Keiner soll außen vor bleiben: Das ist das Ziel von Inklusion.
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Keiner soll außen vor bleiben: Das ist das Ziel von Inklusion.

Studie bewertet Schulsystem

Inklusion: Hessen bleibt zurück

  • Dieter Hintermeier
    VonDieter Hintermeier
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Die Bertelsmann-Stiftung hat die Chancengerechtigkeit im deutschen Schulsystem untersucht. Das Ergebnis: Die Schüler haben mehr Chancen und Möglichkeiten als vor einigen Jahren. Aber die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß.

Bei der Inklusion in der Schule läuft der Trend gegen Hessen. Zu diesem Ergebnis kommt der „Chancenspiegel 2017“, die aktuelle Bildungsstudie der Bertelsmann-Stiftung. Nicole Hollenbach-Biele, Bildungsexpertin der Bertelsmann-Stiftung, sieht bei der Inklusion in Hessen deshalb „noch Handlungsbedarf“.

Dabei verweist sie darauf, dass die Anzahl der Schüler, denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wurde, in den Jahren 2002 bis 2014 kontinuierlich gestiegen sei. Hollenbach-Biele sieht es kritisch, dass die Zahl der Schüler, die eine Förderschule in Hessen besuchen, ebenfalls kontinuierlich stieg. Die Expertin zieht daraus den Schluss, dass diesen Förderschülern die Chance genommen werde, eine Regelschule zu besuchen. Dabei habe sich Deutschland im Jahr 2009 in der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap zu fördern. Das soll durch die „schulische Inklusion“ erreicht werden.

Insgesamt hat sich Deutschlands Schulsystem in den vergangenen 15 Jahren gut entwickelt. Das ist auch ein zentrales Ergebnis der Studie, die von der Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit der Technischen Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena erarbeitet wurde. Der „Chancenspiegel“ attestiere allen Bundesländern, ihre Schulsysteme insgesamt leistungsstärker und chancengerechter gemacht zu haben – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau und mit unterschiedlichen Schwachstellen. Bundesweit beobachtet der „Chancenspiegel“ bei Ganztagsausbau, gemeinsamem Lernen und Schulabschlüssen einen steten Aufwärtstrend. Sei im Jahr 2002 nur einer von zehn Schülern ganztags zur Schule gegangen, seien es heute knapp vier von zehn. Außerdem: 2002 habe lediglich jeder achte Förderschüler eine reguläre Schule besucht, heute gelte das für rund jeden dritten. Und während 2002 nur 38,2 Prozent der Schulabgänger das Recht auf ein Hochschulstudium erwarben, gelinge dies heute 52,2 Prozent. Gleichzeitig sei der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss von 9,2 auf 5,8 Prozent gesunken.

Hessen schneidet in vielen „Disziplinen“, die von der Studie analysiert wurden, im Länderdurchschnitt ab. Für Nicole Hollenbach-Biele bleibt es aber trotzdem erwähnenswert, dass das Land es im Zeitraum von 2002 bis 2014 geschafft habe, die „Hochschulreifequote“ seiner Schüler von knapp 42 auf fast 56 Prozent zu erhöhen.

Mehr Abschlüsse

Deutlich verbessert, so die Studie, habe sich das Land im Hinblick auf die Quote der Abgänger ohne Hauptschulabschluss. Seit 2011 bewege sich Hessen im oberen Länderdurchschnitt. Auch die Quote der ausländischen Abgänger ohne Hauptschulabschluss sinke in Hessen kontinuierlich und stärker als der Bundesdurchschnitt. Das habe zu einem Wechsel in dieser Ranking-„Kategorie“ von der unteren in die mittlere Ländergruppe, und zum Ende der Zeitreihe im Jahr 2014 in die obere Ländergruppe geführt.

Beim Thema Kompetenz – das betrifft das Lesen und das Fach Mathematik – schneiden hessische Grundschüler tendenziell schlecht ab. Das hat für Hessen zur Folge, dass die Studie das Land überwiegend der „unteren Ländergruppe“ zuordnet.

In der Sekundarstufe I bewege sich Hessen überwiegend im Länderdurchschnitt. Bei der Kompetenz spiele der Migrationshintergrund der Schüler eine wichtige Rolle, so die Studie.

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