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Der nordhessische Regierungspräsident Walter Lübcke.

Porträt Walter Lübcke

Walter Lübcke - beliebter Politiker und Freund der Windkraft

Im Landtag stritt Walter Lübcke mit den Grünen – doch an einem Punkt war er ihnen auch sehr nahe.  

Nach dem gewaltsamen Tod von Regierungspräsident Walter Lübcke am vergangenen Wochenende drückten alle sechs Landtagsparteien ihr Entsetzen und ihre Trauer aus. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler aus Wolfhagen bei Kassel war ein umgänglicher und beliebter Mann, der das direkte Wort keineswegs scheute. Lübcke war verheiratet, hatte zwei Kinder und einen einjährigen Enkelsohn.

Rund 100 Reden hat Lübcke in den knapp zehn Jahren gehalten, in denen er ein Landtagsmandat innehatte, von 1999 bis Ende 2008. Es waren politisch andere Zeiten. Unter dem Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) erschien Schwarz-Grün fast undenkbar. Insbesondere in der Verkehrspolitik, in der der Nordhesse Lübcke für die CDU-Fraktion sprach, gab es tiefe Gräben zu den Grünen.

Engagement für Windkraft

Die CDU übernahm gerade nach langer Vorherrschaft der SPD die Regierung, als Lübcke 1999 erstmals ins Landesparlament einzog. Mit seinem vehementen Eintreten für den Lückenschluss an den Autobahnen A44 und A49 und für den Ausbau des Flugplatzes Calden zu einem Flughafen hoffte Lübcke, die nordhessische Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Die SPD hingegen habe sich in solchen Fragen „zum Sklaven des grünen Koalitionspartners gemacht“, warf er den Sozialdemokraten einmal in einer Debatte im Rückblick auf die rot-grüne Regierungszeit vor. 

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An einem Punkt allerdings tickte Lübcke sehr viel früher grün als die meisten Parteifreunde: in der Energiepolitik. Er führte schon zu seinen Abgeordnetenzeiten das Unternehmen „Windkraft Bründersen-Istha Verwaltungs GmbH“, das Windräder baute und betrieb. Anfang 2010, nachdem Lübcke Regierungspräsident geworden war, gab er die Geschäftsführerfunktion ab. Der Windkraftausbau war jetzt Teil seiner Verwaltungsaufgabe als Regierungspräsident geworden, und er machte sich etwa für den umstrittenen Bau von Windrädern im Reinhardswald stark.

Zehn Jahre Regierungspräsident

2009 war Lübcke wider Willen aus dem Hessischen Landtag ausgeschieden. Es war quasi der Erfolg der eigenen Partei, der ihn das Mandat kostete. Eigentlich nahm Lübcke mit Rang 23 auf der CDU-Landesliste einen aussichtsreichen Platz ein. Doch die Union holte so viele Direktmandate, dass niemand von der Liste nachrückte. Für das Direktmandat in seinem traditionell roten Wahlkreis Kassel-Land fehlten rund 1000 Stimmen. Wenige Monate nach dem Ausscheiden wurde er auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Koch zum Nachfolger von Lutz Klein als Regierungspräsident berufen.

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Walter Lübcke stand zehn Jahre an der Spitze der rund 1300 Mitarbeiter zählenden Mittelbehörde. Seine Amtszeit war damit die drittlängste aller 28 Kasseler Regierungspräsidenten. Als er am 21. Mai 2009 den Posten übernahm, hätten ihm manche das gar nicht zugetraut, erinnerte sich Lübcke. Weil er weder Jurist noch Verwaltungsfachmann sei.

Offiziell endete seine Dienstzeit am 31. März 2019. Auf Wunsch von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ging Lübcke in die Verlängerung, zunächst für sechs Monate. Er sei eben „Beamter auf Lebenszeit“, sagte er vor wenigen Wochen. Dass sein Leben nun so jäh beendet wurde, konnte niemand ahnen.

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