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Friedenspreisträger Zhadan: „Kultur darf nicht schweigen“

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Frankfurter Buchmesse
Serhij Zhadan, ukrainischer Schriftsteller, Künstler und Aktivist sowie Träger des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022, steht nach einer Pressekonferenz im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in einem Gang. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Friedenspreisträger Serhij Zhadan hat die Bedeutung von Kultur in Kriegszeiten betont. „Auch während des Krieges muss Kultur eine Stimme haben. Die Kultur darf nicht schweigen. Wenn die Kultur schweigt, wenn die Schriftsteller schweigen, wenn die Dichter schweigen, dann bedeutet das, dass die Angst gewonnen hat“, sagte der ukrainische Schriftsteller, Übersetzer und Musiker am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurt/Main - „Die Sprache ist die Überwindung der Unsicherheit, die Überwindung der Angst.“

Zhadan nimmt am Sonntag zum Abschluss der Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 entgegen. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert. Zhadan wurde 1974 in Starobilsk im nun russisch besetzen Gebiet Luhansk geboren. Er lebt im umkämpften Charkiw, wo er mit Freunden humanitäre Hilfe leistet. Auf die Frage, was ihm und anderen Ukrainern die Kraft gebe, zu bleiben, antwortete Zhadan: „Vielleicht das Gefühl, dass die Wahrheit auf unserer Seite ist.“

Für ihn sei immer „eine sozial aktive Literatur“ interessant gewesen, nicht im Sinne von Propaganda, sondern im Sinne einer menschlichen Haltung, sagte Zhadan. Es sei ein „Luxus“, Schriftsteller zu sein, mit Lesern zu sprechen, und dabei keine klare Position zu beziehen.

Der Angriffskrieg auf die Ukraine ist für Zhadan nicht nur ein Krieg Putins: „Es ist in meinem Verständnis ganz klar ein Krieg Russlands gegen die Ukraine“. Putin sei nicht persönlich in den Orten gewesen, in denen Massaker verübt wurden, „das waren junge russische Männer“. Der Krieg habe außerdem nicht 2022 begonnen, „der Krieg dauert schon das neunte Jahr“ - seit der Annexion der Krim.

Früher habe es viele gute Kontakte zwischen russischen und ukrainischen Autoren gegeben, nun fast keine mehr. Er selbst habe seit Beginn des Krieges genau zwei Nachrichten aus Russland erhalten: Ein Kollege machte den Vorschlag, sich zu ergeben, eine Kollegin entschuldigte sich für ihr Land. „Ich werde keine Namen nennen.“

Es freue ihn, in Frankfurt zu sein und mit dem Friedenspreis geehrt zu werden, sagte Zhadan, aber die Freude werde getrübt durch die Nachrichten aus der Heimat. Allerdings sorge der Preis auch Aufmerksamkeit: „Es ist aber auch ganz klar, dass jede Art der Unterstützung, jede Art der Aufmerksamkeit, die wir vom Westen bekommen, sehr wichtig für alle Ukrainer.“ dpa

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