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Eine Spritze mit einem Impfstoff.

Herzstiftung: Herzpatienten sollten sich impfen lassen

Wer herzkrank ist oder einen hohen Blutdruck hat, den trifft Corona oft besonders hart. Dennoch hält sich bei vielen dieser Patienten eine hartnäckige Impfskepsis. Ein Kardiologe sieht seine Praxis als „Spiegelbild des Seelenzustands in Deutschland“.

Frankfurt/Main - Obwohl sie ein besonders hohes Risiko tragen, lassen sich nach Beobachtung von Kardiologen zu viele Herz-Kreislauf-Patienten nicht gegen Corona impfen. Die Deutsche Herzstiftung appelliert eindringlich an diese Menschen, sich zu schützen. Besonderes Augenmerk liegt auf der sehr großen Gruppe der Menschen mit Bluthochdruck.

„Man muss die Menschen mit Fakten überzeugen“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Voigtländer, der Deutschen Presse-Agentur. Der Kardiologe ist Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhauses in Frankfurt am Main. „Gegen Falschinformationen hilft nur fundierte Aufklärung und Argumentation“, glaubt Voigtländer.

Herz-Kreislauf-Patienten haben laut Herzstiftung ein zwei bis dreifach höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben. Ebenfalls zwei bis dreifach erhöht ist das Risiko für einen schweren Verlauf. Dem gegenüber stehen Berichte über Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung einer Impfung. „Das führt dazu, dass sich Menschen Gedanken machen“, stellt Voigtländer fest.

„Myokarditis ist eine relevante Nebenwirkung“, sagte Voigtländer, das dürfe man nicht verschweigen. „Aber man muss das in den Kontext stellen.“ Das Risiko, eine solche Krankheit zu bekommen, sei viel größer, wenn man sich mit Sars-CoV-2 ansteckt, als wenn man sich dagegen impfen lässt. „Das Auftreten einer Myokarditis im Rahmen einer Covid-Infektion liegt bei 11 pro 100.000. Im Rahmen einer Impfung beträgt das Risiko 1 bis 3 pro 100.000“, sagte er mit Verweis auf eine Studie aus Israel mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

In seiner Praxis höre er Vorbehalte gegen die Impfung auch von Patienten, „die eigentlich recht reflektiert sind“, berichtete der Kardiologe. Ein Paar, deren Kinder Ärzte und Impfgegner seien, habe sich heimlich impfen lassen. „Insofern ist das Thema ein Spiegelbild des Seelenzustands in Deutschland.“

Die Herzstiftung als Patientenorganisation betont ebenso wie der Kardiologe Voigtländer, dass eine Herzmuskelentzündung „nahezu immer unproblematisch in kurzer Zeit ausheilt“. Die Angst mancher Menschen, dass die Impfung „aufs Herz geht“, sei übertrieben: Jede Impfung belaste den Körper und damit auch die Organe, „weil sie eine Infektion nachspielt“, erklärte Voigtländer. Wer sich nicht gegen Krankheiten wie Covid-19 impfen lasse, gehe aber ein weit höheres Risiko ein.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Menschen mit erhöhtem Blutdruck: In ihren „Herzwochen“ (01. bis 30. November) will die Stiftung vor allem über die Gefahren für Bluthochdruck-Patienten und die Risikovorsorge informieren. Die Kampagne steht unter dem Motto „Herz unter Druck“. Bluthochdruck werde häufig nicht als Krankheit und Risikofaktor wahrgenommen, sagte Voigtländer. Betroffen sei aber eine sehr große Gruppe: fast jeder Zweite über 60-Jährige habe einen zu hohen Blutdruck.

Die Herzstiftung verweist auf eine Studie der Tufts University in den USA, in der mehr als 900.000 Klinikbehandlungen mit Covid-19 ausgewertet wurden: 26,2 Prozent der schweren Verläufe standen demnach im Zusammenhang mit Bluthochdruck. Vergrößert werde das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf unter anderem dadurch, dass mit Bluthochdruck andere Risikofaktoren einhergehen wie etwa Übergewicht. dpa

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