Hessens Abgeordnete im Visier der Datendiebe

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Vom Hacker-Angriff auf Politiker sind auch hessische Landtagsabgeordnete betroffen. Nach Einschätzung des hessischen Innenministeriums, wurden ein Drittel der Volksvertreter ausgespäht.

Volker Bouffier (CDU) neben Tarek Al-Wazir (Grüne). Bouffier ist das prominenteste hessische Opfer der Datendiebstähle.

Von dem Hacker-Angriff sind nicht nur prominente Politiker betroffen. Zu den „Opfern“ der Cyber-Attacke gehören auch Politiker wie zum Beispiel der Oberurseler CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Koob, die nicht ständig im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Auch von ihm wurden sensible Daten wie die Mobilfunknummer und der komplette Personalausweis ins Netz gestellt. Diese Informationen konnte diese Zeitung einsehen. Auf einer Seite geben die Hacker Nutzern den „Hinweis“, dass bei den veröffentlichten Festnetznummern der Politiker „auch Mitarbeiter drangehen“.

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Letzteres könnte offenbar bei einem Anruf bei Thorsten Schäfer-Gümbel, Chef der hessischen SPD und Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Landtag, passieren. „Von ihm wurde die Telefonnummer seines Vorzimmers und eine veraltete Mobilfunknummer veröffentlicht“, sagt SPD-Sprecher Christoph Gehring im Gespräch mit dieser Zeitung. Und: Schäfer-Gümbel sei der einzige SPD-Landtagsabgeordnete gewesen, der in das Visier der Angreifer gekommen sei, so Gehring weiter. Obwohl der „Schaden“ durch die Cyberkriminellen sich in Grenzen halte, sei die Hacker-Attacke doch sehr ernst zu nehmen, sagt der SPD-Sprecher. Ähnlich sieht es auch die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Janine Wissler, wenn sie feststellt, die Attacke sei „besorgniserregend“. Von ihr seien die „Adresse und die Telefonnummer“ an die Öffentlichkeit gelangt.

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Das hessische Innenministerium schätzt, dass ein Drittel der Landtagsabgeordneten von dem Hacker-Angriff betroffen seien. Das betreffe alle Parteien, mit Ausnahme der AfD, so Ministeriumssprecher Michael Schaich. Dass die AfD nicht ausgespäht wurde , könne darin liegen, dass die Täter mit „alten Informationen“ an die Öffentlichkeit gegangen sind. Für die Abgeordneten und Ministerien gebe es mittlerweile eine Hotline. An diese könnten sich die Betroffenen mit ihren Fragen wenden, so Schaich weiter.

Unterdessen bestätigt auch die hessische CDU, dass Landespolitiker der Christdemokraten von dem Hackerangriff betroffen seien. Nach Informationen von Hessenschau.de sind darunter auch Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth (beide CDU). „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wurden keine sensiblen Daten veröffentlicht“, so CDU-Sprecherin Adina Murrer.

Für Jürgen Frömmrich, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Landtag, ist klar, das dieser Angriff auf demokratischer Grundwerte wie Persönlichkeitsrechte und Datenschutz strafrechtliche Konsequenzen haben müsse. „Die zuständigen Behörden müssen jetzt intensiv ermitteln und den Vorfall umfassend aufklären“, fordert er.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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