1. Startseite
  2. Hessen

Hohe Kosten und weniger Käufer: Schwere Spargelsaison

Erstellt:

Kommentare

Letzter Tag der diesjährigen Spargelernte
Die Planen auf dem Spargelfeld eines Spargelhofs werden mit einem Traktor vom Feld geholt. © Martin Schutt/dpa/Symbolbild

In den vergangenen Jahren liefen die Geschäfte mit dem Spargel ordentlich. Krieg, Inflation, höhere Löhne und höhere Kosten für Betriebsmittel setzen jetzt aber auch dem Absatz des Edelgemüses Grenzen auf. Probleme, die nicht nur die Spargelbauern treffen.

Friedrichsdorf/Wiesbaden - Stark steigende Energiepreise, höherer Mindestlohn und weniger kauffreudige Verbraucher: Hohe Kosten und Zurückhaltung beim Kauf des Edelgemüses haben den hessischen Spargelbauern die Saison vermiest. „Die Erträge und die Qualität waren gut“, sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber, zum offiziellen Ende der Spargelsaison am Freitag. Vielfach hätten die Landwirte aber geringere Einnahmen als Ausgaben gehabt. Ein Los, das nicht nur die Spargelbauern trifft.

Dem hessischen Landwirtschaftsministerium zufolge sind auch andere „energie- und vorleistungsintensive Produktionsverfahren“ in der Landwirtschaft von der derzeitigen Krise betroffen. Das seien vor allem Sonderkulturen wie Freilandgemüse, Obst und Wein, die Geflügel und Schweinehaltung. Erst am Montag hatte das Bundesagrarministerium Finanzhilfen für die in Folge des Ukraine-Krieges gebeutelten Bauern angekündigt. Unterstützt werden sollen Betriebe, die wegen höherer Betriebsmittelkosten oder wegen Handelsbeschränkungen durch den Krieg betroffen sind - maximal 15.000 Euro pro Unternehmen.

„Das Land setzt sich dafür ein, dass die laufenden landwirtschaftlichen Förderprogramme mit einem Finanzmittelvolumen von rund 300 Millionen Euro in diesem Jahr frühestmöglich und vollständig ausgezahlt werden“, teilte das hessische Landwirtschaftsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Darüber hinaus seien keine zusätzlichen Hilfen geplant.

„Die Saison war jetzt nicht rosig“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt. Es habe eigentlich gut angefangen. „Anfang Mai fing es an zu kippen.“ Da sei ein Haufen Spargel auf den Markt gekommen. Aber obwohl der Spargel insgesamt billiger war als im vergangenen Jahr, hätten Verbraucher nicht so zugegriffen. Zudem habe der Einzelhandel angefangen, billigeren Spargel in Polen oder Italien einzukaufen. „Für vier Euro das Kilo kann ich aber nicht produzieren.“ Er wie auch andere hätten schon während der Saison rund 25 Prozent der Anlagen aus der Ernte genommen, sagte Meinhardt. Er selbst habe auch schon früh Erntehelfer wieder nach Hause geschickt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden deutschlandweit im vergangenen Jahr 119.268 Tonnen Spargel geerntet. Die Anbaufläche der über 1500 Betriebe lag bei 22.283 Hektar. In Hessen wird dem Bauernverband zufolge das Edelgemüse auf rund 1650 Hektar angebaut. Die Spargelernte beginnt in Deutschland normalerweise in der zweiten Aprilhälfte und dauert traditionell bis zum „Johannistag“ am 24. Juni. Der offizielle Saisonstart in Hessen war in diesem Jahr am 6. April.

Meinhardt wie auch der Bauernverband gehen davon, dass in Zukunft auf weniger Fläche Spargel angebaut wird. Einige Betriebe hätten schon gesagt, dass sie aus dem Anbau aussteigen, sagte Meinhardt. Zudem werde mit dem steigenden Mindestlohn von 9,82 auf 12 Euro pro Stunde im Oktober in der kommenden Saison die Preissituation noch einmal verschärft. Das mache pro Hektar 3000 bis 4000 Euro aus.

„Das Damoklesschwert von Hofschließungen schwebt schon über der Landwirtschaft“, sagte Weber. Futter, Diesel, Dünger - überall seien die Preise in die Höhe geschnellt. „Die Produktionskosten steigen und steigen, aber nicht die Einnahmen.“ Marktexperten sagen Weber zufolge, dass die Preise für Weizen und Raps auf einem höheren Niveau wegen des Kriegs bleiben. Eventuell komme auch für die Spargelbauern ein Umdenken auf andere Kulturen in Frage. Mit Blick auf den Spargel sagte Weber, auf der einen Seite stelle man immer die Regionalität hervor und dann drücke der Handel die Preise mit Importen. Ein Problem, das Meinhardt auch insgesamt sieht. „Wir brauchen keine Brombeeren aus Peru.“ dpa

Auch interessant

Kommentare