Eine Kriminaloberkommissarin sitzt vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie. Die hessische Polizei hat einen Einsatz durchgeführt. (Symbolbild)
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Eine Kriminaloberkommissarin sitzt vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie. Die hessische Polizei hat einen Einsatz durchgeführt. (Symbolbild)

Ermittlungen in Hessen

Schlag gegen Kinderpornografie in Hessen: Polizei zieht erschreckende Bilanz

  • Marvin Ziegele
    VonMarvin Ziegele
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Beim Schlag gegen Kinderpornografie macht die Polizei in Hessen eine erschreckende Entdeckung. Über die Hälfte aller Kinderporno-Tatverdächtigen sind unter 21. 

Wiesbaden – Die Polizei hat zum Rundumschlag gegen Kinderpornografie ausgeholt. Im Rahmen der Ermittlungen wurden die Smartphones einer Schülerin und eines Schülers (14 und 16 Jahre alt) aus Westhessen sichergestellt, berichtet das Landeskriminalamt. Der Grund: Die Polizei wurde darüber informiert, dass sie ein Video, auf dem eine ihnen bekannte Jugendliche bei intimen Handlungen zu sehen ist, an andere Personen weitergeleitet haben.

Die Sicherstellung der Geräte erfolgte im Rahmen eines Einsatzes der BAO FOKUS, einer Einsatzgruppe, die auf die Bekämpfung von sexueller Gewalt an Kindern spezialisiert ist. Zu diesem Zweck waren insgesamt 173 Beamtinnen und Beamte der hessischen Polizei in der vergangenen Woche im Einsatz. Durchsucht wurden anschließend Wohnungen von vier Beschuldigten in Frankfurt am Main*, Gießen, Rüsselsheim, Wiesbaden, Kassel, Fulda und Offenbach. Erst Anfang dieses Jahres hatte die Polizei im Kampf gegen Kinderpornografie in zahlreichen Wohnungen in Hessen nach Hinweisen gesucht.

Kinderpornografie in Hessen: Viele Jugendliche sind Täter

Die Polizisten durchsuchten jetzt insgesamt 39 Wohnungen und stellten 132 Datenträger sicher. 45 Beschuldigte müssen sich wegen der Herstellung, Besitz und der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie verantworten. Es handelt sich um 40 Männer und sechs Frauen im Alter von 12 bis 62 Jahren.

Erschreckend ist die Bilanz in Bezug auf das Alter der Täter, die die Polizei zieht. 2020 registrierte die Polizei in Hessen im Deliktbereich der Kinderpornografie 1564 Fälle. 45,6 Prozent der mutmaßlichen Täter seien Erwachsene. Die übrigen 55,4 Prozent seien 8 Prozent Heranwachsende (unter 21), 35,7 Prozent Jugendliche (unter 18) und 10,6 Prozent Kinder (unter 14).

Hessen: Jugendliche verbreiten kinderpornografische Inhalte

„Vielen, aber längst nicht allen Jugendlichen ist die Tragweite ihres Handelns bewusst“, sagte Johannes Bittner, Cybercrime-Berater des Polizeipräsidiums Osthessen. Leichtsinn führe dazu, dass junge Menschen sich strafbar machen würden. „Es ist wichtig zu wissen, dass bereits der Besitz eines einzigen kinderpornografischen Bildes verboten ist und strafrechtlich verfolgt wird. Dabei ist es erst einmal egal, ob ein solches Bild oder Video gewollt oder ungewollt in den eigenen Besitz gelangt ist“, sagte Bittner laut Polizei.

Für den Fall, dass man derartiges Material zugesandt bekommt, gibt der Cybercrime-Berater folgenden Tipp: „Am besten ist es, man distanziert sich sofort von den Inhalten und informiert unverzüglich die Polizei. Wegsehen ist keine Option, hinter den Aufnahmen stehen echte Kinder, echte Opfer. Auf keinen Fall darf man solche Bilder oder Videos weiterleiten, auch nicht an Eltern, Lehrer oder andere Vertrauenspersonen. Wirklich an niemanden.“ (marv) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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