Begeisterung

Hessische A-Capella-Band Allegria feiert Erfolge im Internet

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Sie sind die „Hessisch Mädsche“ – und landeten damit letztes Jahr einen Riesenhit im Internet: Die Frauen A-Cappella-Band Allegria. Frech, modern und mit Frauenpower kommen die vier Profi-Musikerinnen daher, und sprengen eine noch stark Männer dominierte Sparte.

„Ei hosch emol, mir Hessisch Mädscher sinn doch gar nett bees“, singen die vier Frauen mit den bunten gestreiften T-Shirts: „Jetzt hier mal unter uns: Wie sinn die Hesse druff? Sie sinn es bissche ruppig, und resche sich gern uff.“ Der Song über die selbstbewussten „Hessischen Mädscher“ ging Ende 2017 im Internet durch die Decke. 500 000 Aufrufe verzeichnete das Video zum Song inzwischen auf Facebook, fast 100 000 auf Youtube. „Wir haben wohl den Hessen-Nerv getroffen“, sagt Christine Bär.

Seit 2001 gibt es die Frauen A-Cappella-Gruppe Allegria, seit 2016 singen die vier Damen in dieser Besetzung zusammen. Julia Hofmann, der dunkle Alt, und Sopranistin Christine Bär trafen sich beim Gesangsstudium in Frankfurt, gemeinsam gründeten sie ein Frauen-Sextett. „Die Männer haben alle Klavier studiert“, sagt Hofmann. „Es gab keine Männer“, erinnert sich auch Bär, „da haben wir gesagt: brauchen wir auch nicht.“

Frauen-A-Cappella-Gruppen waren bislang in Deutschland eher selten – seit den berühmten Comedian Harmonists waren die Stars der Szene Männer. „Wir sind die weibliche Antwort auf Wise Guys und Sechszylinder“, sagt Hofmann selbstbewusst. 2007 stieß Mezzosopranistin Mareike Bender zu Allegria, 2016 kam die gebürtige Stuttgarter Sopranistin Christina Schmid dazu – auch sie längst „integrierte Hessin“, wie sie sagt.

Lange sang die Gruppe klassisches Liedgut in Kirchen, mischten Volkslieder mit Musicalmelodien, intonierten Leonard Cohen’s „Hallelujah“. Der Fokus lag immer auf dem schönen Gesang, dem edlen Auftritt – die „Hessisch Mädsche“ wurden zur Initialzündung für eine ganz neue Richtung. „Wir haben uns entschieden, jetzt auch mal die Stöckelschuhe beiseite zu legen“, sagt Mareike Bender, „wenn man Tacheles reden will, hindern die einen manchmal.“ Im Urlaub auf Mallorca, am Strand, schrieb Bär den Text für „Hessische Mädsche“, Hofmann setzte die Melodie von „All about that bass“ für das Quartett um.

Seit dem Erfolgssong haben sie angefangen, eigene Lieder zu entwickeln, ein neues Programm ist in der Mache, am 27. April ist Premiere in Langenselbold. „Aktuell machen wir ziemlich viel Firlefanz“, sagt Hofmann, und grinst – „Firlefanz“ ist der Name des neuen Programms. „Klamauk, Heckmeck, Kladderadatsch“, wirft Bär genüsslich ein. Musikkabarett im Entstehungsprozess, vom Leben singen sie, mit all seinen Facetten, und immer mit Augenzwinkern, sagen sie geheimnisvoll.

„Wir haben eine Botschaft, die kann man uns auch mit Turnschuhen abkaufen“, sagt Bender. Es gehe gerade darum, „nicht immer nur schön, nicht immer nur nett zu sein“, sagt Hofmann: „Da Frauen seit ungefähr hundert Jahren auch wählen dürfen, dürfen wir auch mal bees sein.“ Böse sein, mal nicht auf schön gestylt sein – auf den Bühnen gilt das bei Frauen immer noch als revolutionär.

„Mir Hesse sinn echt!“ singen die Allegria-Mädels. „Ernst genommen zu werden als Frau, das ist schon ein Punkt“, sagte Bender, „man muss schon seine Frau stehen.“ Nein sagen zu schlechten Verträgen, gehöre zum Beispiel auch dazu, das werde dann auch durchaus respektiert. Mehr können als die Männer müsse man, sagt Hofmann, „und sehr genau aufpassen, was man sagt.“ Und dann ist da noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Mittdreißigerinnen haben Männer, kleine Kinder. Alle vier leben von der Musik, sind auch als Musikpädagoginnen tätig. „Da braucht man Männer, Omas, Tanten, Onkel zur Unterstützung“, sagt Hofmann. „Ein ganzes Netzwerk“, ergänzt Bär.

Und was ist für sie nun hessisch? „Das haben wir alles in unseren Song gepackt“, sagt Bär: „Äppelwoi, Elvis und Frankfurt, aber auch Multi Kulti und das Bodenständige.“ Die Reaktionen seien begeistert, das gesungene Stück Hessen-Identität kommt an. Gerade seien sie angesprochen worden, erzählt Bender: „Uns Hessen fehlt so was.“ Jetzt nicht mehr – zu finden im Internet unter .

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