Rückenwind nach der Kommunalwahl

Hermann Otto Solms: Das Comeback

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Da ist er wieder: Hermann Otto Solms feierte in seinem Landkreis einen Sensationserfolg. Jetzt strebt er mit 75 nach Höherem. Wie schafft er das?

Eigentlich wollte er gar nicht mehr. Hermann Otto Solms ist im November 75 geworden. Da denkt man ans Aufhören. Bei der Kommunalwahl ließ er sich deshalb vorsorglich auf den Ehrenplatz der Liste setzen, ganz hinten an letzter Stelle. Doch die Rechnung hatte Solms wohl ohne die Wähler gemacht. Am Ende war es ein politisches Comeback, mit dem keiner gerechnet hätte, am wenigsten er selbst.

Durch Kumulieren und Panaschieren rutschte Hermann Otto Solms – man beachte: FDP-Politiker – von Platz 79 auf Platz vier vor. Die Hände noch warm vom Beglückwünschen, ließ er wenig später eine „persönliche Erklärung“ veröffentlichen, die so nüchtern beginnt, als müsse er erst noch eine Bestandsaufnahme machen, um zu begreifen: „Die Wähler haben mich bei der hessischen Kommunalwahl am 6. März in den Kreistag gewählt.“ Kurz Luft holen. Dann fährt er fort: „Ich sehe darin einen persönlichen Vertrauensbeweis, für den ich den Wählern vielmals danke. Deshalb habe ich mich nunmehr entschlossen, das Kreistags-Mandat anzunehmen.“ Dann setzt er noch einen drauf: Er will sogar in den Bundestag zurück, aus dem er 2013 ausgeschieden war, und dafür bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 als Kandidat im Wahlkreis Gießen antreten.

Da ist er also wieder. Als wäre er nie weg gewesen. Solms ist eben Solms. Seit Jahrzehnten unverändert. Der bekannteste Schnauzer der Republik und ein treuer Diener seiner Partei, der sie noch aus Zeiten kennt, da sie eine weitaus bedeutendere Rolle spielte als heute.

Die sozial-liberale Koalition von Brandt und Scheel hatte ihn dazu bewogen, 1971 in die FDP einzutreten und Politik zu machen. Wenig später saß er als Referent im Büro der damaligen Bundestagsvizepräsidentin Liselotte Funcke. Beamter war aber nicht sein Ding. Der studierte Diplom-Ökonom machte sich als Unternehmer selbstständig und gründete mit einem Freund ein Unternehmen. Sie begannen Videospiele zu verkaufen, die zu dieser Zeit in Deutschland noch unbekannt waren. Ein riesiger Erfolg. Solms und sein Partner verdienten ein paar Millionen.

Auch politisch stieg er ins große Geschäft ein. 1980 zog er in den Bundestag ein und wurde stellvertretender Vorsitzender seiner Partei, in den 90er Jahren zog er die Strippen als Fraktionsvorsitzender. „Der Durchbruch des Prinzen“ schrieb damals der „Spiegel“ in Anspielung auf seinen vollständigen Namen, Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich, obwohl er selbst den berühmten Bestandteil seines Namens nie in den Vordergrund stellte („Das schafft Distanz und Unsicherheit.“)

Solms war ganz nah dran an politischen Wegmarken, die sich heute wie ein kleiner Exkurs in deutsche Nachkriegsgeschichte lesen: Nato-Doppelbeschluss, Deutsche Einheit, Einführung des Euro. Ein anderes historisches Datum bleibt ebenso mit ihm verbunden: Als Vizepräsident des Bundestags schloss Solms am 1. Juli 1999 die letzte reguläre Bundestagssitzung im Plenarsaal des Bonner Bundeshauses.

Zwei Mal war Solms auch Bundesschatzmeister, von 1987 bis 1999 und von 2004 bis 2011. 2012 unterlag er schließlich in einer Kampfkandidatur um den Spitzenplatz der hessischen Landesliste Heinrich Kolb. Solms verzichtete ganz auf einen der hinteren Plätze und schied somit nach der Bundestagswahl 2013 aus dem Bundestag aus.

Im Rückblick beschreibt er seinen langjährigen Parteikollegen und ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher als die „zentrale Figur“ in den vergangenen 50 Jahren Bundespolitik, als Einziger „auf Augenhöhe mit Kohl“. Mittlerweile gehört Hermann Otto Solms selbst wieder zu den zentralen Figuren, zumindest innerhalb der FDP, die er zusammen mit dem Parteivorsitzenden Christian Lindner („brillanter Redner“) 2017 wieder in den Bundestag führen will.

Lindner war es, der ihn im vergangenen Jahr ausdrücklich dazu aufforderte, als Schatzmeister im Amt zu bleiben. Nach der Kommunalwahl war es wieder Lindner, der ihn zur Kandidatur für den Bundestag bewog. Viel Überredungskunst war nicht nötig. Solms willigte ein. Weil er noch einmal, so wie einst, der liberalen Stimme im Bundestag „Gehör verschaffen“ möchte. Und weil er, ganz persönlich, allen Mitmenschen im fortgeschrittenen Alter zeigen möchte, dass man sich noch für die gesellschaftlichen Belange einsetzen kann, „so lange es geht“. Der jüngste Wahlerfolg in seinem Wahlkreis bestärkt ihn dabei. In Lich bewohnt er mit seiner Ehefrau ein Altstadthaus, in Sichtweite zum alten Familienbesitz, dem Licher Schloss, das sein ältester Bruder bis zu seinem Tode im vergangenen Jahr bewohnte. Hermann Otto Solms hat drei Töchter.

Die Leute mögen ihn. Solms spürt das. „Die Menschen orientieren sich an Personen, gerade in unruhigen Zeiten“, sagt er. Nach 33 Jahren Bundestag genieße er eben einen Vertrauensvorschuss. Immer „gerade Linie“, den „Stil durchgehalten“. Davon profitiert er jetzt. Und sie suchen seinen Rat. Den kann die FDP gut gebrauchen. Genauso wie seine Tochter Marie Christine. Vor kurzem gründete sie ein Start-Up-Unternehmen. So wie er einst. Und sie engagiert sich neuerdings politisch. Überraschend zog sie vor kurzem ins Licher Stadtparlament ein. Für die FDP.

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