Bernhard Vogel erhält Point-Alpha-Preis
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Preisträger Bernhard Vogel.

„Fühle mich beschämt“: Vogel erhält Point-Alpha-Preis

Das Bemühen um die deutsche Einheit gehört zur Lebensleistung von Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel. Das wurde nun auch mit einem wichtigen Preis anerkannt. Vogel widmet diesen jedoch Anderen.

Geisa/Rasdorf - Ein „bedingungsloser Demokrat“, ein „Unikat“ und „eine der herausragenden Personen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“: Begleitet von parteiübergreifenden Lobeshymnen hat Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) am Samstag den Point-Alpha-Preis erhalten. Mit dem Preis wurden seine Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas gewürdigt. Der heute 88-jährige ehemalige Regierungschef von Thüringen und Rheinland-Pfalz zeigte sich bei der Verleihung in der Gedenkstätte Point Alpha zwischen Geisa in Thüringen und Rasdorf in Hessen gerührt und geehrt. „Aber vor allem fühle ich mich beschämt“, sagte er.

Bernhard Vogel war der einzige Ministerpräsident, der je ein Land in West- und Ostdeutschland regiert hat. Von 1976 bis 1988 war er Regierungschef in Rheinland-Pfalz. Nach der Wende regierte er von 1992 bis 2003 in Thüringen. Er sei nach Thüringen gegangen um zu helfen, sagte Vogel am Samstag. „Wer 60 Jahre auf der Sonnenseite Deutschlands gelebt hatte, durfte doch denen, die Jahrzehnte in einem Unrechtsstaat leben mussten, Hilfe nicht versagen.“

Dass jedoch die Wiedererrichtung des Freistaats Thüringen gelungen war, sei nicht sein Verdienst gewesen. Sondern das sei Verdienst der Bürgermeister oder Landräte vor Ort, die nach der Wende aus dem Stand Aufgaben übernommen hätten, auf die sie in keiner Weise vorbereitet gewesen seien. „Danke ihr Bürger des ersten Augenblicks nach 1989“, sagte Vogel. Diesen Männern und Frauen müsse man ein Denkmal setzen. Er widme den Preis und auch das Preisgeld von 25.000 Euro denen, die es in besonderer Weise verdient hätten.

Wenn er auf die bisherigen Preisträger blicke, könne er sich nicht ohne weiteres hinzuzählen, sagte Vogel weiter. In der Vergangenheit hatten unter anderem der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), Ex-Kreml-Chef Michail Gorbatschow und der ehemalige US-Präsident George Bush senior die Auszeichnung erhalten.

Die heutige Grenzgedenkstätte Point Alpha war in Zeiten des Kalten Krieges ein Beobachtungsposten der US-Armee. Zu DDR-Zeiten standen sich dort die Militärblöcke von Ost und West gegenüber.

Bei der Preisverleihung am Samstag hielt Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) die Laudatio auf Vogel. Er nannte ihn eine der herausragenden Personen in der Geschichte der Bundesrepublik und ein Unikat. Vor allem sei es ihm jedoch gelungen, dass die Menschen in Thüringen ihm nach der Wende Vertrauen entgegengebracht und ihn als Landesvater akzeptiert hätten. „Sie mögen die Menschen und die Menschen mögen Sie.“

Vogel, der bei Bouffiers Rede sichtlich bewegt war, erwiderte, er bleibe auch gerne ein Unikat. „Weil ich nicht möchte, dass sich jemals wiederholt, was 1992 meinen Gang nach Thüringen notwendig gemacht hat“.

Auch die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hielt im Namen der Landesregierung eine Rede. Das Kuratorium Deutsche Einheit habe einen engagierten und bedingungslosen Demokraten ausgewählt. Auch heute erlebe sie Vogel immer wieder als Akteur in der Landespolitik im Freistaat. Er habe Thüringen nie aus den Augen verloren und sei immer wieder beratend zur Stelle gewesen.

Vogel, der in seiner weiteren Rede auch für eine europäische Antwort auf Krisen wie den Klimawandel und die Freundschaft zu den USA warb, betonte, dass man angesichts des DDR-Unrechtsstaats nie vergessen dürfe, wozu Engstirnigkeit und Ideologie führen könnten. An Werner gewandt sagte er: „So freundlich bin ich von einer Repräsentantin ihrer Partei bisher noch nicht angesprochen worden.“ dpa

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