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Hessens Städte planen kein Public Viewing zur WM im Winter

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Public Viewing
Fans verfolgen im Jahr 2016 beim Public Viewing in der Commerzbank-Arena ein Länderspiel. © Sebastian Stenzel/dpa/Archivbild

In den größeren hessischen Städten wird es dieses Jahr wohl kein Public Viewing geben. Das liegt zum einen am umstrittenen Austragungsort Katar - aber es gibt auch andere Gründe. Und wie schaut es aus in den Kneipen und Vereinen?

Frankfurt - In wenigen Wochen beginnt die Fußball-WM in Katar, aber große Fanfeste sind in den hessischen Städten nicht geplant. „Die Stadt Frankfurt plant kein Public Viewing“, heißt es beim zuständigen Planungsdezernat. Und: Dass die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar insgesamt ein Fehler gewesen sei, darüber bestehe inzwischen großes Einvernehmen.

Ähnlich sieht es in anderen Kommunen aus: So sollen in Kassel, Gießen, Fulda, Marburg, Rüsselsheim und Offenbach nach Angaben der Städte keine offiziellen Public-Viewing-Events veranstaltet werden. In Wiesbaden steht eine Entscheidung demnach noch aus.

Auch Hanau habe frühzeitig entschieden, kein von der Stadt organisiertes oder unterstütztes Public Viewing anzubieten, erklärte ein Sprecher der Stadt. „Die Entscheidung, die WM in Katar auszurichten, hält sie aus mehreren Gründen für falsch und will das deshalb nicht unterstützten.“ Die Ausrichtung in Katar sei mit Blick auf Energiekrise und Klimawandel ein vollkommen falsches Zeichen. Inakzeptabel seien zudem vor allem die Menschenrechtslage und die Bedingungen für die Gastarbeiter.

Die Fußball-WM in Katar startet am 20. November, das Finale wird am 18. Dezember ausgetragen. Erstmals wird eine Endrunde im Winter ausgespielt, was bei vielen für Unmut sorgt. Vor allem aber steht das Turnier in der Kritik, weil dem Emirat massive Verletzungen von Menschenrechten, etwa beim Bau der Stadien, vorgeworfen werden.

Auch einige Gastwirte und Vereine lehnen die Übertragung der WM-Fußballspiele ab. Deutschlandweit schließen sich Kneipen bei der Aktion „#KeinKatarinmeinerKneipe“ zusammen. So das Kasseler Bier- und Weinlokal „Ulenspiegel“, das kein WM-Spiel zeigen will. Keine Live-Übertragungen gibt es auch im Restaurant „frankfurter botschaft“ am Main. „Wir werden kein Public Viewing anbieten - dies haben wir bisher immer nur im Sommer draußen auf unserer Sandfläche angeboten und so wird da auch weiterhin sein“, sagte Geschäftsführer Daniel Arons.

Der Fußballverein KSV Hessen Kassel entschied sich bereits im vergangenen Jahr für einen WM-Boykott. „Mit unserem Wertekompass ist eine WM in Katar insbesondere wegen der Menschenrechtsverletzungen nicht vereinbar“, erklärte ein Vereinssprecher. Ein Public Viewing im Kasseler Auestadion wie bei der WM 2014 werde es daher nicht geben.

Andere Gastronomen wollen die WM-Spiele hingegen zeigen. „Ein Schmücken unserer Lokation wird es nicht geben, aber wir werden alle Spiele und alle Tore bis zum bitteren Ende übertragen“, sagte Carla Roczek von der Wiesbadener Sportsbar Roczek's. Sie habe sich nach dänischem Vorbild aber ein ganz schwarzes Trikot besorgt, das sie bei der Arbeit tragen wolle. Dänemarks Nationalmannschaft will bei der WM mit schwarzen Trikots ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen setzen.

Auch die Alex Gaststätten Gesellschaft, die Restaurants in Frankfurt, Kassel und Wiesbaden betreibt, will „die Live-Übertragungen von WM-Spielen mit deutscher Beteiligung zwar nicht bewerben, aber auch nicht grundsätzlich ausschließen“, erklärte Geschäftsführer Bernd Riegger. Man wolle die Gäste „nicht bevormunden“, die Spiele aber nur dann zeigen, „wenn eine erkennbare Mehrheit unserer Gäste an einer Übertragung Interesse zeigt“.

Ob Fußballfans bei WM-Spielen vor großen Leinwänden in Kinos mitfiebern können, ist zumindest beim „Kinopolis“ noch offen. Während unter anderem in Kinos in Darmstadt, Gießen, Sulzbach und Hanau in der Vergangenheit Sportveranstaltungen wie die WM gezeigt wurden, gebe es zur Live-Übertragung der diesjährigen WM bisher keine Entscheidung, erklärte eine Mitarbeiterin. dpa

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