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Wegen der Trockenheit ist die Waldbrandgefahr hoch.

Umwelt

Früher Herbst bringt Waldbrandgefahr

Wochenlang fast kein Regen und staubtrockene Böden: Auch der Wald leidet unter der Dürre. Und er zeigt – wie der Mensch in Extremsituationen – eine Panikreaktion. Dürre braune und grüne Blätter leiten vielerorts einen frühen Herbst ein.

Die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit der letzten Monate lässt viele schon von einem Jahrhundertsommer sprechen. Positiv für die Sonnenanbeter, negativ für die Bauern. Unter der Dürre leidet aber nicht nur die Landwirtschaft. Auch die Forstleute haben reichlich Anlass zum Klagen. Der Grund ist sichtbar für alle, die einen Blick auf den Wald werfen: Etliche Bäume sind braun oder haben ihre Blätter verloren. Der Herbst hält einen frühen Einzug.

„Aus unserer Sicht ist es schon ein extremes Jahr. Wir haben nicht nur die Trockenheit, sondern dazu auch noch die Hitze in den vergangenen Monaten gehabt, die wirklich ganz außergewöhnlich waren“, sagt Petra Westphal, Sprecherin von Hessen Forst.

An den Reaktionen der Bäume könne man erkennen, wie diese sich gegen die extremen Bedingungen schützen. Wenn es an Wasser aus dem Boden mangelt, dann schließen die Bäume in ihren Blättern die Spaltöffnungen, fahren den ganzen Stoffwechsel runter und sorgen damit dafür, dass das Verdunsten von Wasser zurückgefahren wird. Wenn das nicht ausreicht, gehen die Bäume in die zweite Stufe. Das ist dann eine Notfallsituation: Sie werfen ihre vertrockneten braunen oder grünen Blätter frühzeitig ab. Eine Panikreaktion, damit der Baum nicht mehr über die Blätter transpiriert. Er geht in einen verfrühten Herbstmodus, um im nächsten Jahr wieder austreiben zu können. „In diesem Fall bleibt natürlich die schöne gelb-rote Färbung bei diesen Bäumen aus“, erklärt Westphal.

Besonders betroffen sind feuchtigkeitsliebende, „atlantisch geprägte“ Baumarten wie Fichte und Buche. „Als relativ robust gegenüber dem prognostizierten Klimawandel werden Eiche, Kiefer, Weißtanne und Douglasie eingeschätzt“, sagt Westphal. Bei der Fichte komme der Borkenkäfer hinzu, der sich unter den aktuellen Wetterbedingungen rasant vermehrt. Den Fichten fehlt gegen den gefräßigen Käfer wegen des Feuchtigkeitsmangels die Abwehrkraft – sie können weniger Druck von innen gegen den Eindringling ausüben.

Eine weitere Folge der tief in den Boden gehenden Trockenheit zeigt sich bei den Neuanpflanzungen. Bei Hessen Forst sind es in diesem Jahr rund 630 000 Bäumchen im Staatswald. Sie haben noch keine tief in die Erdschicht reichenden Wurzeln, kommen also nur schwer oder gar nicht an die fürs Wachstum notwendige Feuchtigkeit heran. Wie groß die diesjährigen Schäden im Bereich der hessischen Forste sind, lässt sich laut Westphal erst absehen, wenn im nächsten Jahr die neue Wachstumsperiode beginnt. Es ist aber mit einem Betrag in Millionenhöhe zu rechnen.

Mit Hitze und Trockenheit wuchs natürlich auch die Waldbrandgefahr. Schon früh wurde vielerorts gewarnt. Bisher wurden in Hessen laut Forstverwaltung 110 Brände auf elf Hektar verzeichnet. Im Jahr 2017 waren es nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 58 Brände auf sechs Hektar. Rund ein Drittel dieser Feuer entstehen laut Hessen Forst durch Brandstiftung, ein weiteres Drittel durch Fahrlässigkeit – zum Beispiel weggeworfene Zigarettenkippen. Ein Drittel ist auf „sonstige Ursachen“ zurückzuführen, beispielsweise Scherben, die wie ein Brennglas wirken. Die hohe Gefahr eines möglicherweise verheerenden Feuers – in Brandenburg mussten jüngst mehrere Dörfer zeitweise evakuiert werden – bringt natürlich Einschränkungen nicht nur für die Waldnutzer mit sich. So manche Veranstaltung musste abgesagt oder eingeschränkt werden, Feuerwerke waren diesen Sommer eher selten zu bewundern.

Um den Wald besser gegen Extremwettersituationen zu wappnen, setzt Hessen Forst schon seit Jahren auf eine gute Mischung und Förderung der klimarobusten Baumarten. „Da sind wir auch ein bisschen stolz drauf: Wir sind bundesweit Mischwaldmeister.“

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