Corona-Pandemie

Homeoffice-Pflicht läuft aus: Wie es ab dem 1. Juli in Hessen weitergeht

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag in Hessen zuletzt massiv verändert. Mit dem Ablauf der Homeoffice-Pflicht fragen sich viele, wie es nun weitergeht.

Wiesbaden/Frankfurt – Aufgrund der bundesweit niedrigen Corona-Inzidenzen läuft noch in dieser Woche die Homeoffice-Pflicht aus, die im Zuge der Bundesnotbremse beschlossen wurde. Bei vielen Beschäftigten, auch in Hessen, führt das zu Unsicherheit und der Frage, wie es in Zukunft weitergeht. Denn der Umgang der Unternehmen mit der Situation ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Während alle, deren Arbeit es zulässt, bis Ende Juni dazu verpflichtet waren, von zu Hause aus zu arbeiten, können Unternehmen ab Donnerstag (01.07.2021) von ihren Mitarbeitenden eine Rückkehr ins Büro verlangen, sofern keine Homeoffice-Regelung vertraglich vereinbart worden ist. Die Tendenz jedoch zeigt, dass viele Unternehmen, vor allem aus den digital-affinen Branchen, statt Rückkehr zum Arbeitsalltag aus den Zeiten vor Corona* lieber neue Konzepte entwickeln wollen.

Zum 1. Juli läuft die landesweite Homeoffice-Pflicht aus. Viele Unternehmen wollen allerdings weiterhin Arbeit von zu Hause aus ermöglichen.

Ende der Homeoffice-Pflicht: Nur zehn DAX-Konzerne wollen rasche Rückkehr ins Büro

So ergab etwa eine Recherche der Tageszeitung Handelsblatt, dass nur zehn der 30 DAX-Konzerne wieder unmittelbar zur klassischen Anwesenheit im Büro zurückkehren möchten. Auch der Mittelstand wolle vorerst an einem langsamen Öffnungskozept arbeiten, berichtet die Wirtschaftszeitung. Auch die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtet von einer deutschlandweiten Tendenz, gerade größerer Unternehmen, geltende Homeoffice-Regelungen weiterzuführen. Als Beispiele nennt der Bericht Technologiekonzerne wie SAP oder Hewlett Packard sowie große Namen aus der Industrie: Porsche, Volkswagen und Bosch.

Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch bei Betrieben mit Sitz oder Standort in Hessen: So berichtet die Tagesschau etwa am Beispiel der Versicherung Alte Leipziger, die einen Standort in Oberursel bei Frankfurt hat, dass von 3000 Beschäftigten 90 Prozent die technischen Voraussetzungen hätten von zu Hause aus zu arbeiten. Durchschnittlich 75 Prozent nutzten diese Möglichkeit zuletzt. „Für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter war das Arbeiten von zu Hause aus eine gänzlich neue Situation“, zitiert das Nachrichtenportal Andreas Bernhardt, Pressesprecher der Versicherung: „Die fand aber schnell Akzeptanz, weil jeder verstand, dass der Schutz vor Ansteckung es erforderte.“

Wo es sinnvoll ist: Auch Betriebe in Hessen wollen Homeoffice-Regel beibehalten

Auch andere Betriebe mit großen Standorten in Hessen, etwa in Frankfurt am Main*,wollen einige der neuen Arbeitsformen aus Zeiten der Pandemie mit in die Zukunft nehmen. So teilte die Deutsche Bahn* laut Berichten von Die Presse mit, dass mobiles Arbeiten überall dort weiterhin möglich gemacht werden solle, „wo es die bestehenden Arbeitsanforderungen erlauben“. Auch Siemens will laut einer Sprecherin den Standard Homeoffice auf Dauer etablieren. Das Ziel sei, dass alle Beschäftigten, „wenn es sinnvoll und machbar“ ist, weltweit im Schnitt stets zwei bis drei Tage pro Woche mobil arbeiten können.

Was in den Büros nach wie vor gelten wird, gerade wenn alle Beschäftigten wieder an die Arbeitsplätze in den Konzernzentralen und Büros zurückkehren sollten, sind die allgemeingültigen Abstands- und Hygieneregeln sowie die Pflicht für Unternehmen, ihren Beschäftigten ein regelmäßiges Testangebot zu machen. Dies ist aus Sicht von Gesundheits-Experten wichtig, um den Verlauf der Pandemie weiterhin unter Kontrolle zu behalten, gerade in Hinblick auf die sich derzeit vermehrt ausbreitende Delta-Variante.

Geteilte Reaktionen über Aufhebung der Homeoffice-Pflicht in Hessen

Dass Homeoffice weiterhin stellenweise Standard bleiben soll, sehen ein Teil der Arbeitnehmer sowie zahlreiche Unternehmen und Verbände auch in Hessen kritisch. Die Industrie- und Handelskammer Limburg begrüßte zuletzt das Auslaufen der Bundesnotbremse* und damit der Homeoffice-Pflicht, die sie als Auslöser „unnötiger Bürokratie und Unsicherheit in den Betrieben“ bewertet. Und auch zahlreiche Beschäftigte würden sich eine Rückkehr an die Arbeitsplätze wünschen, wie zahlreiche Verbände durch Umfragen herausgefunden haben.

Für jene Beschäftigten, die diesem Schritt mit Angst begegnen, etwa weil sie an psychischen Erkrankungen leiden, gab Prof. Dr. med. Sibylle Roll, die Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Höchst in einem Interview Ende Juni Tipps, wie eine Rückkehr in den Arbeitsalltag aus den Zeiten vor der Pandemie* gelingen kann. (Sandra Kathe) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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