Endlich daheim: Jonas Rüffler (rechts) und Dominic Malecha nach der Ankunft am Frankfurter Flughafen.
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Endlich daheim: Jonas Rüffler (rechts) und Dominic Malecha nach der Ankunft am Frankfurter Flughafen.

 Heimreise mit Hindernissen

Gestrandet in Neuseeland: Rückholaktion für Abiturienten aus Langen

Zwei Abiturienten aus Langen wollten in Neuseeland Abenteuer erleben - doch in der Corona-Krise wurde daraus eine durchwachsene Rückholaktion.

  • Während der Corona-Pandemie mussten Hunderte Deutsche aus dem Ausland vomAuswärtigen Amt zurückgeholt werden
  • Jonas Rüffler und Dominic Malecha aus Langen kehrt aus Neuseeland zurück in die Heimat
  • Hier erzählen sie von der abenteuerlichen Rückholaktion

Langen - In einer von der Regierung gecharterten Lufthansa-Maschine konnte der 19-Jährige als einer der letzten ausgeflogen werden, bevor die Grenzen sich vorübergehend komplett schlossen. Momentan befindet er sich vorsichtshalber noch in häuslicher Quarantäne – uns gab er ein Protokoll seiner Reise.

Gestrandet in der Corona-Krise: Rückholaktion aus Neuseeland

Nach dem bestandenen Abitur geht es für Jonas und seinen Freund Dominic Malecha erst mal ein Jahr ins Ausland. Ende Oktober 2019 brechen sie auf, Neuseeland ist das Ziel ihrer Wünsche. Zu Beginn der Reise gilt es, die Urlaubskasse zu füllen – sie heuern als Erntehelfer auf einer Kiwi-Farm an. Vom mitgebrachten Ersparten kaufen sie zuvor einen Gebrauchtwagen, der für die nächsten Monate nicht nur ihr Transportmittel, sondern auch ihr Schlafplatz werden soll. Marke Honda, Modell Odyssey. Dass auch ihnen – wie dem antiken Namensgeber Odysseus – eine Heimreise mit Hindernissen bevorstehen soll, wissen sie zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht.

Da war die Welt noch in Ordnung: Die beiden Langener Jonas Rüffler und Dominic Malecha (links) mit Bekannten in der grandiosen Natur Neuseelands. Foto: Strohfeldt/p

Nach rund vier Wochen ist ausreichend Schotter im Beutel, um das Land zu erkunden. Sie besuchen eine Alpaka-Farm, machen eine Vulkan-Wanderung, absolvieren eine Rafting-Tour und genießen die fantastische Natur der Nord- und der Südinsel.

Corona-Krise durchkreuzt Reisepläne: Von Neuseeland nach Langen

„Anfang Januar haben wir dann zum ersten Mal mitbekommen, dass in China etwas im Gange ist“, erinnert sich der 19-jährige Langener. Wie wohl für die meisten Menschen ist das zunächst nur eine Randnotiz. Um die Kasse wieder aufzufüllen suchen sich die Freunde im Februar abermals einen Job. Auf der Südinsel, in der Nähe von Christchurch, werden sie fündig, weitere vier Wochen Landarbeit sollen die nächsten Reisepläne finanzieren, denn im April soll es schließlich noch weitergehen – nach Thailand und vielleicht auch noch nach Vietnam.

Abiturienten aus Langen in Neuseeland gestrandet: Rückholaktion in der Corona-Krise

„Dass daraus eventuell nichts werden könnte, wurde uns dann Anfang März klar“, sagt Jonas. Mittlerweile ist das Virus in Europa auf dem Vormarsch. In Neuseeland sind zwar bis dato kaum Fälle bekannt, doch zwei Freundinnen, die nach Australien weitergereist sind, melden sich bei den beiden Langenern und berichten, dass sie den Kontinent verlassen müssen, dass die ersten Flughäfen schließen und dass die Ticketpreise massiv in die Höhe schnellen. „Das war der Wendepunkt für uns“, erzählt Jonas, „da haben wir angefangen, unseren Rückzug zu planen.“ Erstes Hindernis: den Wagen loswerden. „Wir konnten ihn ja nicht einfach am Straßenrand stehenlassen“. Doch die Nachfrage geht gegen Null. „Normalerweise verkauft man Autos einfach an die nächsten Reisenden“, sagt der Langener, „doch jetzt kamen ja keine mehr nach.“

Keine Reise in der Corona-Pandemie: 19-Jährige aus Langen saß in Neuseeland fest

Ein Händler nimmt den Jungs das Gefährt schließlich ab – zu einem Zehntel ihres ursprünglichen Kaufpreises. Nicht nur Geld, sondern auch mehrere Tage haben die Freunde dadurch verloren, können dann aber einen Rückflug für den 24. März buchen. Die Freude ist schnell zunichte. Am 23. März ruft Neuseeland Stufe drei des Covid-19-Notfall-Plans aus, der Flug wird gecancelt.

Nächstes Problem: Sie müssen aus ihrer Unterkunft, die sie kurzfristig angemietet hatten, raus und eine neue zu mieten ist eigentlich nicht erlaubt. Schließlich finden sie eine Möglichkeit. Gezahlt wird im Voraus, obwohl sie nicht wissen, wie lange sie bleiben werden. Inzwischen haben sie sich bei der Deutschen Botschaft auf eine Warteliste für die angelaufenen Rückholflüge eingetragen – die allerdings schon bald auf Anordnung der neuseeländischen Regierung wieder ausgesetzt werden müssen, da diese einen unkontrollierten Massenandrang an den Flughäfen befürchtet.

Rückholaktion aus Neuseeland: Abiturienten aus Langen berichtet

Als die Flüge wieder aufgenommen werden können, gibt es ein neues Angebot. Wer binnen einer halben Stunde zum Flughafen kommen kann, darf sich auf einer weiteren Liste eintragen. Für die erlösenden Anrufe gibt es zwei Zeitfenster, eines sehr früh morgens und eines am Mittag. „Wir sind dann die Nacht durch aufgeblieben, um ja nicht den eventuellen Anruf zu verpassen“, sagt Jonas, „für mittags haben wir uns den Wecker gestellt.“

Besonderes Andenken: das handgeschriebene Ticket.

Tatsächlich kommt der Anruf – doch leider nicht zu den vereinbarten Zeiten, sondern mittendrin. Und da schlafen die Freunde friedlich. Wieder nichts.

Von Neuseeland zurück nach Langen: Rückholaktion in der Corona-Krise

Ein festes Datum gibt es endlich für den 12. April. Und diesmal klappt es. „Das war schon emotional“, sagt Jonas, „Am Flughafen saß ein Mitarbeiter der Botschaft an einem Tisch mit großer Deutschland-Flagge und von der Fluggesellschaft bekamen wir ein handgeschriebenes Ticket, das ich mir ganz sicher als Souvenir aufheben werde.“ An Bord ist die Stimmung gut, die Crew – alles Freiwillige – bekommt immer wieder Beifall von den Passagieren. Via Bangkok geht es für unsere Langener nach Frankfurt in die Heimat. Endlich zuhause, melden sie sich beim Gesundheitsamt und bekommen von dort seitdem täglich einen freundlichen Anruf. Bis zum kommenden Dienstag. Dann ist diese Reise endgültig Geschichte.

Von Marc Strohfeldt


EineReise-Bloggerin aus Kassel in Nordhessen sitzt während der Corona-Krise in Thailand fest. Anfangs fühlte sie sich dort nicht sicher.

Auch die Darmstädter Lisa Hager und ihr Mann sitzen seit dem Ausbruch des Coronavirus  auf den Philippinen fest. Die Rückholaktion blieb für sie erfolglos.  

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