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K+S hält trotz drohendem Gasmangel an Jahresprognose fest

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Obwohl Gasmangel und hohe Energiepreise drohen, bestätigt der Dünger- und Salzkonzern K+S sein Gewinnziel für das laufende Jahr. Das hat vor allem mit den hohen Kali-Preisen zu tun.

Kassel - Der Dünger- und Salzkonzern K+S rechnet ab Oktober mit deutlich erhöhten Energiekosten und einem Mangel an Gas. Dennoch hält das Unternehmen mit Sitz in Kassel am Gewinnziel für das laufende Jahr fest. „Wir bestätigen unsere bisherige Ebitda-Prognose für das Geschäftsjahr 2022, selbst wenn es wie in unserem Szenario unterstellt zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Erdgas und einer Gasumlage im vierten Quartal kommen sollte“, sagte Konzernchef Burkhard Lohr laut Mitteilung vom Donnerstag. Bis Ende des Jahres sollen ihm zufolge weiter 2,3 bis 2,6 Milliarden Euro operatives Ergebnis (Ebitda) erzielt werden.

Die Prognose des im MDax gelisteten Konzerns unterstellt im vierten Quartal eine um 25 Prozent reduzierte Erdgasverfügbarkeit an allen deutschen Standorten. K+S nimmt also an, im Schlussquartal nur noch drei Viertel des Gasbedarfes zu erhalten. Kompensiert werden könne der Mangel teilweise durch Strom und Öl, erläuterte Lohr in einem auf der Unternehmens-Website im Zuge der Vorlage der Quartalszahlen veröffentlichten Interview. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, uns auf die tatsächliche Situation vorzubereiten“, betonte er.

Außerdem kalkuliert K+S mit erhöhten Gaskosten im niedrigen dreistelligen Millionen-Bereich. Mit Blick auf die von der Bundesregierung geplante Gasumlage legte Lohr im Interview 5 Cent je Kilowattstunde zugrunde, die das Unternehmen zu zahlen haben werde. Das wäre das obere Ende der Spanne, die Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) genannt hat.

Die Umlage soll ab Anfang Oktober greifen und Gasversorgern wie Uniper helfen, denn die müssen zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende, günstigere Gasmengen aus Russland kaufen. Sie können diese Mehrkosten aber bisher nicht direkt weitergeben, was durch die Umlage geschehen soll. Die Höhe der Umlage wird vom sogenannten Marktgebietsverantwortlichen am 15. August mitgeteilt - das ist die Trading Hub Europe (THE), ein Zusammenschluss von Netzgesellschaften.

Der Gaspreis ist in den letzten Monaten stark gestiegen, weil Russland seine Lieferungen nach Europa als Reaktion auf die vom Westen infolge des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen stark gedrosselt hat. Zudem ist ungewiss, wie lange überhaupt noch Gas fließen wird. Gerade die deutsche Wirtschaft hat in den letzten Jahren stark auf Erdgas gesetzt, was zu einer massiven Abhängigkeit von Russland geführt hat.

Dass K+S trotz drohenden Gasmangels und hoher Energiepreise an seiner Jahresprognose festhält, liegt vor allem an den hohen Düngerpreisen. Dabei spiele insbesondere das fehlende Angebot aus Belarus und Russland eine Rolle, erklärte Lohr. Die beiden Länder sind bedeutende Hersteller von Kalidünger. Bereits im vergangenen Jahr waren die Düngerpreise infolge der vom Westen verhängten Sanktionen gegen Belarus und der starken Nachfrage von Landwirten explodiert. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ließ sie noch weiter nach oben schnellen.

„Der starke Anstieg des Durchschnittspreises im Kundensegment Landwirtschaft sollte erwartete Kostensteigerungen, insbesondere für Energie, Logistik und Material, deutlich übertreffen“, erklärte K+S am Donnerstag. Der Vorstandsvorsitzende Lohr geht zudem davon aus, dass die Kalipreise im zweiten Halbjahr im Durchschnitt noch etwas höher sein werden als im zweiten Quartal und sich insgesamt auf hohem Niveau einpendeln werden.

Dabei rechnet Lohr für 2022 mit einem Kali-Absatz von 7,5 Millionen Tonnen, wobei bereits Probleme durch die aktuelle Trockenheit in Deutschland eingerechnet seien. Zwar sei 2022 noch trockener als das Problemjahr 2018, doch habe K+S seither viel getan - etwa durch die Schaffung von mehr Rückhaltemöglichkeiten für Produktionsabwässer an der Werra sowie anderer Lagerkapazitäten, erklärte der Manager. Damals war die Produktion von K+S teils schwer gestört, weil K+S nicht genügend Abwasser in die Werra leiten konnte.

Und die Arbeiten am Verbundwerk Werra gehen weiter. Erst im Juni hatte K+S angekündigt, weiter an der Verbesserung des Produktionsportfolios und am Umweltschutz arbeiten zu wollen. Auch dadurch sollen Kalivorräte, die noch etwa bis zum Jahr 2060 reichen werden, bestmöglich genutzt werden. Über mehrere Jahre hinweg soll dazu insgesamt ein mittlerer dreistelliger Millionen-Euro-Betrag in die Senkung des Gasverbrauchs, eine Verringerung des Abwassers sowie in den Ausbau des Angebots margenstärkerer Spezialdünger investiert werden. Details dazu soll es im Herbst geben.

Im abgelaufenen zweiten Quartal erreichte der Konzernumsatz mit 1,5 Milliarden Euro mehr als das Doppelte des Vorjahreswertes. Dabei profitierte K+S neben hohen Preisen für Kalidünger auch von einer robusten Nachfrage nach Auftausalz in Nord- und Osteuropa sowie deutlich höheren Umsätzen mit der Chemieindustrie. Der bereinigte Überschuss aus dem fortgeführten Geschäft belief sich auf gut 436 Millionen Euro, nach 157,5 Millionen vor einem Jahr.

K+S verkauft weltweit Kali-Produkte als Düngemittel oder Rohstoffe. Der Konzern beschäftigt insgesamt rund 11 000 Mitarbeiter, davon mehr als 4000 in Hessen und Thüringen. dpa

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