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Ein wahrer Wundertrank: Muttermilch versorgt Babys mit allen wichtigen Nährstoffen, auch wenn sie von einer Spenderin stammt.

Hilfe für Frühgeborene

Frankfurt bekommt eine Muttermilchbank

Schon vor 100 Jahren kam eine Kinderärztin in Magdeburg auf die Idee, überschüssige Muttermilch zu sammeln und für Babys aufzubewahren, deren Mütter nicht stillen können. In Hessen wird die Idee jetzt umgesetzt.

In Frankfurt entsteht die erste Muttermilchbank Hessens. Mütter, die zu viel Milch haben, können sie spenden und damit denjenigen Frühchen helfen, deren Mütter nicht stillen können. „Die Planungen laufen. Wir hoffen, mit der Umsetzung im März oder April beginnen zu können“, sagt Prof. Erhard Seifried, der Leiter des DRK-Blutspendedienstes Hessen. Wenn das System in Frankfurt etabliert ist, soll es auf ganz Hessen ausgeweitet werden.

Die Muttermilchbank ist ein Gemeinschaftsprojekt der Frankfurter Universitätsklinik und des Blutspendedienstes. In der Uni-Kinderklinik sollen die Milchspenden entnommen und später wieder verwendet werden. Für alles dazwischen ist der Blutspendedienst zuständig. Dazu gehören nicht nur Portionieren und Einfrieren, sondern auch umfangreiche Tests. „Muttermilch ist zwar eher ein Lebensmittel als ein Arzneimittel, aber wir setzen alle Sicherheitsanforderungen so hoch, als wären es Blutspenden“, sagt der Transfusionsmediziner.

Muttermilch verhilft Babys zu besserer Immunabwehr

Die Spenderinnen bekämen kein Geld, betont der Mediziner, und die Spenden seien ausschließlich für Frühchen reserviert. „Die Immunabwehr ist bei Frühchen noch nicht so entwickelt. Wenn sie Muttermilch bekommen, haben sie eine wesentlich bessere Prognose“, begründet Seifried die Initiative. Die Mengen, die die Winzlinge bräuchten, seien sehr gering, die Mitarbeiter der Kinderklinik seien zuversichtlich, dass genug Spenden zusammenkommen.

Seit 2018 gibt es eine bundesweite Frauenmilchbank-Initiative. Neonatologen (Ärzte, die sich speziell um Neugeborene kümmern), Kinderärzte, Pfleger, Stillberater und Wissenschaftler haben den Verein gegründet. Er setzt sich dafür ein, dass mehr solcher Banken in Deutschland gegründet werden. Ziel: Spätestens 2023 soll kein Bundesland mehr ohne Milchbank sein.

„Weniger als zwei Dutzend von über 200 Perinatalzentren in Deutschland haben Zugang zu gespendeter Muttermilch aus einer Frauenmilchbank, obwohl menschliche Milch gerade für Frühgeborene überlebenswichtig sein kann“, argumentiert der Verein. Der Bedarf an Spendermilch liege „weit über dem, was die Frauenmilchbanken aktuell anbieten können“.

Die meisten Muttermilchbanken gibt es in den neuen Bundesländern. 1919 – vor genau 100 Jahren – wurde in Magdeburg die erste „Frauenmilchsammelstelle“ gegründet wurde. Die westlichen Bundesländer ziehen erst langsam nach.

Ausbau des Netzes von Muttermilchbanken nötig

In fünf Bundesländern ist die Landkarte weiß: Neben Hessen gibt der Initiative zufolge auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie Schleswig-Holstein und Bremen keine Muttermilchbank. Der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ begrüßt den Aufbau weiterer Frauenmilchbanken, „um ein möglichst flächendeckendes Versorgungsnetz für Frühgeborenen und kranke Neugeborene zu etablieren“, wie Barbara Mitschdörfer sagt, Vorstandsvorsitzende und selbst Frühchen-Mutter. „Es ist hinreichend belegt, dass Frauenmilch einen beachtlichen Mehrwert gegenüber industriell gefertigter Säuglingsnahrung hat.“

„Noch förderlicher ist allerdings die Milch der leiblichen Mutter“, gibt sie zu bedenken. Früher sei es die Ausnahme gewesen, dass Frühchen-Mütter stillen konnten. Heute wisse man: Wenn Kliniken konsequent Hautkontakt zwischen Mutter und Kind förderten, könne man „beeindruckende Stillraten“ erreichen. Frauenmilchbanken seien gut - so lange die Stillförderung darüber nicht vernachlässigt werde.

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