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Gewinn trotz Belastungen: Knofs erstes Commerzbank-Jahr

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Manfred Knof
Manfred Knof spricht während der Finanzkonferenz. © Arne Dedert/dpa/Archivbild

Teurer Konzernumbau, hohe Rückstellungen: Trotz Belastungen hat die Commerzbank 2021 wohl die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Doch es gibt noch viel zu tun für den seit gut einem Jahr amtierenden Konzernchef Knof und sein Team.

Frankfurt/Main - Beinahe wäre bei der Commerzbank die sicher geglaubte Rückkehr in die Gewinnzone doch noch gescheitert: Millionenrückstellungen der polnischen Tochter mBank verhagelten das vierte Quartal. Die Commerzbank beeilte sich jedoch, ihren Aktionären zu versichern, dass „dennoch ein positives Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2021“ zu erwarten sei. Am kommenden Donnerstag (17.2.) stellt Konzernchef Manfred Knof die Bilanz vor. Analysten erwarten unter dem Strich einen Minigewinn von etwa 100 Millionen Euro.

Noch kurz nach Weihnachten hatte Knof im „Handelsblatt“-Interview bekräftigt: „Es ist ein großer Erfolg, dass wir trotz Restrukturierungsaufwendungen von einer Milliarde Euro 2021 ein positives Ergebnis ausweisen werden.“ Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - seien im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, zudem sei die Vorsorge für drohende Kreditausfälle geringer ausgefallen als Anfang 2020 befürchtet, erklärte der Manager.

Wegen der Unsicherheit rund um Fremdwährungskredite in Polen kam aber eine Belastung hinzu. Die polnische Konzerntochter mBank legte zum Jahresende weitere 436 Millionen Euro zurück. Hintergrund ist der Streit um den Umgang mit Franken-Krediten: Viele Polen hatten in der Vergangenheit aufgrund niedriger Zinsen in der Schweiz Kredite aufgenommen, um eine Immobilie zu finanzieren. Doch weil in der Folge die polnische Landeswährung Zloty gegenüber dem Franken stark an Wert verlor, stiegen die Belastungen für die Kreditnehmer. Viele versuchen auf dem Klageweg, einen Ausgleich von ihrer Bank zu erhalten.

Das Jahr 2020 hatte die Commerzbank mit einem Minus von rund 2,9 Milliarden Euro abgeschlossen und damit den höchsten Verlust seit der Finanzkrise 2009 verbucht. Damals hatte der Staat die Bank mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt und wurde ihr größter Aktionär.

Der zum 1. Januar 2021 als Sanierer angetretene Knof hat den Sparkurs verschärft. Der Vorstand will bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen von ursprünglich etwa 39.500 auf 32.000 verringern. Das Filialnetz in Deutschland wird deutlich ausgedünnt: von 790 Standorten sollen 450 übrig bleiben.

Knof räumte ein: „Natürlich reicht es nicht, zu schrumpfen und Kosten zu senken.“ Sein oberstes Ziel: Die von der ersten Börsenliga in den MDax abgestiegene Commerzbank soll nicht - wie so oft in der Vergangenheit - zur Übernahmekandidatin werden. Es gehe darum, „alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Commerzbank auch eigenständig bleiben kann“, betonte der Vorstandschef im November beim „Wirtschaftsgipfel“ der „Süddeutschen Zeitung“.

Und am liebsten würde Knof die Zukunft ohne den Staat planen. „Als private Bank glauben wir, dass es natürlich besser ist, wenn wir später auch unabhängig sind und wenn auch irgendwann mal der Staat sicherlich wieder rausgeht“, sagte Knof bei dem „Wirtschaftsgipfel“.

Ein anderer Großaktionär ist auf dem Rückzug: Der US-Finanzinvestor Cerberus trennte sich gut vier Jahre nach seinem Einstieg bei Commerzbank und Deutscher Bank von einem erheblichen Teil seiner Aktien an den beiden Großbanken. Einer Stimmrechtsmitteilung aus dem Januar zufolge sank der Cerberus-Anteil an der Commerzbank von etwas mehr als fünf Prozent auf knapp unter drei Prozent. Der Hedgefonds, der lange auf eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank hoffte, hatte mit deutlicher Kritik an Knofs Vorgänger Martin Zielke den Wechsel an der Commerzbank-Spitze befördert.

Für das laufende Jahr sieht Knof sein Haus gut aufgestellt, wie er kurz vor dem Jahreswechsel sagte: Er sei „grundsätzlich optimistisch“, dass sich das Kerngeschäft der Commerzbank weiterhin gut entwickeln werde. Doch Knof ist auch Realist, wie er im November bekannte: „Den größeren Weg der Wegstrecke haben wir noch vor uns. Wir befinden uns mitten in einem Marathon.“ Analysten trauen der Bank für das laufenden Jahr einen Gewinn von gut 900 Millionen Euro zu. dpa

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