Gerhard Grandke
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Gerhard Grandke spricht.

Hessen, Thüringen: Sparkassen erwarten 2021 Gewinnrückgang

Das Umfeld für die Sparkassen wird nicht leichter. Der scheidende Verbandspräsident macht zum Halbjahr aber Hoffnung auf ein nach wie vor ordentliches Jahresergebnis.

Frankfurt/Main - Die Sparkassen in Hessen und Thüringen rechnen im laufenden Jahr in Summe mit weiter zurückgehenden Gewinnen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung - also das operative Ergebnis - werde 2021 „wahrscheinlich moderat sinken“, prognostizierte der scheidende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke, nach Mitteilung des Verbandes vom Montag. „Ich bin aber zuversichtlich, dass unsere Sparkassen auch in diesem Jahr wieder ein ordentliches Ergebnis einfahren werden.“

Der Prognose zufolge wird das Betriebsergebnis vor Bewertung zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf rund 854 Millionen Euro sinken. Das Betriebsergebnis nach Bewertung werde parallel ebenfalls zurückgehen. Schon 2020 hatten die Sparkassen in Hessen (33 Institute) und Thüringen (16) unter anderem wegen höherer Vorsorge für Corona-Risiken insgesamt weniger verdient als ein Jahr zuvor. Als Grund für den erneut erwarteten Rückgang nannte Grandke unter anderem eine etwas höhere Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle sowie den angesichts des Zinstiefs weiter sinkenden Zinsüberschuss.

„Bei unseren Sparkassen gehe ich von einem weiterhin dynamischen Kundengeschäft aus“, sagte Grandke. „Es wird wieder mehr investiert und konsumiert. Wenn alles normal läuft, wird die Nachfrage nach Krediten also steigen.“

Die Kundeneinlagen bei den regional verwurzelten Häusern erhöhten sich im ersten Halbjahr weiter kräftig: um 1,7 Milliarden Euro auf 114,6 Milliarden Euro Ende Juni 2021. „Der Zuwachs hat sich damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar etwa halbiert. Das ändert aber nichts daran, dass das Rückhaltebecken in puncto Einlagen in den Sparkassen weiter vollläuft“, bilanzierte Grandke.

Viele Sparer parken Geld trotz mickriger Zinsen auf Tagesgeldkonten, weil sie an dieses Geld bei Bedarf schnell herankommen. Für die Geldhäuser ist das ein Problem, denn sie müssen auf überschüssige Gelder Zinsen zahlen, wenn sie diese bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. „Wenn die Menschen künftig wieder unbeschwert reisen, feiern und shoppen können, wird auch die Sparquote wieder auf Normalmaß sinken, was sich bremsend auf das Wachstum bei unseren Einlagen auswirken wird“, sagte Grandke.

Grandke geht Ende Dezember in den Ruhestand. Nachfolger als geschäftsführender Präsident des Verbandes wird zum 1. Januar 2022 sein SPD-Parteifreund Stefan Reuß, derzeit Landrat des Werra-Meißner-Kreises. Grandke hatte die Führung des Verbandes mit Verwaltungssitzen in Frankfurt und Erfurt im März 2009 übernommen. dpa

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