Panikkäufe

Supermärkte melden erste Corona-Hamsterkäufe - Vor allem junge Menschen decken sich ein

  • vonMirko Schmid
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Wegen steigender Corona-Fallzahlen melden Supermärkte in Deutschland vermehrt Hamsterkäufe. Vor allem jüngere Menschen wollen sich mit mehr Toilettenpapier und Nudeln eindecken.

  • Bei den Supermärkten Lidl und Aldi wird mehr Toilettenpapier verkauft.
  • Nutzer in sozialen Medien verbreiten Bilder von leergeräumten Regalen – die Corona-Hamsterkäufe gehen wieder los.
  • Laut Julia Klöckner besteht trotz steigender Fallzahlen in der Corona-Krise* kein Grund zur Sorge: „Die Lieferketten funktionieren“.

Update vom Montag, 19.10.2020, 12.00 Uhr: Die Zeit der Hamsterkäufe scheint allmählich wiederzukommen - zumindest bei einem Teil der Deutschen. Immerhin will sich etwa jeder Zehnte in Deutschland in den kommenden Wochen verstärkt mit Toilettenpapier, Nudeln und anderen Waren des täglichen Gebrauchs eindecken. Das ergab eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter knapp 6000 Menschen Mitte Oktober.

Demnach antworteten neun Prozent der Befragten auf die entsprechende Frage mit „ja“ oder „eher ja“. Fast zwei Drittel (64 Prozent) schlossen derartige Hamsterkäufe dagegen ausdrücklich aus. Auffallend ist, dass sich vor allem jüngere Menschen der Umfrage zufolge mit mehr Toilettenpapier und Nudeln eindecken wollen: Am häufigsten beantworteten Menschen zwischen 25 und 34 Jahren die Frage mit „ja“ oder „eher ja“ (15 Prozent).

Wegen der erneuten Corona-Hamsterkäufe sind einige Produkte im Supermarkt wieder Mangelware.

Corona-Krise in Deutschland: Es wird wieder gehamstert

Update vom Sonntag, 18.10.2020, 15.43 Uhr: Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin und CDU-Politikerin, appelliert an die Verbraucher, trotz der ansteigender Corona-Infektionen keine größeren Mengen einzukaufen als sonst. Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund“, sagte Klöckner der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Die Lieferketten funktionieren – das gilt nach wie vor.“ Zu keiner Zeit in der Pandemie sei die Lebensmittelversorgung in Deutschland gefährdet gewesen.

Bilder von Hamsterkäufen: Julia Klöckner appelliert in der Corona-Krise an die Bürger

„Wer hortet, handelt nicht nur unlogisch, sondern auch unsolidarisch“, betonte die Ministerin. „Und am Ende landet vieles in der Tonne.“ Hintergrund ist, dass große Supermarktketten über eine steigende Nachfrage nach bestimmten Produkten ähnlich wie im Frühjahr berichten.

In sozialen Netzwerken machen zudem Fotos von sich leerenden Regalen mit Toilettenpapier, Hygieneartikeln und Lebensmitteln die Runde. Ein Twitter-Nutzer schreibt: „In Köln geht es wieder los. Sind die eigentlich alle doof?“ Andere Supermarkt-Kunden versuchen die Hamsterkäufe anscheinend einem Augenzweinkern zu betrachten und teilen Bilder, wie sie Alkohol einkaufen.

Julia Klöckner über Corona-Hamsterkäufe: „Wenn jeder normal einkauft, steht man auch selbst nicht irgendwann vor leeren Regalen“

„Aus dem Lockdown-ähnlichen Zustand im Frühjahr liegen uns wichtige Erfahrungswerte vor, damit Wirtschaften in der Pandemie gelingt“, sagte Klöckner weiter. Politik und Wirtschaft wüssten nun, wie „Vorsorge und Versorgung verantwortungsvoll organisiert“ werden könnten. „Auch die Überzeugung, nicht mehr unabgesprochen Grenzen zu schließen, ist wichtig, damit der europäische Warenaustausch in Pandemiezeiten funktioniert.“ Sorgen um Engpässe seien unbegründet: „Wenn jeder normal einkauft, steht man auch selbst nicht irgendwann vor leeren Regalen.“

Erstmeldung vom Freitag, 16.10.2020, 13.15 Uhr: Frankfurt – Die Corona-Zahlen in ganz Deutschland steigen derzeit schnell an. In der Bevölkerung macht sich Verunsicherung breit. Das ist nun auch wieder in einigen Supermärkten zu spüren. In mehreren Geschäften leeren sich bereits die Toilettenpapier-Regale. Müssen sich die Discounter jetzt erneut auf Hamsterkäufe* einstellen?

Hamsterkäufe: Bei Lidl und Aldi steigt die Nachfrage nach Toilettenpapier

„Aktuell verzeichnen wir in unseren Filialen erstmals wieder einen leichten Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten, darunter auch Toilettenpapier“, bestätigt Aldi Süd der Wirtschaftswoche. Ähnliches scheint sich beim Konkurrenten Lidl abzuspielen: „In einigen Regionen und Filialen verzeichnen wir vereinzelt eine leicht erhöhte Nachfrage in unserem Hygienesortiment. Auf eine Veränderung der Sachlage sind wir jedoch gut vorbereitet und können durch angepasste Maßnahmen schnell reagieren, um die Filialen mit ausreichend Ware zu versorgen“, sagt ein Sprecher von Lidl.

Aus einem Edeka-Markt in Wuppertal gibt es bereits Berichte über Hamsterkäufe. Der Geschäftsführer habe eine gesteigerte Nachfrage nach Küchenrollen, Toilettenpapier und lange haltbaren Lebensmitteln wie beispielsweise Milch und Nudeln festgestellt. Das berichtet die Wuppertaler Rundschau. Dies sei nicht nur ein Einzelfall. In anderen Geschäften sehe es ähnlich aus.

Dieses Kaufverhalten sei gegenüber anderer Kunden egoistisch. Die Folge: In dem Edeka-Markt darf ab sofort nur noch eine Packung Toilettenpapier bestimmter Sorten pro Haushalt gekauft werden. Eine weitere Filiale der Supermarktkette Edeka hat mit Bezug auf diese neuen Entwicklungen spielerisch per Twitter dazu aufgerufen, in Zukunft nur haushaltsübliche Mengen zu kaufen. Andere Handelsketten wie Rewe, dm und Kaufland konnten bisher noch keine Veränderungen im Kaufverhalten ihrer Kunden feststellen.

Ob es in den kommenden Wochen und Monaten wieder jede Menge leere Toilettenpapier-Regale geben wird, ist derzeit nicht auszuschließen. „Es könnte natürlich zu erneuten Hamsterkäufen kommen“, berichtet Marktforschungs-Experte Dominick Overbeck im Handelsblatt. Allerdings sei es auch möglich, dass die Verbraucher aufgrund der Erfahrungen während der ersten Corona-Welle keine Versorgungslücken befürchten und deshalb auf eine ständige Verfügbarkeit vertrauen.

Toilettenpapier-Umsatz in der zweiten Märzwoche mehr als verdoppelt

Während der ersten Phase der Corona-Pandemie kam es in ganz Deutschland immer wieder zu Hamsterkäufen. Im Frühjahr standen die Kunden in den Supermärkten oft vor leeren Regalen. Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, Nudeln und Mehl waren über mehrere Wochen hinweg oft vergriffen. Laut Marktforschern lag der Klopapier-Umsatz in der zweiten Märzwoche mehr als doppelt so hoch wie in der Vergleichswoche im Jahr 2019. Das berichtet die Welt. Danach gingen die Zahlen steil bergab. Er ist im Juli stabilisierten sie sich wieder.

Frankfurt verbietet Hamsterkäufe

Auch in vielen hessischen Städten wurden im vergangenen Frühjahr die Regale geplündert. Dies hatte zur Folge, dass unter anderem in Frankfurt und Hanau* Hamsterkäufe verboten wurden. Geschäfte durften damals nur noch handelsübliche Mengen an ihre Kunden verkaufen. „Mit dieser Verfügung wollen wir ganz gezielt die unsägliche Praxis von Hamsterkäufen unterbinden“, teilte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am 23. März mit. Noch drastischere Worte fand der Hanauer Bürgermeister Claus Kaminsky (SPD): „Hamsterkäufe sind asozial“, sagte er.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) musste im März Hamsterkäufe verbieten.

Die Supermarktfilialen in ganz Deutschland hoffen nun, dass solche Verbote in den kommenden Wochen nicht nötig werden. „Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Monate beobachten wir Nachfrageschwankungen sehr genau, um etwaige Lieferengpässe vermeiden zu können“, hieß es bei Aldi Süd. Es gebe also definitiv keinen Anlass für Hamsterkäufe. Fest steht freilich, dass sich die Menschen erneut auf mehrere Wochen oder Monate in den eigenen vier Wänden einstellen. Das zeigt auch eine Suchanalyse von Google, die besagt, dass die Leute wieder vermehrt nach begriffen wie Corona-Zahlen, Fieberthermometer und Puzzlespielen suchen. (Von Tobias Ketter) (*fr.de, wa.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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