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Abitur

Einserabiturienten

Kritik an Abiturnoten: Lehrer fordern strengere Bewertungen

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Für den Hessischen Philologenverband ist die Zahl der Einserabiturienten im Lande zu deutlich gestiegen.

Der Hessische Philologenverband macht sich Sorgen um zu gute Abiturnoten im Land. Abiturnoten mit der „1“ vor dem Komma hätten sich in den letzten Jahren auf „nahezu wunderbare Weise vermehrt“, sagt Reinhard Schwab, Vorsitzender des Pädagogischen Ausschusses des Verbandes.

Konkret: Die Zahl der Einser-Abiturienten sei deutlich gestiegen. Auch die Traumnote 1,0 werde von mehr Schülern erreicht. Im zurückliegendem Jahr seien es 497 Schülern gewesen. Die entsprechende Quote sei in den vergangenen fünf Jahren von 1,6 auf 2,1 Prozent angestiegen. Und die Durchschnittsnote der Abiturienten habe sich im Abitur 2018 erneut leicht verbessert, sie liege bei Gymnasien und Gesamtschulen bei „2,39“.

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Noten haben an Aussagekraft eingebüßt 

Ein Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife (Abiturzeugnis) mit der Durchschnittsnote 1,4.

Ein grundsätzlicher Trend sei nach Ansicht von Schwab ebenfalls zu beobachten: „Über Jahre hinweg“ sei die Messlatte für das Bestehen des Abiturs niedriger gelegt worden. Im Zuge dieser Entwicklung hätten die Noten an Aussagekraft eingebüßt. „Wirklich gute Benotungen“ würden entwertet. Das Abitur werde immer mehr zu einer „Breitensport-Disziplin“, den „Leistungssport“ dürfe man aber nicht vernachlässigen. Dringend müsse eine weitere Nivellierung nach unten vermieden werden. Ein zusätzliches Problem seien Defizite bei der Vergleichbarkeit der Abiturnoten.

Entscheidend sind für Schwab die effiziente Klassenführung und die inhaltlichen Anforderungen. Dazu sei natürlich ausreichend Unterrichtszeit notwendig, die aber aufgrund weiterer Aufgaben wie des gestiegenen Erziehungs- und Förderbedarfs, der Integration und Inklusion eingeschränkt werde.

Nach Ansicht von Schwab erlebe das Gymnasium schon länger eine „quantitative Expansion“. Die Beliebtheit dieser Schulform dürfe dem Gymnasium aber nicht zum Nachteil im Hinblick auf die Bildungsqualität gereichen. Die „quantitative Expansion“ der hessischen Gymnasien dürfte auch auf den „freien Elternwillen“ zurückzuführen sein, wenn es um den Übergang der Kinder von der Grundschule in die weiterführende Schule geht. Für Schwab werde der freie Elternwille wohl bestehen bleiben.

Bildungsempfehlung der Grundschullehrer nutzen

Deshalb müsse der Übergang von der Grundschule ins Gymnasium verlässlicher gestaltet werden. Eine hohe Aussagekraft besitzen dabei die Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik. Hier sollte man auf klare Rückmeldungen für die Eltern achten, in deren Verantwortung die Bildungsentscheidung liege. „Wichtig sind gute Beratungsgespräche, die auf der Kompetenz der Grundschullehrkräfte beruhen. Deren Bildungsempfehlung sollte man unbedingt nutzen“, sagt Schwab. Außerdem sei der Erwerb der vertieften Allgemeinbildung, die das Abitur belegen soll, nicht nur Sache des Oberstufenunterrichts; auch in der Sekundarstufe müssten entsprechende Grundlagen gelegt werden, müssten Standards gehalten werden, dürfe nicht alles qualitativ flacher werden. Abiturleistungen spiegeln stets den gesamten Bildungsverlauf wider.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, Birgit Koch, versteht die „ganze Diskussion um zu gute Abiturnoten“ nicht. Sie wirft dem Philologenverband vor, das Gymnasium zu einer Schulausbildung für „Auserwählte“ zu verklären. „Diese Schulform soll offenbar nur wenigen vorbehalten sein“, sagt Koch und verweist darauf, dass in Hessen einheitliche Abitur- und Fachoberschulprüfungen abgelegt würden.

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