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Auf Supermärkten wie Lidl, hier in Rödermark-Ober-Roden, Aldi oder Penny könnten Wohnungen gebaut werden.

SPD und Handel skeptisch

Wohnen über Aldi, Lidl und Co: "Supermarktgipfel" sieht Potenzial 

Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir lädt zum „Supermarktgipfel“ in Wiesbaden. Doch die SPD und der Handel sind skeptisch.

Wiesbaden - Bis zu 5000 Wohnungen könnten über Supermärkten im Rhein-Main-Gebiet entstehen. Das hat der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main errechnet. Und das soll nicht nur auf dem Papier stehenbleiben: Beim „ersten hessischen Supermarktgipfel“ haben am Montag rund 50 Vertreter von Handel, Immobilienverbänden und Planungsämtern vereinbart, diese Potenziale weiter zu untersuchen und – wo möglich – auch zu realisieren. „Jede zusätzliche Wohnung hilft“, sagte der Gastgeber, Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nach dem Treffen in Wiesbaden.

Wiesbaden: Aldi, Lidl und Co mit Wohnungspotenzial

Die wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Elke Barth, sprach von einer „PR-Aktion“, mit der Wohnungssuchenden nicht geholfen sei. Zudem hätten Aldi und Lidl schon vor zwei Jahren angekündigt, ihre Märkte an geeigneten Standorten aufzustocken.

Die Teilnehmer
Der Handel war vertreten mit Aldi, Lidl, Edeka, Penny, Netto, Hit, Kaufland, Rewe, Tegut und Dennree.

Stadtplaner kamen aus Frankfurt, Darmstadt, Maintal, Offenbach, Rosbach, Wiesbaden, Wetzlar.

Außerdem Landesvertreter der Architekten- und Stadtplanerkammer, Freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen, des Einzelhandelsverbands, des Industrie- und Handelskammertag, Städtetags, Städte- und Gemeindebunds. Des weiteren IHK Frankfurt, Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Südwest, Nassauische Heimstätte, Regionalverband Frankfurt-Rhein/Main, Technische Universität Darmstadt. jur

Auch Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, bezweifelt, dass mit dieser Idee ein spürbarer Fortschritt zu erzielen ist. Das Potenzial in Frankfurt liege bei 1000 Wohnungen - bei einem Bedarf von 90 000 im Jahr 2030. Trotzdem habe sich die Fahrt nach Wiesbaden gelohnt, sagte er im Anschluss an das Treffen der Frankfurter Rundschau. „Es ist dringend nötig, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Er habe die Gelegenheit unter anderem genutzt, um klarzustellen, dass die Kernaufgabe des Lebensmittelhandels die Versorgung der Bevölkerung sei „und nicht das Bauen“. 

Wiesbaden: Wohnen über Supermarkt schon die Realität

Auch sei in der Metropolregion, und um die gehe es hier, das Wohnen über dem Discounter schon Usus. Wo dies nicht der Fall ist, gebe es planungsrechtliche Gründe - „Stichwort Statik“. Und auf der grünen Wiese über einem vielbefahrenen Parkplatz mit regem Lastwagenverkehr zu wohnen, sei auch nicht jedermanns Sache. Sein Fazit: Nur wenn ein neues Gebäude gebaut wird, könnte das Potenzial gehoben werden. Und: „Man muss sich jeden einzelnen Stadtteil genau anschauen.“

Al-Wazir: Politik der kleinen Schritte.

Al-Wazir hingegen propagiert die Politik der kleinen Schritte: Es müsse jedes Potenzial genutzt werden. Er nehme aus dem Gespräch unter anderem mit, dass das Land ein Förderprogramm überarbeiten sollte. Die Idee sei, Kommunen zu unterstützen, wenn sich Veränderungen anbahnen. Der eingeschossige Wellblechdiscounter sei schließlich auch aus ästhetischen Gründen nicht mehr zeitgemäß.

In einem Jahr soll ein zweiter „Supermarktgipfel“ stattfinden.

Der Wohnungsmarkt in Frankfurt wird währenddessen immer enger für Wohnungssuchende und zeigt kein Zeichen der Entspannung. Außerdem hemmt die Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet auch die Wirtschaft.*

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