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Hessens Städte kämpfen gegen die Vermüllung

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Hessens Städte kämpfen gegen Vermüllung
Liegengelassener Müll am Mainufer, im Hintergrund laufen Jogger. © Hannes Albert/dpa

Mit der Corona-Pandemie bekam Essen und Trinken to go einen Schub. Der Trend hat aber auch Schattenseiten, wenn sich viele Menschen im Sommer im Freien treffen - und ihren Müll nicht wegräumen. Dann helfen auch größere Abfalleimer nicht.

Wiesbaden - Pizzakartons, Kaffeebecher, Kippen: Vor allem in Parks oder an beliebten Treffs lassen Menschen in den Städten und an Ausflugszielen oft ihren Müll zurück. Für die Kommunen eine Herausforderung. Die Entsorgungsbetriebe reagieren unter anderem mit Extra-Schichten, Müll-Scouts oder mehr Kontrollen.

In Gießen kommt es immer wieder zu starker Vermüllung, wie eine Sprecherin sagte. Besonders betroffen seien Parkanlagen. „Das ist vor allem auf den Trend zurückzuführen, dass die Anlagen immer stärker genutzt werden, um Freizeit zu verbringen - zum Picknicken, zum Grillen etc. Leider wird dann auch Müll zurückgelassen.“ Der Trend sei unabhängig von Corona.

Die Stadt Gießen hat zur Abhilfe die Reinigungsintervalle angehoben. „Und seit letztem Jahr setzen wir sogenannte Müll-Scouts ein, die die Besucher und Besucherinnen der Grünanlagen bewusst ansprechen und dafür sensibilisieren, dass Müll wieder mitgenommen oder richtig entsorgt werden muss.“ Dafür werden zum Beispiel Müllbeutel verteilt oder Taschenaschenbecher.

Auch die Stadt Kassel hat mit zunehmender Vermüllung zu kämpfen. „Die Mitarbeitenden der Straßenreinigung müssen die Papierkörbe häufiger leeren, obwohl das Volumen bereits erhöht wurde“, sagte ein Sprecher der Stadt. Zudem kämen Papierkörbe mit Solarpressen zum Einsatz, die den Abfall in regelmäßigen Abständen verdichten. „Noch nicht berücksichtigt ist hierbei der Abfall, der nicht den Weg in den Papierkorb findet, sondern unachtsam auf den Boden geworfen wird.“

Bei schönem Wetter sei die Vermüllung ein besonderes Problem. „Leider werden die vielen schönen Plätze im Stadtgebiet nicht wieder so verlassen, wie die Nutzer sie vorgefunden haben“, erläuterte der Sprecher. Oftmals bleibe viel Abfall vor Ort zurück. Er führte die Zunahme einerseits darauf zurück, dass sich das Leben stärker nach draußen verlagert habe - auch pandemiebedingt. „Andererseits haben sich die Essgewohnheiten verändert. Das Essen und Trinken to go hat sich etabliert“. In der Pandemie hätten viele Betriebe zusätzlich Essen zum Mitnehmen angeboten. Rüdesheim am Rhein hat nach den Worten einer Sprecherin ein Problem mit Unrat von Feiernden und Tagestouristen - „hauptsächlich resultierend aus dem gestiegenen to-go-Geschäft“. Brennpunkt seien die Weinberge. Zu Beginn der Corona-Pandemie hätten sich Wein-Wanderungen in privaten Kleinstgruppen etabliert, schöne Plätze hätten sich zu beliebten Treffs entwickelt. Häufig bleibe Abfall zurück, erklärte die Sprecherin. Auch nach dem Lockdown hielten sich viele Menschen gern in den Wingerten auf. Im Kampf gegen den Müll kontrolliere die Ordnungspolizei die Weinberge wesentlich häufiger als noch 2019. „Des Weiteren wird versucht, den Müll schnellstmöglich zu entsorgen, damit nicht zur Nachahmung ermutigt wird“, ergänzte die Sprecherin.

Auch der Sprecher von Darmstadt berichtet: „Mit zunehmend schönem Wetter ist ein erhöhtes Müllaufkommen in den öffentlichen Bereichen und vor allem in den öffentlichen Grünanlagen zu verzeichnen.“ Dies habe sich nach dem Ende des Corona-Lockdowns nicht wesentlich verändert. Inzwischen seien für bestimmte Parks die Reinigungsintervalle erhöht worden.

Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden hat kein großes Problem mit Unrat von Feiernden. Sporadisch gebe es Vorkommnisse am Rheinufer sowie in der Parkanlage Warmer Damm in der Innenstadt und am Neroberg bei Feierlichkeiten. Während des Corona-Lockdowns seien eher Probleme aufgetreten, gerade am Wochenende bei Treffen von jungen Leuten, teilte die Stadt mit. Seit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen sei es aber weniger geworden.

Als Maßnahme für mehr Sauberkeit hat die Stadt die Extra-Reinigung am Samstag und Sonntag durch das Team, das für die Fußgängerzone zuständig ist, ergriffen. Es gebe auch den Einsatz einer zusätzlichen Kehrmaschine. Zudem seien zusätzlich öffentliche Abfallkörbe in Wiesbaden aufgestellt worden.

In Frankfurt habe man im Augenblick die Situation gut unter Kontrolle, sagte ein Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Man setze mehr Teams und mehr Fahrzeuge ein, vor allem an den Wochenenden. An „neuralgischen Punkten“ wie dem Mainufer habe man mehr Papierkörbe aufgestellt.

Nach Ende der Corona-Lockdowns habe sich die Situation eher verbessert, sagte der Sprecher. Vermüllungen und Verschmutzungen gebe es trotzdem, etwa bei den bekannten Freitagabend-Treffs im Nordend. Offizielle Feste sind für die FES kein Problem, weil sie planbar sind. „Ungelöst“ ist weiter das Problem mit wild abgelegtem Sperrmüll.

In Fulda ist das Müllproblem nach den Worten eines Sprechers „dauerhaft präsent“. Besonders gravierend sei es auf Grünflächen, „wo zum Teil trotz vorhandener Abfalleimer Müll einfach auf der Wiese oder im Gebüsch zurückgelassen wird“. Die Stadt versuche, mit einem flexiblen System an Reinigungsdiensten gegenzusteuern, die an den Hotspots auch am Wochenende und zum Teil auch mehrfach am Tag unterwegs seien, wie der Sprecher erklärte. Außerdem seien zusätzliche und größere Mülleimer installiert worden, die auch Pizzakartons fassen könnten. dpa

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