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Nur 82 Prozent der S-Bahnen sind pünktlich oder verspäten sich weniger als drei Minuten.

Konflikt zwischen RMV und Deutsche Bahn

Die Unpünktlichkeit der S-Bahnen ärgert den RMV: Gibt es bald eine Seilbahn in Frankfurt?

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Der RMV will und soll immer mehr Menschen transportieren, leidet aber an unzureichender Infrastruktur. Da ist Phantasie gefragt. Die Option Seilbahn soll noch in diesem Jahr ernsthaft geprüft werden. Denn dieses Transportmittel verspricht einige Vorteile. 

Frankfurt - Es ging ein Gespenst um in der Jahrespressekonferenz  des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Das Gespenst hieß Bahn-Vorstand. Denn der sollte eigentlich Stellung nehmen zu den vielen Verspätungen und mögliche Verbesserungen präsentieren. Aber aus demselben Grund mussten Bahn-Chef Richard Lutz und seine Vorstandskollegen gestern in Berlin bei Verkehrsminister Andreas Scheuer recht kurzfristig zum Rapport erscheinen.

Die Probleme der Bahn, die für den S-Bahn-Betrieb zuständig ist, waren aber auch so das große Thema des RMV. Sie verhageln regelmäßig dessen Pünktlichkeitsbilanz und damit die Akzeptanz beim Kunden. Die Pünktlichkeitsquote der S-Bahn liegt nur bei 92 Prozent, dabei werden aber nur Verspätungen ab sechs Minuten gerechnet. Bei härterer Abrechnung ab drei Minuten beträgt die Quote nur 82 Prozent. Zwei Drittel der Verspätungen seien durch die schlechte Infrastruktur der Bahn bedingt, sagte RMV-Chef Knut Ringat. Deshalb denkt man in Frankfurt nun über alternative Beförderungsmodelle nach. Auch eine Seilbahn ist im Gespräch.

RMV bekommt von der Deutschen Bahn Betrag in zweistelliger Millionenhöhe

Immerhin können sich geprellte Fahrgäste seit Einführung der Zehn-Minuten-Garantie vor 18 Monaten eine Entschädigung ausbezahlen lassen. Diese werden wiederum aus den Strafzahlungen der Bahn an den RMV für Verspätungen und Zugausfälle finanziert. Auf diesem Weg bekommt der RMV jährlich einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe von der Bahn. Seit Einführung der Zehn-Minuten-Garantie flossen aus diesem Fonds immerhin über drei Millionen Euro an die Kunden.

Wo aber etwas Gutes ist, gibt es oft auch Missbrauch. So haben sich tatsächlich einige Zeitgenossen darauf spezialisiert, über die RMV-App Verspätungen herauszusuchen, von denen sie angeblich betroffen waren. Ringat: „Da geben einige mehr Fahrten an, als sie physisch gemacht haben können.“ Und machen sich durch solche Gier das eigene illegale Geschäftsmodell kaputt. Mancher brüstet sich sogar in den sozialen Netzwerken mit solchen Heldentaten.  

Ergebnis: Der RMV hat begonnen, die wenigen schwarzen Schafe herauszupicken und zu sperren. Ringat: „Das geht, weil die Garantie eine freiwillige Leistung ist.“

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Von diesen unangenehmen Themen abgesehen, hat Ringat allen Grund, positiv in die Zukunft zu blicken, denn die Diskussion um Fahrverbote haben der Gesellschaft wohl endgültig klargemacht, dass es eine Verkehrswende zugunsten der umweltfreundlichen öffentlicher Verkehrsmittel geben müsse. Aber auch das Ziel, mehr Personen in Bus und Bahn zu bringen, schafft neue Probleme. Zum einen muss die Infrastruktur zügig ausgebaut, zum anderen die Finanzierung bedacht werden. Wenn Ringat etwa die Erfolgsmodelle Schülerticket und Jobticket (ein Seniorenticket für 365 Euro soll Ende des Jahres folgen, entweder ab 65 oder für alle Rentner) preist, vergisst er nicht den Hinweis, dass alles auch bezahlt werden muss.

So sinke bei breitgestreuten Maßnahmen wie dem Schülerticket der übliche Kostendeckungsgrad des RMV von rund zwei Dritteln auf bis zu ein Drittel. Das Schülerticket ist nur machbar, weil das Land um die zehn Millionen dazugeben wird. Der genaue Betrag für das vergangene Jahr wird erst noch errechnet.

Gebaut wird im Rhein-Main-Gebiet bis 2030 - vielleicht auch eine Seilbahn?

Was die Infrastruktur  anbetrifft, hat der RMV das Problem, dass viele Baumaßnahmen wie Wallauer Spange oder der Fernbahntunnel erst 2030 und später greifen. Aber auch bis dahin muss der Verkehr möglichst so gut fließen wie der Main, auf den man vom Ort der Pressekonferenz herunterschauen konnte. Aber nicht nur deshalb sagte Ringat, dass man als Optionen zur Ergänzung von Bahn und Bus auch Schiffsverkehr nutzen könnte und selbst Seilbahnen, die nach Münchner Vorbild in diesem Jahr in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden sollen. "Seilbahnen hätten den Charme, dass sie binnen einiger Jahre an den Start gehen könnten“, so Ringat. Der RMV denkt als Einsatzorte dabei etwa an den Taunus (zwischen Hohemark und Feldberg) oder die Verbindung zwischen Offenbach und Frankfurt.

Für die immer wieder aufkommende Forderung nach einem kompletten Nulltarif im Öffentlichen Verkehr  hat Ringat weniger Verständnis. „Das würde bundesweit 13 Milliarden Euro kosten. Falls das Geld da wäre, wäre es besser, es in die Infrastruktur zu stecken.“ Denn, so kann man anschließen, was nutzt die kostenlose S-Bahn, wenn sie wegen maroder Strecken nicht mehr fahren kann.

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