Historiker sieht „permanente Versuche der Selbstentlastung“

Der Historiker Per Leo hat davor gewarnt, über dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus die Täter zu vernachlässigen. „Erinnerungskultur beginnt dort kritisch zu werden, wo sich das Erinnern verselbstständigt und immer weiter wegrückt von dem Wissen um diese Zeit“, sagte Leo am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Der Autor von „Mit Rechten reden“ stellte sein neues Buch „Tränen ohne Trauer:

Frankfurt/Main - Nach der Erinnerungskultur“ (Klett-Cotta) vor.

Immer weniger Menschen seien bereit, sich mit den komplexen Geschehnissen dieser Zeit auseinanderzusetzen, während „zugleich aber immer emphatischer gedacht wird“. In der Populärkultur stehe fast nur noch die Identifikation mit den Opfern im Mittelpunkt. „Wir haben es mit permanenten Versuchen der Selbstentlastung zu tun“, sagte Leo auf dem „Blauen Sofa“. In Deutschland beobachte er zudem „eine Verschiebung, die sich - und da wird es problematisch - weg von den historischen Opfern der Shoah hin zum Staat Israel verschiebt. Wir haben da eine Art Entlastungs-Zionismus, der hoch problematisch ist.“ dpa

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