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Hessen ist das erste Bundesland, das den bekenntnisorientierten Islamunterricht zum Schuljahr 2013/14 einführte.

Religionsunterricht

Hessen hält an umstrittenen Moscheeverband Ditib fest

Die Bundesregierung fördert keine Projekte mehr, die in der Trägerschaft des umstrittenen türkischen Moscheeverbands Ditib liegen. Die Hessische Landesregierung sieht darin aber keinen Anlass, die Partnerschaft mit Ditib beim Religionsunterricht aufzukündigen.

In Hessen gibt es von vielen Seiten Protest gegen die Kooperation mit dem türkischen Moscheeverband Ditib. Eigentlich ist fast nur die schwarz-grüne Landesregierung von der Zusammenarbeit überzeugt. Der Landeselternbeirat fordert schon seit Längerem ein Ende der Kooperation beim islamischen Religionsunterricht. Die Oppositionsparteien im Landtag sind sich uneinig. Während zum Beispiel die Linke für einen sofortigen Stopp plädiert, unterstützt die FDP die Fortführung des Unterrichts – auch wenn man die Entwicklung von Ditib kritisch sehe, wie deren schulpolitischer Sprecher Wolfgang Greilich gegenüber unserer Zeitung erklärte.

Die Kritik richtet sich nicht gegen die Existenz des Islam-Unterrichts an hessischen Schulen. Vielmehr befürchten die Kritiker eine Einflussnahme durch den türkischen Staat und dessen Präsidenten Recep Tay-yip Erdogan samt seiner Partei AKP. Die migrationspolitische Sprecherin der Linken, Gabi Faulhaber, sieht in Ditib „den verlängerten Arm Erdogans in Deutschland“.

„Solange in einem Moscheeverband Hass gepredigt wird, kann dieser kein verlässlicher Partner in einer Demokratie sein“, teilte Faulhaber auf Anfrage mit. Dass Hessen lediglich zwei muslimische Verbände als Partner ausgewählt habe – neben Ditib die Ahmadiyya Muslim Jamaat – sei eine „unangebrachte Verengung, mit der nur ein begrenzter Teil der in Hessen lebenden Muslime angesprochen werde“, so Faulhaber weiter. Es müsse ein Partner gefunden werden, der die Breite der muslimischen Glaubensgemeinschaft repräsentiert, fordert die Linke.

Im hessischen Kultusministerium kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. „Wir haben mit Ditib Verträge geschlossen und diese werden auch eingehalten“, sagte Pressesprecher Stefan Löwer gegenüber unserer Zeitung. Man habe dem Moscheeverband bis Ende des Jahres Zeit gegeben, einen Nachweis seiner Unabhängigkeit zu erbringen. Im Kultusministerium ist man auch guter Dinge, dass dieser bis Ende des Jahres vorliegt.

„Wir führen sehr viele Gespräche mit Ditib-Vertretern und sehen, dass sich der Verband bemüht, seine Strukturen umzustellen, da tut sich gerade eine ganze Menge“, so Löwer. Bislang habe es noch keinerlei Beanstandungen gegeben. Die Lehrer seien alle hessische Beamte. „Wenn wir mitbekommen würden, dass versucht wird, im Unterricht Einfluss zu nehmen, würden wir sofort eingreifen“, versichert Löwer.

Die Position der Landesregierung wird auch in der eigenen Partei kritisch gesehen. So versuchte die Junge Union beim vergangenen Landesparteitag der CDU in Wiesbaden, mit einem Antrag die Kooperation mit Ditib einzustellen. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt. Ministerpräsident Volker Bouffier machte deutlich, dass man die Zusammenarbeit nur dann beenden könne, wenn „wirklich triftige Gründe“ vorliegen. Hessen ist das erste Bundesland, das den bekenntnisorientierten Is-lamunterricht zum Schuljahr 2013/14 einführte.

Derzeit nehmen 3133 Kinder der Jahrgänge eins bis sechs an 56 hessischen Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen daran teil, heißt es vom Kultusministerium. Die Kooperation mit Ahmadiyya soll unabhängig von der weiteren Entwicklung mit Ditib weiterlaufen.

(dag,lhe)

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