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Die Spannweite des Rotmilans beträgt bis zu 1,70 Meter.

Rotmilan

Hilfe für den Rotmilan aus der Rhön

Majestätisch schwebt der Rotmilan auf der Suche nach Beute über Felder und Wiesen. Der markante Greifvogel mit dem gegabelten Schwanz hat es in der Kulturlandschaft schwer. Der Mensch muss helfen.

Von Antje Lauschner (dpa)

Deutschland ist Rotmilan-Land. „Mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes von 22 000 Paaren brütet in Deutschland“, sagt der Leiter des Artenhilfsprojekts Rotmilan in der Rhön im Dreiländereck Hessen, Bayern und Thüringen, Bastian Sauer. „Deutschland hat somit eine besondere Verantwortung für die Erhaltung des Greifvogels, der an seinem gegabelten Schwanz gut zu erkennen ist.“

Das Mittelgebirge Rhön mit seinen Wäldern und offenen Flächen sei eines der Hauptbrutgebiete in Deutschland. Unter anderem durch den Verlust von Grünland, die Zunahme von Monokulturen und den Einsatz von Herbiziden habe sich sein Nahrungsangebot – Insekten, Kleinsäuger, Jungvögel und tote Tiere – immer mehr verringert. „Die Zahl der Rotmilane ist seit den 1990er Jahren um etwa ein Drittel zurückgegangen.“ Darauf habe das Bundesamt für Naturschutz 2014 mit dem Artenhilfsprojekt Rotmilan in der Rhön reagiert. Bis 2020 werde es vom Bund mit insgesamt 920 000 Euro gefördert. Das Projekt im Biosphärenreservat Rhön und angrenzenden Gebieten umfasst eine Fläche von rund 4900 Quadratkilometern. Insgesamt sind fünf Landkreise involviert. Koordiniert wird das Großprojekt auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe, wo Sauer sein Büro hat.

„Start war in diesem Frühjahr. Mit 80 ehrenamtlichen Helfern haben wir begonnen, die Zahl der Brutpaare und ihre Standorte zu kartieren.“ Das Interesse und die Bereitschaft, daran mitzuwirken, sei groß. Langfristiges Ziel sei es, den Vögeln mehr Schutzräume zu geben. Die außerordentliche Bedeutung des Rotmilans für das Ökosystem zeigt sich auch daran, dass er zusammen mit Wildkatze, Kiebitz, breitblättrigem Knabenkraut, Gelbbauchunke oder Bechstein-Fledermaus zu den 40 seltenen Tieren und Pflanzen im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gehört. Nicht nur Landwirtschaft, Straßenlärm und zunehmend Windräder machten dem Milan zu schaffen, er reagiere auch sehr sensibel auf Störungen, etwa durch Tourismus und Freizeitaktivitäten wie Geocaching. „Da bricht er schon mal die Brut ab.“ Dem Schutz von einzeln stehenden Bäumen oder Bäumen an Waldrändern als Nistplätzen komme deshalb eine große Bedeutung zu. Auch Manschetten um Baumstämme als Schutz vor Mardern und Waschbären, die auf Eier und Jungvögel scharf sind, sollen erprobt werden. „Es soll auch eine Art Modell für andere Projekte sein“, beschreibt der 35-Jährige seinen Anspruch. „Der Rotmilan kommt nur in Europa vor“, erzählt der Leiter der Thüringer Vogelschutzwarte in Seebach, Stefan Jaehne.

Etwa

1000 Brutpaare

gibt es seiner Schätzung nach allein in Thüringen. Ihr Bestand sei hier relativ konstant. Auch in der Thüringer Ackerebene bis hin nach Sachsen-Anhalt, wo es ebenfalls ein Hilfsprogramm gibt, ist die Art heimisch. Als Kulturfolger sei der Milan bis vor einigen Jahren auch auf Müllkippen zu sehen gewesen, die heute zumeist abgedeckt seien. Er profitiere aber auch von toten Tieren auf Straßen und an Flussläufen, sagte Jaehne.

Dass der Rotmilan bei seiner Futtersuche nicht allzu wählerisch ist, bestätigt Projektleiter Sauer, der seine Masterarbeit über den Greifvogel an der Universität Göttingen geschrieben hat. „Da ist auch schon mal ein Pausenbrot oder ein Würstchen dabei.“ Der Rotmilan sei jedoch auch deshalb für das Ökosystem so wichtig, weil er als einziger Greifvogel verunglücktes Wild aufbrechen könne, das damit etwa Krähen und anderen Tieren als Nahrung diene.

Als Aasfresser würden dem Rotmilan auf der Suche nach toten Vögeln oder Fledermäusen zunehmend die Rotoren der Windräder zum Verhängnis, warnte Sauer. Deshalb müsse der Abstand zwischen Windrädern und Nistplätzen verbindlich geregelt werden.

Für den diesjährigen Vogel-Nachwuchs ist dem Experten nicht bange. Zwar lägen noch nicht alle Rückmeldungen für die Rhön vor. Aber wo die Helfer bereits nachgeschaut hätten, fanden sie zwei bis drei gut genährte Jungvögel vor.

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