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Noch immer gehen zu viele Patienten schnurstracks in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser, obwohl sie eigentlich besser in einer Arztpraxis aufgehoben wären.

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Hessens Notfälle sollen an der richtigen Adresse landen

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Eine engere Kooperation zwischen Kliniken und Arztpraxen ist möglich. Doch sie kostet viel Geld und es fehlt das Personal.

Hessens Rettungsdienste und die ambulanten Ärzte wollen stärker miteinander kooperieren. Das Ziel ist, dass Patienten mit ihren Beschwerden an der richtigen Adresse landen: bei akut lebensbedrohlichen Ereignissen in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser. Bei Husten, Brech-Durchfällen oder anderen Bagatellerkrankungen in einer Arztpraxis; sind die geschlossen, ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst für sie zuständig. Eine Vernetzung der Notrufe 112 und 116 117 sei in Planung, kündigten Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen am Montag in Frankfurt an. Näheres werde im nächsten Jahr verkündet.

Die Notfallversorgung ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Noch immer gehen zu viele Patienten schnurstracks in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser, obwohl sie eigentlich besser in einer Arztpraxis aufgehoben wären. Das blockiert die Kliniken und verärgert KV-Vorstandschef Frank Dastych. Er wünscht sich seitens der Politik eine bessere Steuerung der Patienten – und plädiert gar für eine Strafgebühr für unbelehrbare Patienten.

Wohin, wenn es schmerzt? Der Ärztliche Bereitschaftsdienst(ÄBD)Hessen ist zuständig für akute Beschwerden, mit denen Bürger normalerweise einen Haus- oder Facharzt aufsuchen würden. Bei akut lebensbedrohlichen Erkrankungen ist der Rettungdienst, Rufnummer 112, die richtige Adresse.

Außerhalbder Praxissprechzeiten ist der ÄBD telefonisch erreichbar unter der 116 117 oder in rund 70 ÄBD-Zentralen in ganz Hessen.

www.bereitschaftsdienst-hessen.de

Dass es anders geht, zeigt der Modellversuch der KV am städtischen Klinikum Höchst. An einem gemeinsamen Tresen werden Patienten dorthin sortiert, wo sie hingehören: Die mit Bagatellerkrankung werden während der Sprechstundenzeiten in eine Arztpraxis in der Nähe vermittelt; außerhalb der Öffnungszeiten steht der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) der Kassenärzte bereit.

30 Prozent der Patienten wurden in Höchst im vergangenen Jahr umgesteuert. Und die Klinikärzte haben mehr Zeit, um sich um die schlimmen Fälle kümmern können. Ein Modell, das laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag flächendeckend in Hessen eingeführt werden soll. Doch bislang gibt es nichts als die Absichtserklärung, sagte KV-Vorstand Eckard Starke am Montag: Im Haushalt 2020 habe er keinen Posten dafür gefunden.

Denn eine Umstrukturierung der Notfallversorgung kostet Geld. Auf rund 300 000 Euro beziffert die KV die Kosten pro „gemeinsamem Tresen“. Hinzu käme ein Zusatzbedarf an erfahrenen Ärzten, die der ambulanten Versorgung entzogen würden. Und das bei drohendem Fachkräftemangel.

Deshalb sei die jüngste Idee aus dem Hause von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zwar in Hessen umsetzbar. Doch sie sei mit erheblichen Kosten verbunden, und die Frage sei, woher die Ärzte dafür kommen sollen. Spahn will an allen Kliniken sogenannte Integrierte Notfallzentren schaffen, in denen rund um die Uhr auch Patienten mit Bagatellerkrankungen versorgt werden. Das ginge nach Auffassung der KV nur in abgespeckter Form, an sechs Kliniken in Hessen und wenn die Zusatzkosten übernommen würden. Rund 20 Millionen Euro hätten die Krankenkassen dafür zu zahlen, plus die Kosten für die gemeinsamen Tresen.

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