An den Schulen in Frankfurt müssen Schüler während des Unterrichts keine Maske mehr tragen. (Symbolbild)
+
An den Schulen in Frankfurt müssen Schüler während des Unterrichts keine Maske mehr tragen. (Symbolbild)

Corona

Ende der Maskenpflicht an Schulen in Hessen: Schüler halten Maßnahme für „voreilig“

  • VonSebastian Richter
    schließen

In Hessen ist die Maskenpflicht während des Unterrichts aufgehoben. Für manche ein Grund zur Freude, doch viele Schüler halten den Schritt für voreilig.

Frankfurt – An den Schulen in Hessen wurde die Maskenpflicht aufgehoben. Schülerinnen und Schüler müssen seit dem 25.06.2021 nur noch auf dem Weg zu ihrem Platz eine Maske tragen. Während des Unterrichts dürfen sie die Mund-Nase-Bedeckung abnehmen. Auch auf dem Schulhof sind sie von der Maskenpflicht befreit. Die Meinungen zur Entscheidung des Corona-Kabinetts gehen weit auseinander.

Während manche das Ende der Maskenpflicht als wichtigen Schritt in Richtung Normalität wahrnehmen, sehen andere darin eine Gefährdung der Gesundheit. Die Maßnahmen der Politik kommen in einer Zeit der niedrigen Inzidenzen in Hessen. Gleichzeitig verbreitet sich die Delta-Variante. Vor allem Frankfurt ist davon betroffen – in einer Grundschule in Frankfurt-Fechenheim gab es vor wenigen Tagen einen Ausbruch der Variante des Coronavirus.

Ende der Maskenpflicht in Hessen: Politik kann die Corona-Maßnahme verantworten

„Die Pandemie hat in den vergangenen Wochen eine so gute Entwicklung genommen und die Inzidenzen sind derzeit so niedrig, dass wir diese Maßnahme verantworten können“, begründete Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die Lockerungen der Corona-Regeln. Gleichzeitig können die Schülerinnen und Schüler weiterhin freiwillig eine Maske im Unterricht tragen, wenn sie sich damit wohler fühlen. Der Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, empfiehlt genau das. Es bestehe eine Notwendigkeit zum Tragen einer Maske im Unterricht „bis zum Frühjahr“, sagte Wieler bei einer Pressekonferenz am Freitag (25.06.2021) Mehr als eine Empfehlung aussprechen kann das RKI aber nicht.

Die Initiative Familien dagegen befürwortet das Ende der Maskenpflicht explizit. „Dieser Schritt war angesichts einstelliger Inzidenzen, geimpfter Lehrkräfte und weiter bestehender Testpflicht sowie vor dem Hintergrund voller Biergärten und Schwimmbäder ohne Maske und Test längst überfällig“, so Yvonne Alberts von der Initiative in einer Mitteilung. „Wir freuen uns gemeinsam mit sehr vielen Kindern, Eltern und Lehrkräften, dass auch Hessen den Schüler*innen nun wieder ein Stück normalen Alltag zurückgibt. Wir hätten uns diese Erleichterung schon vor der ersten Hitzewelle gewünscht.“

Auch der ehemalige Gesundheitschef der Stadt Frankfurt, René Gottschalk, bewertet das Risiko einer Corona-Ansteckung für Kinder und Jugendliche als gering. Er will sogar noch einen Schritt weitergehen: Auch die Reihentests sollen nach den Sommerferien beendet werden, fordert der Amtsmediziner gemeinsam mit seiner früheren Stellvertreterin Ursel Heudorf.

Corona: Schülervertreter aus Frankfurt sprechen sich für Maskenpflicht aus

Aber was meinen die Betroffenen – also die Schülerinnen und Schüler – selbst? Die sehen die Entscheidung kritisch. Zwar sei es richtig, dass die Maskenpflicht auf den Schulhöfen ausgesetzt wurde. Denn an der frischen Luft sei „die Ansteckungsgefahr erwiesenermaßen gering“, so Lasse Weigelt vom Frankfurter Stadtschüler:innenrat gegenüber dem Journal Frankfurt. Allerdings sei die Aufhebung der Maskenpflicht in den Klassenräumen der Schulen selbst „fahrlässig“ – jedenfalls im Angesicht einer sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus.

Ähnliches sagt auch Landesschulsprecher Mika Schatz. Grundsätzlich sei es ein „schöner Schritt in Richtung Normalität und ein Zeichen der Erleichterung“, so der 16-Jährige gegenüber dem HR. Jedoch sollte man „diese Maßnahme in Kreisen und Städten differenziert sehen und nicht pauschal geltend machen“. Es sei vertretbar, die Maskenpflicht in Gegenden mit niedriger Inzidenz abzuschaffen. Der generelle Schritt der Aufhebung der Maskenpflicht sei jedoch „etwas undurchdacht“. Nach inzwischen eineinhalb Jahren Pandemie habe man mittlerweile gelernt, dass sich die Entwicklung der Corona-Lage nur schwer voraussagen lässt.

Corona-Lage: Maskenpflicht an Schulen könnte nach Hessen zurückkommen

Die Ansichten der Schülervertreter wurden von den Entscheidern in der Politik nicht angehört. Dabei hätten sie es sich gewünscht, in die Umsetzung der Maßnahmen einbezogen zu werden. „Das wäre schon schön gewesen“, sagte Mika Schatz dem HR. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier verteidigt das Ende der Maskenpflicht. Die Entscheidung könne rückgängig gemacht werden. „Wenn die Dinge sich ändern, werden wir nicht zögern, die Maskenpflicht wieder in Kraft zu setzen.“

Die vierte Corona-Welle, vor der einige Experten warnen, könnte genau das auslösen. Schon im Herbst könnten neue Maßnahmen an der Schulen nötig sein, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Später ruderte sein Ministerium wieder zurück. Trotzdem müsse man „auf alles vorbereitet sein“. (Sebastian Richter)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare