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Frühlingshafter Herbst hilft Natur und Landwirtschaft

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Wetter in Hessen
Zwei Pferde stehen auf einer Wiese bei Brandau, Gemeinde Modautal. © Hannes Albert/dpa

Viele Wochen mussten die Pflanzen und Tiere in diesem Sommer in Hessen auf Regen warten. Die Niederschläge seit September haben nicht nur der Natur gut getan, sondern arbeiten auch den Bauern in die Hände.

Wetzlar/Friedrichsdorf - Nach der massiven Trockenheit im Sommer hat der Herbst mit etwas Regen auch frühlingshaftes Grün zurück nach Hessen gebracht. Das tut nach den dürren Monaten nicht nur der Natur und vielen Tieren gut, sondern bessert teils auch die Erntebilanz der Bauern ein wenig auf. Auch für die kommenden Tage erwartet der Deutsche Wetterdienst eher wechselhaftes Wetter mit zeitweise auch stärkeren Regenfällen, etwa in der Nacht zum Freitag. Dabei bleibe es mit Temperaturen bis zu 20 Grad für Oktober deutlich zu warm, sagt Jan Kärger vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Der Regen seit September habe nicht nur das Gras sprießen lassen, sondern auch manchen Pflanzen auch zu neuer Blüte verholfen, sagt Berthold Langenhorst vom Umweltverband Nabu Hessen. Wiesenflockenblume und Hornklee zeigten sich erneut in leuchtendem Pink und Gelb, und auch die Schafgarbe feiert mancherorts ein Comeback. Für die Insekten sind das wichtige Nahrungsquellen. „Somit gibt es auch mehr Nahrung für Fledermäuse und Vögel“, sagt Langenhorst. Die Pilze profitieren ebenfalls kräftig vom Regen und zeigen sich in großer Zahl in Wäldern und auf Wiesen - beispielsweise Parasol-Pilze und andere Arten.

Sorgen um Pflanzen und Tiere für den Fall eines Kälteeinbruchs müsse man sich nicht machen, sagt Langenhorst. Die Witterung habe nämlich nur einen begrenzten Einfluss auf die Vorbereitungen auf den Winter. „Die wichtigsten Taktgeber im Herbst sind Tageslänge und Temperatur.“ Schon die ersten frostigen Nächte hätten dafür gesorgt, dass sich der Ahorn prächtig gelb und rot verfärbte. Auch andere Laubbäume leuchten in den typischen Herbstfarben.

In der Tierwelt haben Insekten und Amphibien mit der Suche nach frostfreien Winterverstecken begonnen und kommen – wie Marienkäfer, Baumwanzen und Spinnen – derzeit vermehrt in die Häuser. Bei den Vögeln sind die Lang- und Mittelstreckenzieher schon seit einigen Wochen auf dem Flug in die südlichen Überwinterungsgebiete. „Nur Kurzstreckenzieher wie Rotkehlchen, Buchfink und Star können aufgrund der milden Witterung mit noch gutem Nahrungsangebot länger hier bleiben“, erläutert Langenhorst. „Für sie ist das herbstliche Ergrünen und nochmalige Blühen also vorteilhaft.“ Auch den jungen Igeln komme das Wiederergrünen der Natur zugute, weil sie so noch länger nach Futter suchen können, bevor sie im November in den Winterschlaf gehen. „Sie müssen sich jetzt in kurzer Zeit noch viel Fett anfressen.“ Problematischer für Tiere und Pflanzen seien plötzliche Wärmephasen im Winter, weil sie sich dann auf kalte Temperaturen eingestellt haben.

Für die Wasserverfügbarkeit der Bäume hingegen habe der Regen bisher kaum Entlastung gebracht, erklärt Langenhorst. Um die Vorräte in den tieferen Bodenschichten, aus denen auch die Bäume ihr Wasser beziehen, wieder aufzufüllen, brauche es längere Regenphasen im Herbst und Winter. „Wenn die Vorräte im Winter nicht aufgefüllt werden, droht weiterer Trockenstress im kommenden Jahr.“ Auch nach der Sommer-Trockenheit sei es zudem wichtig, mit dem Wasser zu haushalten. „Wassersparen ist mittlerweile ein ganzjährig aktuelles Thema in Hessen“, so Langenhorst.

Auf den Feldern machen sich bei der Ernte derweil noch die Folgen des trockenen Sommers bemerkbar. So fielen die bisherigen Erträge bei der kürzlich gestarteten Zuckerrübenernte unterdurchschnittlich aus, erklärt eine Sprecherin des hessischen Bauernverbandes. Je nach Anbauregion seien die Zuckerrübenkörper teils kleiner oder teils auch faul. Vielfach seien zudem die Blätter durch die Hitze abgestorben oder sehr stark verwelkt und die Rüben dadurch für Krankheiten anfälliger. Dank des Regens seit Herbstbeginn hoffen die Landwirte aber bis zum Ende der Kampagne noch auf einen Ertragszuwachs.

Auch bei den Kartoffeln schmälerte die Sommer-Trockenheit demnach die Qualität in einigen Regionen. Die bereits zum Großteil abgeschlossene Kartoffel-Ernte habe eher kleine Knollen erbracht, dabei zeigte sich teilweise auch erheblicher Drahtwurmbefall. Die Würmer fressen Bohrgänge in Kartoffeln. Je nach Befallen können sie nicht mehr als Speise-, Veredelungs- oder Pflanzkartoffeln vermarktet werden und gelten auch als kaum lagerfähig.

Eine Aufholjagd dank der Niederschläge haben die Bauern hingegen beim Grünland- und Ackerfutter hingelegt: Nachdem die Bestände unter der Trockenheit im Sommer gelitten hatten, sei die Angst vieler Betriebe vor einer Futterknappheit groß gewesen, doch der Regen habe für Entspannung gesorgt, so die Sprecherin. So konnten viele Betriebe die Grünland- und Ackerfutterflächen zur Silonutzung noch einmal ernten.

Nun stehen beispielsweise noch Gemüsesorten wie Rosenkohl, Lauch, Kräuter, Kürbisse, Wintergemüse wie Rote Beete, Kohlrabi, Feldsalat und Spinat auf den Feldern, deren Ernte in der nächsten Zeit noch anstehe. dpa

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