+
Jerome Boateng.

Umfrage

Hautfarbe eines Fußballspieler spielt kaum eine Rolle

Die Hautfarbe eines Fußballspielers in der Nationalmannschaft spielt einer Umfrage zufolge für die überwältigende Mehrheit der Deutschen keine Rolle.

Für eine überwältigende Mehrheit der Deutschen spielt einer Umfrage zufolge die Hautfarbe eines Spielers in der Fußball-Nationalmannschaft keine Rolle. Nur für sechs Prozent der Befragten wäre "keine helle Hautfarbe" ein Ausschlusskriterium, teilte der Sportsoziologie-Professor Michael Mutz von der Justus-Liebig-Universität Gießen am Dienstag mit. Die Wissenschaftler hatten vom 9. bis 27. Mai deutschlandweit rund 1556 Erwachsene befragen lassen. Die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap sei repräsentativ.

AfD-Vize Alexander Gauland hatte am vergangenen Sonntag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit Blick auf Nationalspieler Jérôme Boateng gesagt hatte: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Boateng ist in Berlin geboren. Er hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater.

Kurz zuvor hatten sich Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung abschätzig über Jugendfotos der deutschen Nationalspieler auf Packungen der Kinderschokolade geäußert. Darauf zu sehen sind unter anderem Boateng und Ilkay Gündogan.

Die Fragen seien zwar in direktem Bezug zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft gestellt worden, bezögen sich jedoch auf alle Sportarten, erklärte Mutz. Die Forscher wollen mehr über die kollektive Identifikation erfahren, die sportliche Großereignisse auslösen können. "Die Deutschen messen der Hautfarbe der DFB-Spieler überhaupt keine Bedeutung bei", betonte der Sportsoziologe.

Geringes Verständnis würden die Befragten dagegen einem Sportler entgegenbringen, der "extreme politische Ansichten" vertritt. In diesem Fall sprechen sich mehr als drei Viertel (76 Prozent) gegen die Nominierung für ein Nationalteam aus, teilte Mutz mit. Dies könne daran liegen, dass Menschen es ablehnten, wenn Sport für politische Zwecke instrumentalisiert würde.

Ebenfalls skeptisch wären die Deutschen, wenn sich ein Sportler "noch stärker mit einem anderen Land verbunden fühlt" oder "schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist". In beiden Fällen wäre laut Umfrage eine Mehrheit der Ansicht, dass diese Sportler Deutschland nicht gut repräsentieren.

(dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare