Aufgrund anhaltend niedriger Inzidenzen in Frankfurt dürfen gastronomische Betriebe ihren Außenbereich auch ohne negativ
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In der Außengastronomie darf man bereits wieder ohne Test ein Restaurant besuchen – wer drinnen sitzen will, braucht aber noch einen Test.

Gastronomie

Corona-Testpflicht in Hessen: Scharfe Kritik vom Dehoga

  • VonSebastian Richter
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Die Corona-Fallzahlen sinken und die Politik nimmt einige Maßnahmen zurück. Nicht genügend, finden die Gastronomen – und kritisieren vor allem die Testpflicht.

Wiesbaden – Der Präsident des hessischen Ablegers vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist frustriert. In einigen benachbarten Bundesländern wurde die Testpflicht bei der Innengastronomie aufgehoben. So brauchen Besucherinnen und Besucher in Gaststätten in Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen keinen tagesaktuellen Test mehr. In Hessen* sieht das anders aus: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss hier einen negativen Corona*-Testnachweis vorlegen können, wenn er oder sie beim Restaurantbesuch drinnen sitzen möchte. Dadurch gehen der Gastronomie viele Gäste verloren, so der Dehoga Hessen. Denn viele suchen sich andere Möglichkeiten – und Leidtragende sind die Betriebe. Der Verband kritisiert diese Entscheidung der Politik nun scharf.

Die Coronavirus-Schutzverordnung (CoSchuV) brachte einige Lockerungen für das Gastgewerbe mit sich. Durch die Verordnung fiel die Testpflicht für die Außengastronomie weg. Ein Grund zur Freude für Betreiber von Restaurants. Allerdings nur, solange auch das Wetter mitspielt. Und natürlich auch nur, wenn die Gastronomen einen geeigneten Außenbereich zur Verfügung stellen können. Laut Dehoga Hessen sind das die wenigsten. Und selbst die vorhandenen Flächen reichen nicht. „Die Mehrheit aller Betriebe könne nachweislich nicht annähernd wirtschaftlich allein über außen liegende Flächen betrieben werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes von Anfang Juli.

Corona-Testpflicht in Innenräumen: Gastronomen in Hessen sind sauer

Die Stimmung in der Branche ist dementsprechend schlecht. Durch den Lockdown ist die Gastronomie ohnehin schon angeschlagen, 2020 haben 12 Prozent der Beschäftigten in Hessen die Branche* gewechselt. Ausbleibende Gäste durch die Corona-Testpflicht schadeten dem Gastronomie-Sektor weiter, heißt es in der Mitteilung des Dehoga Hessen. Einige Gäste suchen sich demnach explizit Restaurants aus, bei denen man unter freiem Himmel essen gehen kann – oder gehen gleich in ein benachbartes Bundesland, in dem die Testpflicht nicht mehr gilt.

Für Hessens Dehoga-Präsident Gerald Kink ist es nicht mehr vermittelbar, dass die Politik in Hessen weiterhin an der Testpflicht festhält. Gerade wegen der intensiven Schutzkonzepte, Abstandsregelungen und der Kontaktdatenerfassung in der Gastronomie.„Erst recht nicht, wenn die Gäste einfach in allen Nachbarbundesländern ohne Test die Gastronomie besuchen können.“

Dehoga kritisiert Corona-Politik in Hessen: Testpflicht in Gastronomie widersprüchlich

Der Dehoga sieht Widersprüche in der Wertung und Umsetzung der Testpflicht. Die Branche habe eine Eigenheit, die sie vom Einzelhandel unterscheide: Zum Essen und Trinken muss die Maske abgenommen werden. Dadurch könne die Testpflicht in Innenräumen durchaus begründet werden. Allerdings fehle es den Betreibern von Restaurants, Cafés und Bars an Verständnis dafür, dass in Fitnessstudios keine Testpflicht gelte. Auch dort muss am Platz keine Maske getragen werden.

Als weiteres Argument gegen die Testpflicht in der Gastronomie führt der Dehoga Hessen an, dass viele Betriebe in Luftfilter investiert hätten. Zusätzlich bescheinige das RKI dem Gastgewerbe ein denkbar niedriges Infektionsrisiko, heißt es. Die Kontaktverfolgung und Abstandsregeln würden ebenfalls erfolgreich umgesetzt.

Gerade im ländlichen Raum schade die Corona-Testpflicht den Betrieben. Dort seien viele Testzentren an den Wochenenden nicht geöffnet, die nächste Möglichkeit zum Testen sehr weit entfernt. Dementsprechend lehnten die Gäste den Aufwand ab. Außerdem schließen laut Dehoga Hessen die ersten Testzentren, was die Betriebe weiter schwäche.

Testpflicht: Dehoga fordert einheitliche Regeln mit Hessens Nachbarländern

Bisher habe sich die Landesregierung in Hessen bei Corona-Regeln an den angrenzenden Bundesländern orientiert. So wurde sich laut Dehoga im Frühjahr bei Öffnungen im Einzelhandel an den benachbarten Bundesländern ausgerichtet, um „Shoppingtourismus“ aus Hessen zu vermeiden. Der Verband kann nicht nachvollziehen, warum das bei der Testpflicht in Innenräumen der Gastronomie nicht genauso gehandhabt wird. „Hessen ist nicht nur für Geschäftsreisende ein beliebtes und wichtiges innerdeutsches Reiseziel“, so Präsident Kink. „Gerade im zweiten ‚Corona-Sommer‘ ist die Bedeutung unseres Bundeslandes als Urlaubsdestination besonders hoch. Mit dem Verweis auf die liberaleren Regelungen aller unserer Nachbarn, werden die Betriebe nicht nur unter Druck gesetzt, sondern ganz besonders in den Grenzregionen bewusst gemieden.“

Der Betrieb sei durch die geltenden Abstandsregeln und Hygieneschutzkonzepte – die von den meisten akzeptiert würden – ohnehin schon deutlich eingeschränkt. Dass die Testpflicht weiterhin gelte, belaste das Gastgewerbe in Hessen wirtschaftlich empfindlich. Unternehmen, Mitarbeitende und Gäste würden ausgebremst, so der Verband. Statt die Gastronomie in Hessen zu besuchen, bevorzugten viele Menschen Alternativen. So gebe es zahlreiche Tagesausflüge nach Nordrhein-Westfalen oder Bayern. Feiern fänden ohne jegliche Beschränkung und Maßnahmen im privaten Raum statt.

„Das Gastgewerbe und wir als dessen verbandliche Vertretung sind gemeinsam an der Seite der Hessischen Landesregierung einen herausfordernden Weg gegangen und werden dies zum Schutz der Gesundheit der Menschen auch weiterhin tun“, so Kink. Bei der Testpflicht könne man der Landesregierung aber nicht mehr folgen – und fordert dringend die Aufhebung der Testpflicht in der Innengastronomie. (Sebastian Richter) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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