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Landesschulsprecher zu Pandemie-Situation: Mika Schatz im Interview.

Interview

Psychische Probleme durch Corona: Landesschulsprecher fordert mehr Hilfe für Schüler

  • Christiane Warnecke
    VonChristiane Warnecke
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In Hessen geht die Schule wieder los. Warum der Distanzunterricht eine Katastrophe war und wie die Pandemie Schülern zugesetzt hat, erklärt der Landesschulsprecher Mika Schatz im Interview.

Frankfurt – Seit Montag sitzen Hessens Schüler wieder in den Klassenräumen. Viele von ihnen - wie im vergangenen Herbst/Winter - mit dicken Jacken. Außerdem gelten für die ersten zwei Wochen nach den Herbstferien strengere Hygieneregeln. Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben wir mit dem hessischen Landesschulsprecher Mika Schatz gesprochen.

Wie hat der erste Schultag für Sie begonnen?
Mit einer Klausur gleich in den ersten beiden Stunden – der entspannteste Unterrichtsstart, den man sich wünschen kann. (lacht)
Die Landesschülervertretung wirft dem Kultusministerium seit Beginn der Pandemie Konzeptlosigkeit vor. Gilt das noch immer – trotz Präsenzunterrichts?
Dass es wieder Präsenzunterricht gibt, ist wunderbar. Wir haben gesehen: Eine andere Unterrichtsform funktioniert nicht. Distanzunterricht war eine Katastrophe.
Reichen drei Corona-Tests pro Woche und das Maskentragen aus, um das Infektionsrisiko in der Schule einzudämmen?
Ja, wir befürworten die beiden Präventionswochen, um dem höheren Ansteckungsrisiko nach Urlaubsreisen vorzubeugen – gerade auch für die Unter-Zwölfjährigen, für die es noch kein Impfangebot gibt. Das war tatsächlich mal eine Entscheidung, bei der wir auch nach unserer Meinung gefragt wurden vom Kultusministerium. Das war ganz erfrischend. (schmunzelt)
Wie schätzen Sie denn insgesamt das Infektionsrisiko in der Schule ein?
Für mich persönlich schätze ich das Risiko gering ein. Ich bin ein großer Verfechter der Maske. Sie helfen massiv, das Infektionsrisiko zu reduzieren. Und in meiner Klasse sind auch die meisten geimpft. Insgesamt ist man in der Schule sehr sicher.
Nun hat ja wieder die kältere Jahreszeit begonnen. Müssen die Schüler wieder mit Jacken im Unterricht sitzen, weil häufig gelüftet werden muss?
Ja, ich sehe die Bilder von Schülern mit dicken Jacken und Decken leider wieder auf uns zukommen, da nicht genügend Luftfiltergeräte angeschafft wurden. Natürlich ist das keine gute Lösung. So kann es dauerhaft nicht weitergehen. Mit mehr Luftfiltern könnte man aber sicher die Frequenz des Lüftens reduzieren.
Nun verweist die Landesregierung darauf, dass Geld für die Geräte zur Verfügung gestellt wurde, es von den Schulträgern aber häufig nicht abgerufen wurde...
Die Mittel dafür hätten unbürokratischer und schneller zur Verfügung gestellt werden müssen. Dass es erst so wenige Luftfiltergeräte an Schulen gibt, ist ein bürokratisches Versagen.
Die Landesschülervertretung hat mit einer Erhebung auch auf die hohen psychischen Belastungen hingewiesen. Ist es inzwischen gelungen, die Schüler aufzufangen?
Um den während des Distanzunterrichts entstandenen psychischen Problemen entgegenzuwirken, muss sich der Umgang von Schulen mit dem Thema grundlegend ändern. Die Hilfsangebote sind nicht ausreichend und Schülern zudem oft unbekannt. Es ist also wenig verwunderlich, dass die Aufarbeitung der Pandemie schwer fällt. Um dem entgegenzuwirken, braucht es einen Ausbau von Schulpsychologie und Schulsozialarbeit und eine Entstigmatisierung des Themas durch Aufgreifen im Unterricht. Lehrkräfte sollten schon im Studium lernen, mit psychisch belasteten Schülern umzugehen.
Auch inhaltlich sind bei vielen Schülern große Lücken entstanden. Greifen die Gegenmaßnahmen der Landesregierung schon?
Das Programm „Löwenstark“ wurde toll beworben, den Nutzen sieht man aber noch nicht. Es setzt vorrangig auf außerunterrichtliche Maßnahmen und erreicht oft nicht die Schüler, die es bräuchten, Hilfen werden im Unterricht gebraucht, zum Beispiel durch Lehramtsstudenten, die in den Unterricht geholt werden, um die Lehrer zu unterstützen. An meiner Schule ist das so geschehen, an vielen anderen aber nicht.
Was müsste sich insgesamt in der Bildung verbessern?
Wir brauchen dringend Fortschritte bei der Digitalisierung und eine Fortbildung der Lehrer, damit sie lernen, wie man mit sozialen Medien umgeht.
Sollte der Unterricht der Zukunft digitale Elemente enthalten?
Digitale Geräte sollten unbedingt eingesetzt werden. Wir wünschen uns aber auch mehr selbstständiges Arbeiten in Gruppen unter Anleitung der Lehrkraft. Das wird im Leben gefordert, aber in der Schule nicht vermittelt.

Zur Person

Mika Schatz ist seit Januar 2021 Landesschulsprecher in Hessen. Der 17-Jährige besucht die Jahrgangsstufe 12 an der Werner-von-Siemens-Schule in Wetzlar. Die Landesschüler*innenvertretung, wie sie sich selbst nennt, vertritt die Interessen von 810 000 Schülern. (ch)

Interview: Christiane Warnecke

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