Islamforscherin für psychologische Hilfe für Kinder aus IS

Die Islamforscherin Susanne Schröter hält psychologische Betreuung für Kinder von IS-Rückkehrerinnen für dringend notwendig. „Sie sind radikalisiert und sie sind traumatisiert“, sagte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das Zurückkommen nach Deutschland ist für sie ein traumatischer Prozess.“

Frankfurt/Main - Am späten Mittwochabend war auf dem Frankfurter Flughafen ein Flugzeug mit acht mutmaßlichen IS-Anhängerinnen und insgesamt 23 Kindern gelandet. Zuletzt lebten sie mehrere Jahre im Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens, das unter kurdischer Verwaltung steht. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kamen sechs der Frauen wegen bereits bestehender Haftbefehle in Untersuchungshaft, gegen drei von ihnen ermittelt die Bundesanwaltschaft.

Die Wissenschaftler hätten allerdings keinerlei Informationen über die weitere Entwicklung von Kindern von Müttern, die sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen und IS-Kämpfer geheiratet hätten. „Diese Kinder sind für uns eine black box“, betonte Schröter. Für Kinder gelte ein besonderes Schutzbedürfnis, ohne den Blick der Öffentlichkeit aufwachsen zu können.

Allerdings seien die Kinder nicht nur durch Kriegserfahrungen, Gefangenenlager und die Trennung von ihren Müttern geprägt, sondern auch durch ihre Erziehung in der IS-Ideologie. „Vor allem Jungen wurden schon in sehr jungen Jahren mit zu Erschießungen genommen, bekamen Waffen in die Hand“, sagte Schröter zu den Erkenntnissen etwa aus den Aussagen in Prozessen gegen Islamisten. „Die Radikalisierung ist ein wichtiger Bestandteil der Sozialisation.“

Was wird überhaupt aus Kindern, deren Mütter als IS-Rückkehrerinnen zunächst in Haft kommen? Es sei auf jeden Fall eine gute Voraussetzung, wenn die Familien, etwa Großeltern, Tanten oder andere eine Distanz zum islamischen Extremismus hätten und Kinder sich „vielleicht in ganz normaler Weise weiter entwickeln“, sagte Schröter. „Wenn sie aber in diesem Netzwerk bleiben, weiß man nicht so genau, was passiert. Wenn sie in der Ideologie aufwachsen, dass Gewalt im Namen des Islam legitim ist, ist das natürlich ein großes Problem. Aber wir wissen nicht, wie sich die Kinder, die schon zurück sind, entwickelt haben.“

In der tschechischen Chartermaschine waren zudem 3 Frauen und ihre 14 Kinder, die von der dänischen Regierung zurückgeholt wurden. Die Aktion wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes von den USA logistisch unterstützt. dpa

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