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Luca-App vor dem Aus in Hessen? Land denkt über Abschaffung nach

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Von: Sebastian Richter

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Die Luca-App könnte in Hessen bald Geschichte sein. (Symbolbild)
Die Luca-App könnte in Hessen bald Geschichte sein. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Ein Bundesland hat die Verträge mit der Luca-App bereits gekündigt, Hessen könnte bald nachziehen. Daten zeigen, dass die App ohnehin selten eingesetzt wird.

Frankfurt – Es musste schnell gehen im Frühjahr 2021. Dringend benötigten die Gesundheitsämter eine Möglichkeit, Kontakte in der Corona*-Pandemie nachzuverfolgen. Die Lösung präsentierte – gemeinsam mit dem prominenten Gesicht Smudo – die Betreibergesellschaft Culture4Life mit der Luca-App. Jetzt steht die App wieder in den 13 teilnehmenden Bundesländern vor dem Aus. Auch in Hessen* könnte die Kontaktverfolgung mit der App bald beendet sein.

Schon der Start der Smartphone-App zeigte sich problematisch. Datenschutz und Sicherheitsbedenken begleiteten die Einführung und Startphase der Luca-App. Trotz negativer Vorzeichen investierte die Landesregierung in Hessen, 2,1 Millionen Euro bezahlte das Land für Software und Lizenzen. Ende März laufen die Verträge aus, ob es eine Verlängerung geben wird, steht auf der Kippe.

Aus der Luca-App in Hessen? Macher unterbreiten neues Angebot

Schleswig-Holstein hat die Verträge bereits gekündigt, zahlreiche andere Bundesländer erwägen nun den gleichen Schritt. Die Betreiber wollen aber nicht kampflos aufgeben und kommen den Ländern entgegen. Das neue Angebot, das Culture4Life Geschäftsführer Patrick Henning am Montag (17.01.2022) unterbreitete: Statt jährlich sollen die Verträge monatlich kündbar sein, außerdem halbieren die Luca-Macher die Kosten von 18.000 auf 9000 Euro pro Gesundheitsamt, das die App nutzt.

Henning erklärte gegenüber der Deutschen Presse Agentur, dass durch die App dem Gesundheitsschutz weiterhin maximal gedient sei. Die Luca-App soll von den Bundesländern flexibel eingesetzt werden können; immer dann und dort, wo sie gebraucht wird. „Luca wird die Basisversorgung mit der Luca-Technologie in jedem Bundesland langfristig aufrechterhalten und jedem Bundesland die Möglichkeit geben, jederzeit nach Bedarf das System für einen quasi beliebigen Zeitraum einzusetzen“, so Henning.

Doch der Einsatz der Luca-App ist wohl geringer als gedacht. Im Dezember 2021 teilte das Digitalministerium von Hessen der Frankfurter Rundschau mit, dass innerhalb von vier Wochen 24 hessische Gesundheitsämter etwa 2150 Kontaktdaten abgefragt haben*. Dabei seien 1100 Warnhinweise „mögliches Infektionsrisiko“ und etwa 70 Warnhinweise „erhöhtes Infektionsrisiko“ ausgespielt worden. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gab es etwa 60.000 Neuinfektion mit dem Coronavirus.

Luca-App in Hessen: Opposition gegen Vertragsverlängerung

Die Entscheidung zur Zukunft der Luca-App in Hessen sei noch nicht final gefallen, so das Sozialministerium gegenüber der Hessenschau. Der Nutzen der App müsse demnach nach der aktuellen Situation in der Corona-Pandemie bewertet werden. Aktuell konzentriere man sich auf den Schutz gefährdeter Gruppen und sensibler Einrichtungen. Die Nachverfolgung von Kontakten sei jetzt nicht die Priorität.

Die Opposition in Hessen hat sich gegen eine Verlängerung der Verträge mit der Luca-App ausgesprochen. Die Linke übt Kritik an der „schlecht strukturierten Form“ der Übertragung der Daten an die Gesundheitsämter. Die AfD hält die Luca-App als ungeeignet, da der Hersteller „primär Gewinnerzielungsabsichten“ verfolge und Sicherheitslücken nicht behebe. Und FDP und SPD sehen in der Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts eine gute Alternative zur Kontaktnachverfolgung. Bis zum 28. Februar muss sich die Regierung in Hessen entschieden haben. Dann endet die Frist für eine Kündigung. (spr)

In Hessen hat die Landesregierung aufgrund hoher Corona-Infektionszahlen die Regeln verschärft. *fnp.de und fr.de sind ein Teil von IPPEN.MEDIA.

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