sind, sind wir sauer", stellt der Hessische Städte- und Gemeindebund fest. Der kommunale Spitzenverband hat aber Verständnis für die Position Frankfurts. "Den Tierkot zu entsorgen, liegt in der Eigenverantwortung jedes Hundehalters. Dies zu erledigen, ist deren Pflicht", sagt Florian Weber, Justiziar für Umweltrecht beim HSGB in Mühlheim am Main. Die Kommunen könnten es gar nicht leisten, an jeder Ecke einen Spender mit Tüten für Hundekot aufzustellen und ständig nachzufüllen. "Auch wenn diese Tüten nicht viel kosten, wäre das reiner Luxus. Auch die kleinen Leistungen summieren sich irgendwann."

Im Hessischen Städtetag gab es noch keinen Erfahrungsaustausch über das Thema, wie die Referatsleiterin Umwelt, Sandra Schweitzer, sagt. Ist der Service für den Steuerzahler zu teuer? Dies sei eine Frage der Verteilung, sagt Schweitzer. "Irgendwie finanzieren muss sie der Bürger ja sowieso." Sonst eben über die Entsorgung. "Ich freue mich immer, wenn ich die Spender mit den Tüten sehe, weil ich denke, dass sie die Bereitschaft der Hundebesitzer etwas erhöhen, den Kot zu beseitigen."

Darmstadt gibt es seit Mitte 2014 an zwei Standorten insgesamt sechs Hundekot-Beutelstationen, wie Stadtsprecher Daniel Klose sagt. "Diese dienen als Versuch, den Nutzen und die Akzeptanz der Hundehalter zu ermitteln." Nach der Auswertung des Versuches und einer Kosten-Nutzen Analyse will die Stadt entscheiden, was sie langfristig macht.

"Eigentlich geht es ganz einfach: Der Hundehalter nimmt von zu Hause Plastikbeutel/tüten mit, sammelt die Hinterlassenschaft seines Hundes auf und entsorgt diese zu Hause in seiner Mülltonne", sagt der Sprecher der Stadt Kassel, Ingo Happel-Emrich. Als freiwilliges Angebot gibt die nordhessische Stadt dennoch etwa rund 12 000 Euro im Jahr für rund 130 Behälter mit Tüten aus. "Mit diesem Angebot hat sich das Hundekotproblem in den Grünanlagen grundsätzlich verbessert, wobei dies im Einzelfall sehr unterschiedlich sein kann."

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