+
Der lebensgroße Pferdekopf liegt in einem Lager.

Pferdekopf in Wiesbaden

Wem gehört der römische Schatz?

Das Fundstück ist eine kleine Sensation. Doch statt ausgestellt zu werden, lagert der Pferdekopf in Wiesbaden – und man streitet sich darum.

Die Metallsonde schlägt endlich an. Weitergraben oder nicht? Die Archäologen sind zunächst unsicher. Es siegt die Neugierde. Einige Stunden später halten die Forscher im mittelhessischen Lahnau-Waldgirmes einen der größten Schätze in der Hand, der in Hessen gehoben wurde: einen römischen Pferdekopf aus Bronze.

„Ich hatte damals vor Aufregung eine Gänsehaut“, erinnert sich Hobby-Heimatforscher Wilfried Paeschke, der im August 2009 den historischen Moment miterleben durfte. Seitdem hofft der Pensionär, dass die antike Skulptur in die Region zurückkehrt. Denn kurz nach der Entdeckung verschwand der Pferdekopf aus der Öffentlichkeit. Es folgten Untersuchungen, Restaurierungen – und ein Streit, der noch nicht beigelegt ist.

Die Archäologen gruben die wertvolle Bronzefigur auf dem Grund und Boden eines Landwirtes aus. 2009 sah das Landesrecht vor, dass ein solcher Fund zur Hälfte dem Land Hessen und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer gehört. Bis heute ringen das Land und der Lahnauer. Derzeit läuft am Gießener Regierungspräsidium (RP) ein Entschädigungsfestsetzungsverfahren. Dafür wurde auch ein Gutachter beauftragt, der den Wert des Pferdekopfes feststellen soll.

„Wir warten noch auf das Gutachten“, berichtet RP-Sprecherin Gabriele Fischer. Es solle noch vor den Sommerferien vorliegen. Die Streitparteien äußern sich auf Nachfrage nicht zum Konflikt und verweisen auf das laufende Verfahren. Nur so viel: „Wir hoffen, dass es schnellstmöglich zu einer Lösung kommt“, sagt Mark Kohlbecher, der Sprecher des Kunstministeriums.

Darauf hofft auch Wilfried Paeschke. Der Pensionär ist der Vorsitzende des Fördervereins „Römisches Forum Waldgirmes“. Der Verein engagiert sich dafür, die römische Geschichte der Region bekanntzumachen.

Der Kopf war Teil einer Reiterstatue. Die Figur stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus, der von 63 vor bis 14 nach Christus lebte. „Wissenschaftler haben uns gesagt, dass die Bedeutung dieses Fundes jener der Himmelsscheibe von Nebra oder des Keltenfürsten vom Glauberg gleichkommt“, sagt Paeschke. Vereinsgeschäftsführer Peter Schepp ergänzt, dass der Pariser Louvre den mittelhessischen Fund im vergangenen Jahr für eine Augustus-Ausstellung ausleihen wollte. Die Anfrage sei aber vergeblich gewesen.

Paeschke und Schepp machen mit dem Förderverein die Ergebnisse der archäologischen Grabungen in Waldgirmes seit Jahren öffentlich. Es geht ihnen um mehr als den Pferdekopf: Paeschke zufolge haben Archäologen in den vergangenen Jahrzehnten in Waldgirmes Spuren der bislang einzigen römischen Stadtgründung in Germanien östlich des Rheins und nördlich der Donau freigelegt. Die Mitglieder bereiten den Bau eines Besucherzentrums an der Ausgrabungsstätte vor. Der Pferdekopf, der noch in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege in Wiesbaden lagert, wäre eine besondere Attraktion.

(lhe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare