+
Die große Kurve auf dem Weg zum Feldberg – dort rasen Motorradfahrer besonders. Der Parkplatz dort ist bereits für Motorradfahrer gesperrt, damit Raser kein Publikum finden.

Widerstand

Feldberg-Sperrung: Bundesverband der Motorradfahrer spricht von Diskriminierung

  • schließen

Die für Mai und September angekündigte probeweise 18-tägige Sperrung einiger Feldbergstraßen für Motorradfahrer hat hohe Wellen geschlagen. Nicht nur in den sozialen Netzwerken wie Facebook wurde heftig debattiert.

Hochtaunus - Die Nachricht, dass einige Straßen im Feldberggebiet im Mai und September versuchsweise jeweils neun Tage lang für Motorräder gesperrt werden sollen, war kaum öffentlich, da wurde schon in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Auf Facebook zum Beispiel: über 100 Kommentare unter diversen Kennungen, und zwar nicht nur auf den Seiten dieser Zeitung. Viele lobten das Vorhaben, viele waren aber verärgert, dass nun auch jene, die sich an die Regeln hielten, kollektiv mitbestraft würden.

Und dann gibt es noch eine dritte Fraktion, nämlich die, die daran erinnert, dass man auch die Fahrradfahrer nicht außer Acht lassen sollte. Diese Kommentare bezogen sich auf jene Radler, die nebeneinander auf der Straße fahren und andere Verkehrsteilnehmer, die sie deswegen nicht überholen können, gefährden. So mancher im Netz fordert gar, die Straße für Fahrradfahrer zu sperren.

Bundesverband der Motorradfahrer sauer: Demonstrationen gegen Feldberg-Sperrung geplant

Richtig sauer ist man beim Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Die Biker kündigen an, „Widerstand“ gegen das Vorhaben zu organisieren. Die testweise Sperrung sei „eine Diskriminierung der großen Mehrheit der Motorradfahrer, die sich korrekt, entsprechend der Straßenverkehrsordnung verhalten“.

Der BVDM plant nach eigenem Bekunden Demonstrationen und wird auch „die juristische Auseinandersetzung nicht scheuen“, wenn es zu dauerhaften Streckensperrungen kommen sollte.

Die FDP im Hochtaunuskreis steht dem Vorhaben ähnlich kritisch gegenüber. "Eine Sperrung löst nicht das Problem, sie trifft die Falschen. Die meisten Motorradfahrer sind vernünftig. Sie werden bestraft, wo man sich besser auf die wenigen Störer konzentrieren muss“, stellt Dr. Stefan Naas, Fraktionsvorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion, und darüber hinaus Abgeordneter im Hessischen Landtag, fest. Die Oberurseler Liberalen sehen gar „die Motorradfahrer diskriminiert“, wie die Ortsvorsitzende Katja Adler schreibt. „Völlig überzogen“, so Adler.

Ihr Parteikollege Götz Rinn, Anwohner der Kanonenstraße, ergänzt: „Es gibt andere Möglichkeiten, einzelne Motorradfahrer, die sich nicht an geltendes Recht halten wollen und zu schnell und zu laut unterwegs sind, zu stellen.“ Außerdem profitierten die Gastronomen rund um den Feldberg von den Bikern. Die Sperrung grenze „schon an touristische und wirtschaftliche Blindheit“, so Adler.

Grund für die Feldberg-Sperrung für Motorräder sind viele Unfälle

Wie berichtet, hatten Landrat Ulrich Krebs und Verkehrsdezernent Uwe Kraft (beide CDU) am Montag erklärt, die bereits seit zwei Jahren diskutierte Versuchssperrung rund um den Feldberg jetzt angehen zu wollen. Grund dafür sind die vielen Unfälle auf der Strecke – und auch der Lärm. Während der Sperrungen wird es zwei Umleitungsstrecken geben, von Norden über die L 3025 (Schmitten) bis zum Roten Kreuz und von Süden über die B 455 ab der Abzweigung Hohemark über den Königsteiner Kreisel und dann weiter über die B 8 bis zum Roten Kreuz.

Für die Umleitungsstrecken bedeutet das an den Sperrungstagen vermutlich eine deutliche Zunahme des Verkehrs. Der BVDM bezweifelt zudem, dass es bei einer probeweisen Streckensperrung bleibt. Der Versuch diene „lediglich dazu, eine dauerhafte Streckensperrung vorzubereiten und zu legitimieren“, vermutet der Verband.

Bundesverband der Motorradfahrer fordert mehr Polizei für Kontrollen

Zwar müsse natürlich die Bevölkerung vor „aggressivem Motorradlärm“ geschützt werden und es seien Unfälle zu vermeiden. Das müsse aber mittels „Geschwindigkeits- und Fahrzeugkontrolle“ geschehen. Allerdings gebe es bislang auf der gefährlichsten Strecke am Feldberg, der sogenannten Kanonenstraße, keine dauerhafte stationäre Blitzanlage. Rainald Mohr vom BVDM fordert, dass die Polizei „ausreichend personelle Ressourcen erhält, um illegales Verhalten von einigen wenigen Motorradfahrern einzudämmen“.

Lesen Sie auch: „Applauskurve bleibt ein Problem“

Die FDP Hochtaunus ist der gleichen Meinung. Und: „Wie stets im öffentlichen Recht gilt auch hier der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz“, betont der Kreisvorsitzende der Liberalen, Philipp Herbold. Ein Verbot sei aber „unverhältnismäßig“. Zudem dürfe der Wirtschaftsfaktor Tourismus im Taunus nicht vernachlässigt werden.

„Mit der Sperrung einzelner Verkehrswege für alle Motorradfahrer werden der Feldberg und der umliegende Taunus mit seiner Gastronomie für eine große Zahl von Besuchern unattraktiv“, sagt Herbold. „Derzeit sanieren wir für viel Geld den Feldberghof, es wäre doch widersinnig, dessen potenziellen Gästen den Hinweg zu verbieten.“ Das sehen auch die Oberurseler Liberalen so. Man dürfe den Bikern den Zugang zum Feldberg und deren Gastronomie nicht abschneiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare