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Al-Wazir: Hessen würde Gas-Embargo nicht „überstehen“

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Von: Florian Dörr

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Nach den Berichten über Kriegsverbrechen durch russische Truppen in der Ukraine flammt die Diskussion über ein Gas-Embargo auf. Für Hessen wären die Folgen gravierend. 

Wiesbaden – Die Bilder aus der ukrainischen Stadt Butscha sind fürchterlich. Der Westen reagiert mit härteren Strafmaßnahmen gegen Russland auf die Gräueltaten. In Deutschland erklärte die Bundesregierung etwa, dass 40 russische Diplomaten im Land zu „unerwünschten Personen“ erklärt würden. Doch diskutiert wird derweil auch ein deutlich härterer Schritt: Stimmen nach einem Gas-Embargo, einem sofortigen Stopp der Gas-Importe aus Russland, werden lauter. Die Ampelkoalition ist bislang nicht bereit dazu.

Derweil deckt Litauen seit dem Wochenende seinen gesamten Bedarf über ein Flüssigerdgas-Terminal in der Ostsee. Allerdings: Das Land im Baltikum hat gerade einmal 2,8 Millionen Einwohner, deutlich weniger als etwa Berlin. Auch Hessen ist mit seinen knapp sieben Millionen Einwohnern nicht vergleichbar.

Russisches Gas in Hessen: Chemie- und Pharmaindustrie in Rhein-Main würde leiden

Jenseits von privaten Nutzungen, wo die Folgen des Ukraine-Kriegs bereits klar ersichtlich sind*, gilt in Hessen das Rhein-Main-Gebiet mit seiner Chemie- und Pharmabranche als Gas-Fresser. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte mehrfach erklärt, dass aus Sicht der Bundesregierung im Fall eines schnellen Gas-Embargos aus Russland ganze Industriezweige bedroht wären.

Die Industrie ist auch in Frankfurt ein großer Arbeitgeber. Ein Gas-Embargo hätte deutliche Folgen. (Symbolbild)
Die Industrie ist auch in Frankfurt ein großer Arbeitgeber. Ein Gas-Embargo hätte deutliche Folgen. (Symbolbild) © dpa/Frank Rumpenhorst

Allerdings: Wie Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gegenüber FFH erklärt, sind die Gasspeicher im Land zu 27 Prozent gefüllt. Damit liegt Hessen minimal über dem Bundesschnitt von 26,5 Prozent, wie der Datenbank des Netzwerks Gas Infrastructure Europe (Stand: 02.04.2022) zu entnehmen ist. Ein Embargo hätte also keinen sofortigen Kollaps zur Folge.

Gas-Embargo in der Diskussion: Kompletter Winter ohne russisches Gas für Hessen aktuell unrealistisch

Allerdings merkt er auch an: „Es gehört zur Wahrheit dazu, dass wir momentan noch nicht so weit sind, wie wir sein müssten, um einen kompletten Winter ohne Gaslieferungen aus Russland zu überstehen.“ Vor diesem Grund ruft die hessische Landesregierung zum Energiesparen auf und gibt entsprechende Tipps*.

Mit Blick auf ganz Deutschland stellt sich die Lage wie folgt dar: 2021 bezog die Bundesrepublik laut Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe über 50 Prozent ihres Erdgasbedarfs aus Russland. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es derweil mit Blick auf aktuellste Entwicklungen: Beim Gas sei inzwischen der Anteil russischer Lieferungen auf gut 40 Prozent gesunken. Bis zum Sommer 2024 könne es gelingen, weitgehend unabhängig von der dominanten Quelle zu werden. Das hänge aber vom Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien und vom Umfang der erzielten Energieeinsparungen ab. (fd/dpa) *fnp.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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