Auf einem Weg im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue liegt eine verlorene FFP2-Maske.
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Auf einem Weg im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue liegt eine verlorene FFP2-Maske.

Umweltsünden

Corona im Frühling: Ausflügler werden zum Stresstest für Natur in Hessen

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Auch im zweiten Frühling der Corona-Pandemie strömen Ausflügler in ganz Hessen raus ins Grüne. Dabei kommt es aber auch immer wieder zu Umweltsünden.

Darmstadt/Gießen/Kassel – Weggeworfene Zigarettenkippen auf den Wegen, Verpackungsplastik und leere Flaschen in den Büschen und Trampelpfade abseits der Wege ins geschützte Gebiet: Im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue* bei Stockstadt (Kreis Groß-Gerau) – dem größten in Hessen* – gehören solche Bilder inzwischen zur Normalität. Gerade seit die Corona-Pandemie* viele Freizeitaktivitäten einschränkt, viele Menschen im Homeoffice sitzen und unter Kontaktbeschränkungen leiden, zieht es viele nach draußen in die Natur. Doch viele vergessen, dass auch dort Regeln einzuhalten sind.

„Es hat sich bereits an den schönen Tagen im Frühjahr und über Ostern beziehungsweise am Muttertag angedeutet, dass sich die letztes Jahr seit Beginn der Pandemie stark angestiegene Zahl der Verstöße dieses Jahr fortsetzt“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur etwa eine aktuelle Stellungnahme aus dem Regierungspräsidium Darmstadt. Schon kurz nach Beginn der Pandemie hatte man hier genau wie in den Regierungspräsidien in Gießen und Kassel Alarm geschlagen, dass Regeln in den Naturschutzgebieten nicht eingehalten werden. Die Folgen waren Müll und Trampelpfade wo keine sein sollen. Die Behörden berichteten über geplünderte Nistkästen, gefangene Eidechsen oder Frösche, Picknicks und Grillfeste auf geschützten Flächen oder nicht angeleinte Hunde.

Nicht nur in Hessen gilt: in Naturschutzgebieten Absperrungen beachten und keinen Müll verursachen

Verstöße, die sich der Darmstädter Behörde zufolge dieses Jahr fortsetzen. Illegales Mountain-Biking, Planschen in Gewässern, Campieren, Grillen, Ausgraben von Pflanzen oder Fangen von Fröschen stehen auf der Liste der bereits registrierten Verfehlungen in diesem Jahr. Tier- und Pflanzenarten seien in den Naturschutzgebieten bedroht.

„Seit letztem Jahr gibt es mehr Müll in den Wäldern und die Frequenz der Waldbesuche hat sich erhöht“, sagt auch die Sprecherin des Landesbetriebes Hessen Forst, Michelle Sundermann, die das große Interesse für die hessischen Wälder und Naturschutzgebiete, die die Corona-Pandemie ausgelöst hat, grundsätzlich begrüßt. Allerdings sei es wichtig, dass dann auch die Regeln eingehalten würden. Dazu gehöre, dass man seinen Müll wieder mitnehme und Absperrungen respektiere. Querfeldein sei es riskanter als auf den Wegen und es störe Tiere, die gerade jetzt ihre Jungen aufziehen.

Schlösser und Gärten in Hessen klagen über Müll und Mikroplastik

Ein weiteres Risiko, auf das die Naturschützer von Bund Hessen hinweisen: die Begeisterung vieler Ausflügler fürs Grillen in der Natur. Nach den vergangenen beiden Hitzesommern sei der Wald dafür viel zu trocken und die Waldbrandgefahr auch vorm Hochsommer schon gegeben.

Auch die 48 Standorte der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen klagen über vermehrte Hinterlassenschaften seit Beginn der Corona-Pandemie: vom Schlosspark Bad Homburg bis zum Staatspark Hanau-Wilhelmsbad. In vielen Anlagen müssten die Beschäftigten regelmäßig Müll beseitigen, den Besucher verursacht hätten, betont eine Sprecherin der Landesbehörde. Besonders schlimm sei es, wenn nach Heiratsanträgen oder Fotoshootings nach Hochzeiten massenweise Kunststoffblüten, Aluschnipsel und Wachs hinterlassen würden. Der verursachte Müll müsse dann aufwendig entfernt werden und sei wegen des Mikroplastiks auch eine Gefahr für die Umwelt. (ska mit dpa) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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