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Rettungsgasse: Blockaden sind teuer

Tolle Aktion

Autofahrer blockiert die Rettungsgasse - dann überrascht er alle

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Immer wieder blockieren Autofahrer die Rettungsgasse. Nun hat sich einer von ihnen bei der Polizei gemeldet und alle überrascht.

Update vom 19.11.2019, 10.50 Uhr: Einen schönen Brief hat die Autobahnpolizei Mittelhessen bekommen. Wie die Beamten berichten, meldete sich in dem Schreiben ein Mann, der eine Rettungsgasse missachtet hatte. Er habe die auf der A485 gebildete Rettungsgasse zu spät bemerkt, sei dann noch rund zehn Meter weiter gefahren, bevor er seinen Fehler bemerkt habe. Anschließend habe er sich seitlich eingeordnet. 

Nach einigen Angaben habe er durch sein Verhalten keine Rettungs- und Polizeifahrzeuge behindert, aber er könne sich vorstellen, dass er andere Verkehrsteilnehmer verärgert habe, schreibt er weiter. Der Mann erklärte sich laut Polizei bereit, für sein Versäumnis ein Bußgeld zu bezahlen. 

Die Beamten freuten sich über das Schreiben und lobten das "selbstreflektierte Verhalten". Trotzdem leitete die Autobahnpolizei den Brief des Rettungsgassen-Sünders an die Bußgeldstelle weiter.

Erstmeldung vom 3.11.2019, 9.30 Uhr: Hessen - Immer wieder kracht es gewaltig auf Hessens Autobahnen. Besonders auf der A3, der A5 und auf der A661 kommt es regelmäßig zu Unfällen. Und nicht selten verletzen sich Menschen bei diesen Unfällen schwer. In solchen Situationen zählen oft Minuten, die über Leben und Tod entscheiden. 

Den Rettern von Feuerwehr und Notarzt wird die Arbeit aber oft durch die Tatsache erschwert, dass es immer wieder zu Problemen bei der Bildung der Rettungsgassen kommt.

Deutsches Rotes Kreuz (DRK) hat schockierende Zahlen

Das Problem hat derartige Ausmaße angenommen, dass 2017 die Bußgelder für das Blockieren von Rettungsgassen drastisch erhöht wurden. Zumindest in Hessen hat die Verschärfung der Strafen jetzt Konsequenzen, wie das hessische Innenministerium nun mitteilt. Denn die Anzahl der Verfahren ist drastisch gestiegen.

Das Deutsche Rote Kreuz kam durch eine Umfrage bei 96 Rettungsteams auf ein erschreckendes Ergebnis: Bundesweit werden 80 Prozent aller Einsätze, also etwa vier von fünf, durch blockierte Rettungsgassen erschwert. Die Helfer verlieren laut jener Umfrage dadurch bei jedem Einsatz etwa fünf Minuten Zeit. Zeit die Leben retten könnte oder eben kostet.

Hessen: Rettungsgasse bilden ist Pflicht, Strafe ist hoch

Und das Bilden ist Pflicht  - laut Straßenverkehrsordnung (StVO). Das wissen aber auch nur sechs von zehn Autofahrern laut einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Sobald Autos mit Schrittgeschwindigkeit fahren, muss eine Rettungsgasse gebildet werden. Es wäre falsch zu unterstellen, dass die meisten Verkehrsteilnehmer mutwillig keine Rettungsgasse bilden, die Mehrheit "vergisst" es mutmaßlich einfach. Aber es kommt auch immer wieder vor, dass Menschen die Rettungsgasse blockieren, weil sie Videos und Fotos vom Unfall machen. Die Anzahl der sogenannten Gaffer ist laut Polizei in den vergangenen Jahren gestiegen. So oder so: Seit 2017 das Blockieren einer Rettungsgasse richtig teuer. Bis zu 320 Euro und ein Monat Fahrverbot sind dann möglich.

Wie das Hessische Innenministerium auf eine kleine Anfrage aus dem hessischen Landtag nun veröffentlicht, ist die Zahl der Verfahren gegen die sogenannten Gaffer in Hessen eklatant seit 2017 gestiegen. Waren es im Jahr 2017 noch 38 Verfahren, waren es 2018 bereits 131 Verfahren. Im ersten Halbjahr von 2019 gab es bereits 103 Verfahren. 

Zudem werden Polizeiautobahnstreifenwagen aktuell in einem Pilotprojekt „Videostreife BAB“ mit hochauflösenden Digital-Videokameras ausgestattet. Die sollen künftig Kennzeichen und Fahrzeugführer dokumentieren. 

Rettungsgasse ist Pflicht: Verstoß gegen die StVO ist teuer

  • Keine Rettungsgasse gebildet: Regelsatz 200 Euro plus 2 Punkte im Fahreignungsregister 
  • Keine Rettungsgasse gebildet – mit Behinderung (z. B. eines Rettungsfahrzeugs): 240 Euro plus 2 Punkte im Fahreignungsregister plus 1 Monat Fahrverbot. 
  • Keine Rettungsgasse gebildet – mit Gefährdung (z. B. eines Feuerwehrmanns oder Verletzten): 280 Euro plus 2 Punkte im Fahreignungsregister plus 1 Monat Fahrverbot. 
  • Keine Rettungsgasse gebildet – mit Sachbeschädigung (z. B. Sachbeschädigung beim Ausscheren, um einem Einsatzfahrzeug durch die Rettungsgasse zu folgen): 320 Euro plus 2 Punkte im Fahreignungsregister plus 1 Monat Fahrverbot.

Ein schwerer Verkehrsunfall sorgt auf der A3 in Hessen für einen Sachschaden von über 37.500 Euro. Die Autobahn wird gesperrt. Zu einem merkwürdigen Unfall kam es am Abend auf der A3 bei Limburg: Eine Frau war zu Fuß auf der Autobahn unterwegs. Dort wurde sie von einem Kleinlaster erfasst.

Von Rebecca Röhrich

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