IG Metall Aktionstag "Fairwandel"
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Hunderte Demonstranten und Demonstrantinnen stehen an der Hauptwache in der Frankfurter Innenstadt bei einer Kundgebung.

IG-Metall-Aktionstag mit Opel-Protesten

Der schnelle und wohl unvermeidbare Wandel der Industrie treibt die Gewerkschaften um. Bei einem Aktionstag fordern sie Schutz für die Beschäftigten. An vielen Standorten sind die Gefahren schon ganz konkret.

Frankfurt/Main - Die drohende Aufspaltung des Autobauers Opel war drängendstes Thema bei einer Protestveranstaltung der IG Metall am Freitag in Frankfurt. Opel-Betriebsratschef Uwe Baum warnte den Mutterkonzern Stellantis, die Produktionswerke in Eisenach und Rüsselsheim aus der Opel Automobile GmbH auszugliedern sowie den Werkzeugbau zu schließen. „Das sind Herzstücke von Opel. Wir sind an einem Punkt, an dem das Maß voll ist“, sagte er vor mehr als 1000 Gewerkschaftern. Auch an den anderen Opel-Standorten Eisenach und Kaiserslautern gab es Proteste.

Seit der Übernahme durch die Peugeot-Mutter PSA im August 2017 werden bei Opel Arbeitsplätze abgebaut und Abläufe gestrafft. Durch die Fusion von PSA mit Fiat-Chrysler zum neuen Stellantis-Konzern ist die Situation der einzigen deutschen Marke noch unsicherer geworden. So muss das Werk Eisenach bis zum Jahresende eine Zwangspause mit Kurzarbeit einlegen. Zuletzt waren Pläne bekannt geworden, die Produktionswerke aus dem deutschen Opel-Verbund herauszulösen. Zudem wird zum Jahresende die Werkzeugmacherei in Rüsselsheim geschlossen.

Die IG Metall hat am Freitag bundesweit für einen sozial-ökologischen Wandel der Industrie demonstriert. Die Transformation dürfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, hatte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann erklärt. Die Gewerkschaft schätzte die Teilnehmerzahl in saarländischen Dillingen auf mehr als 3000. Nach Angaben eines Sprechers sind in Kaiserslautern etwa 700 und in Koblenz rund 800 Beschäftigte auf die Straße gegangen. In Dillingen sagte Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, vom Ford-Management erwarte man einen klaren Zukunftsplan. Ford Saarlouis solle auch über 2024 hinaus erhalten bleiben.

Mit Blick auf die Produktion von CO2-freiem Stahl sagte Köhlinger: „Wir brauchen einen Transformationsfonds mit zehn Milliarden Euro bis 2030, damit zehn Millionen Tonnen bis 2030 auf „grünen Stahl“ umgestellt werden können. Millionen Tonnen CO2 können so eingespart werden.“

Besonders in der Stahl- und in der Chemieindustrie sollen durch Wasserstoffprojekte jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 (Kohlendioxid) eingespart werden. Ziel ist ein klimaneutrale Stahlproduktion - weg von der Kohle hin zu einer CO2-freien Herstellung. Vor allem „grüner“ Wasserstoff, für dessen Herstellung Ökostrom eingesetzt wird, soll beim klimafreundlichen Umbau von Produktionsprozessen eine große Rolle spielen.

Mit dem bundesweiten Aktionstag „FairWandel - sozial, ökologisch, demokratisch“ in mehr als 50 Städten wollte die Gewerkschaft ihren Forderungen an die künftige Bundesregierung Nachdruck verleihen. Auch die IG BCE organisierte Proteste ihrer Belegschaften. Es gehe um nichts weniger als die industrielle Zukunft, sagte Jürgen Glaser, Bezirksleiter der IG BCE Darmstadt, nach einem Gespräch bei dem Pharma- und Chemiekonzern Merck. „Wir möchten, dass auch die qualifizierten, gut bezahlen industriellen Arbeitsplätze in das neue Zeitalter überführt werden.“ Es gebe erheblichen Investitionsbedarf in Zukunftstechnologien und Infrastruktur. dpa

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