+
Aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika, China, Indien, Schweden, Deutschland und Südkorea stammen die Kinder auf diesem Foto. Insgesamt besuchen 1800 Schüler aus rund 50 Nationen die Frankfurt International School.

Herrlich Hessisch

Hello, Hallå, Ni hao, Namaste

Unser vielseitiges Bundesland ist Thema der Serie „Herrlich Hessisch“. Will man die ganze Welt treffen, muss man ins Rhein-Main-Gebiet. Kaum irgendwo trifft man auf eine derart breite Vielfalt unterschiedlicher Nationen und Kulturen wie hier. Besonders deutlich wird das bei einem Besuch an der Frankfurt International School in Oberursel.

Aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika, China, Indien, Schweden, Deutschland und Südkorea stammen die Kinder auf diesem Foto. Insgesamt besuchen 1800 Schüler aus rund 50 Nationen die Frankfurt International School.

Die Mitte, das ist das Rhein-Main-Gebiet. Verkehrsgeografisch liegt es im Süden von Hessen, aber in der Mitte Deutschlands und sogar in Europas Mitte. Und wann war Europa je wichtiger als heute? Offiziell heißt das Gebiet seit 2005 Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. Kaum eine Region im Land ist internationaler. In Frankfurt etwa hat die Hälfte der Einwohner einen Migrationshintergrund. Wie viele der Stadtbewohner ausländische Wurzeln haben, hängt von Definition und Datengrundlage ab. Laut Melderegister lag der Anteil 2017 bei 51,2 Prozent und damit erstmals über der 50-Prozent-Marke, wie Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) zu Protokoll gibt. Der Mikrozensus geht von einem Anteil von 44,7 Prozent aus. 90 Prozent der 194 Staaten der Welt sind in Frankfurt vertreten. Die größte Gruppe sind Türken. Es folgen Kroaten, Italiener und Polen. Über 60 Prozent der Ausländer sind EU-Bürger.

Im Taunus-Städtchen Oberursel konzentriert sich die Internationalität am Waldrand. Dort, wo die Frankfurt International School (FIS) ihren Campus hat, lernen 1800 Schüler aus rund 50 Nationen in der Ganztagsschule.

Internationale Familie

Emil (Name von der Redaktion geändert) ist 17 und besucht die FIS seit drei Jahren. Seine Biografie, seine Familie sind so international wie die vieler seiner Mitschüler. Emil ist in Chile geboren. Seine jüngere Schwester Vanessa (Name von der Redaktion geändert) erblickte in Argentinien das Licht der Welt. Die Mutter der Geschwister ist Brasilianerin, der Vater Deutscher. Emil hat schon oft die Schule gewechselt. Die Familie folgte den beruflichen Stationen des Vaters, der für ein internationales Großunternehmen tätig ist, zog von Südamerika vor Jahren zum ersten Mal nach Deutschland, blieb für drei Jahre. Dann ging es für dreieinhalb Jahre in die USA. Seit gut drei Jahren lebt die Familie wieder in Deutschland. Emil bereitet sich gerade auf die Prüfungen zum International Baccalaureate, der internationalen Hochschulreife vor. Möglich macht das ein international verbindlicher Lehrplan, der in Oberursel genauso gilt wie in Oman und Ottawa.

"Weil die Kinder oft nur wenige Jahre in Deutschland und an unserer Schule sind, müssen wir alles tun, um ihnen eine einheitliche Ausbildung und den komplikationslosen Einstieg in die Schule am neuen Ort zu ermöglichen", erklärt Vera Thiers, Sprecherin der FIS, die Vorzüge des Konzeptes. Das übrigens lange erprobt ist. 1968 wurde die FIS Testschule für diese Art des Lehrplans. 1972 stellte sie die ersten Zeugnisse nach den Standards des International Baccalaureate aus. Das waren Höhepunkte in der Geschichte der FIS, die ihre Existenz der Initiative sechs britischer und amerikanischer Familien verdankt. Die Gründer setzten ihre Idee von einer internationalen Schule 1961 um, gründeten einen eingetragenen Verein und starteten den Unterrichtsbetrieb mit 120 Schülern und elf Lehrern in einer alten Villa in Oberursel. 1992 kam ein Ableger in Wiesbaden dazu.

Eltern spielen große Rolle

Heute ist die FIS die zweitgrößte internationale Schule in Europa, immer noch in der Trägerschaft des Vereins. "Die Schule gehört den Eltern", sagt Thiers. Längst ist der Schulbetrieb auf einen 65 000 Quadratmeter großen Campus An der Waldlust umgezogen. Die alte Villa beherbergt jetzt die Schulverwaltung. Ihren jährlichen Betriebs-Etat weist die Schule mit 43 Millionen Euro aus. Finanziert wird die Schule vor allem aus dem Schulgeld in Höhe von durchschnittlich 19 500 Euro pro Schüler und Jahr. Staatliche Fördermittel erhalte die Schule nicht, sagt Thiers. Neben den MINT-Fächern hat in der FIS naturgemäß der Spracherwerb einen hohen Stellenwert. Zwölf Sprachen werden unterrichtet. Englisch ist Unterrichtssprache, Deutsch Pflichtsprache. Ein Teil des Erfolgsrezeptes der FIS sei ein Modell zur Integration neuer Schüler und deren Familien, sagt Vera Thiers. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Eltern der Bestandsschüler. Sie stünden als "Country Representatives" Neuankömmlingen zur Seite. "Es sind oftmals die vertrauten Kleinigkeiten aus der Heimat, die gewohnten Rituale und Feste, die das Gefühl von Angekommensein und Wohlbefinden in der neuen Umgebung ausmachen", weiß Vera Thiers. Und manchmal sind es Käsebällchen, die das Alltagsglück ausmachen.

Pao de Quejio, sagt Emils Mutter Celia (Name von der Redaktion geändert), gehörten für Brasilianer zum Alltag. Celia ist Country Representative der FIS für Brasilien und weiß genau, worauf es ihren Landsleuten nach dem Umzug ins Rhein-Main-Gebiet ankommt. "Oft ist es schon eine Qualität, wenn man sich gerade in der Phase der Orientierung am neuen Ort erst einmal in der Muttersprache verständigen kann." Und natürlich weiß sie, wo es im Rhein-Main-Gebiet die besten Pao de Quejio gibt. 17 brasilianische Familien hätten derzeit ihre Kinder auf der FIS. "Wir stehen alle miteinander in Verbindung", so Celia. So sorgen die Eltern untereinander für die kulturelle Integration der Neuankömmlinge. Sie selbst, sagt Celia, fühle sich im Rhein-Main-Gebiet längst heimisch. "Wegen der Kinder und der Schule" wohne die Familie in Bad Soden, während der Vater in Ludwigshafen arbeite und täglich 100 Kilometer pro Richtung pendele. Emil wird die FIS demnächst mit internationalem Abschluss verlassen. Er spricht Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch. Lieblingssprache? Mutter Celia sagt lachend: "Wenn er mit seiner Freundin etwas bespricht, was nicht jeder verstehen soll, spricht er Portugiesisch mit ihr." Sylvia A. Menzdorf

Unser vielseitiges Bundesland ist Thema der Serie "Herrlich Hessisch". Will man die ganze Welt treffen, muss man ins Rhein-Main-Gebiet. Kaum irgendwo trifft man auf eine derart breite Vielfalt unterschiedlicher Nationen und Kulturen wie hier. Besonders deutlich wird das bei einem Besuch an der Frankfurt International School in Oberursel.

Von Sylvia A. Menzdorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare