Täter schlagen vor allem auf dem Land zu

Geldautomaten im Visier von Panzerknackern: Immer mehr Sprengungen

Auf der Suche nach Bargeld haben es Kriminelle immer wieder auf einsam gelegene Bankautomaten abgesehen. Die Masche ist nur vermeintlich einfach und erfolgversprechend.

Für die gestiegene Zahl von gesprengten Geldautomaten in jüngster Zeit macht die hessische Polizei zumeist Profis verantwortlich. Dahinter stecken "überwiegend bundes- und europaweit professionell agierende Tätergruppierungen", wie das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden berichtete. Im vergangenen Jahr habe es landesweit 17 Fälle gegeben, davor 11. Die Steigerung erklärte das LKA auch damit, dass die Täter ihre geografischen Schwerpunkte verlagern. In diesem Jahr schlugen sie in Hessen bereits viermal zu, zuletzt in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis).

Typisch für die Masche ist, dass sich die Täter Automaten in abgelegeneren Regionen suchen und diese mit Gas in die Luft jagen. Sie setzten darauf, dass es weniger Zeugen gebe und die Polizei länger zum Tatort brauche als in Städten, erläuterte der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Jörg Reinemer, das Kalkül. So hatten Ganoven in der Vergangenheit gleich mehrfach in der mittelhessischen Gemeinde Langgöns zugeschlagen. Wohl auch wegen der verkehrsgünstigen Lage, um rasch die Flucht anzutreten. "Der Ort liegt trotz des dörflichen Charakters nahe zur Schnellstraße und Autobahn", sagte Reinemer. Verdächtige konnten bislang nicht ermittelt werden.

Wie viel Beute die meist unerkannt bleibenden Täter insgesamt gemacht haben, ist unklar. Auch, welcher Schaden bislang durch die Explosionen entstanden ist. "Hierbei kommt es auf den jeweiligen Einzelfall an", erklärte LKA-Sprecher Christoph Schulte. Neben der möglichen Beute und der Zerstörung am Automaten selbst könnten an den Gebäuden, in denen die Geräte untergebracht sind, immense Schäden entstehen.

Der Bundesverband deutscher Banken beobachtet seit mehreren Jahren einen deutschlandweiten Trend derartiger Taten. Nötig seien Ermittlungserfolge, um diesen Taten Einhalt zu gebieten, sagte Verbandssprecherin Julia Topar. Banken und Sparkassen arbeiteten bei dem Thema eng mit der Polizei zusammen. Zu den typischen Zielen der Täter gehören nach ihren Angaben nicht nur Geräte auf dem Land, sondern auch in grenznahen Regionen. "Gefährdete Automaten sind mit so viel Sicherheitstechnik wie möglich ausgestattet."

Dazu gehören neben Erschütterungsmeldern oder Videoüberwachung zum Beispiel auch Gas absorbierende Module sowie Farbpatronen, die Geldscheine einfärben, wenn ein Automat gewaltsam geöffnet wird. Jede Bank entscheide in Abstimmung mit der Versicherung selbst, welcher Automat wie geschützt werde, sagte Topar.

Auch wenn es die Täter immer wieder knallen lassen, um an Beute zu kommen: "Die Sprengung von Geldausgabeautomaten ist aufgrund der unkalkulierbaren Risiken weder simpel noch lukrativ", betonte das LKA und verwies auf einen Fall Mitte März. Bei der Sprengung eines Fahrkartenautomaten war der mutmaßliche Täter getötet worden.

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