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Auf der Werrabrücke ibei Treffurt wurden zwei Kränze in Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und der deutschen Teilung niedergelegt.

1000 Teilnehmer

30 Jahre Mauerfall: Gemeinsamer Festakt von Hessen und Thüringen - "Es gab nichts Wichtigeres als diese Grenzöffnung"

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Vor 30 Jahren wurde die Grenze geöffnet. Gemeinsam haben die Länder Hessen und Thüringen am Samstag den Opfern der deutschen Teilung gedacht.

Update am 09.11.2019 um 15.56 Uhr - Mit einer Schweigeminute auf der Brücke der Einheit zwischen den hemals getrennten Orten Großburschla (Thüringen) und Bahnhof Großburschla (Hessen) wurde an das Leid erinnert, dass die innerdeutsche Grenze hervorgerufen hat. 

Die Ministerpräsidenten Volker Bouffier (Hessen) und Bodo Ramelow (Thüringen) legten an der neuen Gedenktafel auf der Brücke Kränze nieder. Rund 1000 Menschen aus Ost und West folgten während eines Gedenkmarsches ihrem Beispiel und legten Blumen nieder. Begonnen hatte die Gedenkfeier am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche in Großburschla. 

Kerzen und Gebet haben die friedliche Revolution in der DDR eingeleitet

Rund 300 Menschen, die nicht in die Kirche passten, verfolgten den ökumenischen Gottesdienst, der von vier Bischöfen aus Hessen und Thüringen geleitet wurde, auf einer Video-Leinwand. Mehrere Hundert weitere Menschen versammelt sich am Platz der deutschen Einheit vor dem Gotteshaus. Die Bischöfe erinnerten daran, dass Kerzen und Gebet in den Kirchen die friedliche Revolution eingeleitet hatten und riefen in einer Zeit von Geschrei dazu auf, zur Besonnenheit von damals zurückzukehren. 

Bodo Ramelow: "Wir brauchen Mitmacher und Mutmacher"

Während der Festrede im Festzelt in Bahnhof Großburschla, das genau auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze aufgebaut wurde, sprach Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow nicht nur denen, die zur gewaltfrien Revolution aufriefen, sondern auch „denen, die keine Gewalt ausgeübt haben“ seine Anerkennung aus. Zur aktuellen Situation in Deutschland sagte er: „Wir brauchen Mitmacher und Mutmacher, und keine Miesmacher.“ 

Volker Bouffier: "Wir gehören zusammen"

Hessen Ministerpräsident Volker Bouffier sprach sich dagegen aus, Ost und West auseinanderzuspalten und die enge Freundschaft zwischen beiden Bundesländern: „Wir gehören zusammen“, sagte Bouffier. Im Anschluss an den Festakt stellten sich über 1000 Menschen zum schwarz-rot-goldenen Schriftzug „Freiheit!“ auf, das aus der Luft lesbar war.

Update am 09.11.2019 um 13.29 Uhr - Einen ganz besonderen Moment gab es beim Festakt "30 Jahre Mauerfall" im Festzelt am Bahnhof Großburschla: Auf der Bühne bekam Stefanie Hannemann Blumen überreicht.

Sie ist ein echtes Kind der Einheit. Geboren wurde Stefanie Hannemann nämlich am 9. November 1989 in Großburschla - heute lebt sie 30-Jährige in Eschwege. Diesen Geburtstag wird sie aber bestimmt nicht vergessen. 

Ein Kind der Einheit: Stefanie Hannemann wurde am 9. November 1989 in Großburschla geboren - dafür gab es beim Festakt Blumen für das besondere Geburtstagskind.

Volker Bouffier: Es gab nichts Wichtigeres als diese Grenzöffnung

"Wir lassen uns nicht auseinander spalten, wir gehören zusammen. Wir müssen denen gedenken, die das Regime unterdrückt hat und die dagegen gehalten haben. Es gab nichts Wichtigeres als diese Grenzöffnung, weil hier eine Diktatur friedlich und ohne einen einzigen Schuss zu Ende gegangen ist."

Update am 09.11.2019 um 13.04 Uhr -  Nach dem Gottesdienst in der Treffurter St.-Bonifatius-Kirche gab es ein Schweigemarsch über die Werrabrücke in Richtung Westen. In der Mitte der Brücke stoppte die Prozession für eine Schweigeminute und um Kränze für die Opfer der deutschen Teilung niederzulegen. Im Anschluss ging es zum Festakt ins Festzelt am Bahnhof Großburschla. Die fünf Bürgermeister der ausrichtenden Kommunen begrüßen Bodo Ramelow: "Meine Anerkennung gilt denen, die in den Gottesdiensten waren, die rausgingen und keine Gewalt forderten und auch denen, die keine Gewalt ausübten."

Update am 09.11.2019 um 11.21 Uhr - 30 Jahre Mauerfall - das wird im ehemaligen Grenzgebiet der beiden Länder Hessen und Thüringen von fünf ausrichtenden Kommunen - Wanfried, Weißenborn, Treffurt, Südeichsfeld und Geismar - gebührend gefeiert. 

Am Samstagmorgen fand der offizielle Festakt mit den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Volker Bouffier statt. Rund 600 Menschen verfolgten in und vor der St.-Bonifatius-Kirche in Treffurt den ökumenischen Gottesdienst. Es herrschte eine feierliche Stimmung.

Geleitet wurde der Gottesdienst von vier katholische und evangelische Bischöfe. Zum Auftakt der dreitägigen Feierlichkeiten gab es am Freitagabend ein Freiheitskonzert mit dem Musikcorps der Bundeswehr und dem  Rundfunk-Jugendchor Wernigerode in der Normannsteinhalle in Treffurt. Am Samstagabend sendet der HR ab 18 Uhr die Sendung "Hessen Extra" live vor dem Rathaus in Wanfried.

30 Jahre Mauerfall wird drei Tage gefeiert - das ist geplant:

Erstmeldung am 01.11.2019 - Schon immer hatte Großburschla eine besondere Beziehung nach Hessen. Bis zur Teilung Deutschlands war Eschwege ein wichtiger Bezugspunkt, viele Familien lebten in Groß- und Altenburschla, selbst Großburschlas Bahnhof lag auf hessischer Seite. 

Und auch während der deutsch-deutschen Teilung hatte Großburschla eine Sonderstellung: Von drei Seiten war die Gemeinde vom Westen umgeben. Für DDR-Bürger war der Ort absolutes Sperrgebiet. Diese Besonderheiten machten es für die Staatskanzleien von Hessen und Thüringen einfach, die offiziellen Feierlichkeiten zum Mauerfall vor 30 Jahren nach Großburschla (Thüringen) und den Wanfrieder Stadtteil-Bahnhof Großburschla (Hessen) zu verlegen.

30 Jahre Mauerfall: Große Feier dauert drei Tage 

Die große Feier dauert insgesamt drei Tage. Los geht es mit einem Freiheitskonzert am Freitag, 8. November, in Treffurt, weiter mit dem offiziellen Festakt und späterer Discoparty am Samstag, 9. November, und klingt aus mit Gottesdienst und einem Tag der Begegnung am Sonntag, 10. November.

Auftakt zur Feier 30 Jahre Mauerfall am Freitag, 8. November

Das Musikcorps der Bundeswehr, das auch den Zapfenstreich spielt, und der Rundfunk-Jugendchor Wernigerode werden am Freitagabend in der Normannsteinhalle in Treffurt zum Freiheitskonzert erwartet. Während des zweistündigen Konzerts wird unter anderem die „Freiheitssymphonie“ zu hören sein. Los geht es um 19.30 Uhr, Einlass ist bereits um 18.30 Uhr. 

Diese Szene hat sich in den Köpfen eingebrannt: Am 13. November 1989 wurde die Grenze bei Großburschla aufgemacht. Angeführt von einer spontan zusammengewürfelten Kapelle ging es Richtung Westen. Diese Szene soll am 9. November nachgestellt werden.

Es herrscht freie Platzwahl. 450 der 600 Karten sind bereits verkauft. Tickets gibt es zum Preis von 17 Euro im Vorverkauf. Schüler und Studenten zahlen zwölf Euro. Die Karten sind ab sofort in den Vorverkaufsstellen (Gemeindeverwaltungen in Geismar, Weißenborn und Heyerode, Touristinformation in Treffurt und Dahmer Handarbeiten in Wanfried) zu 17 Euro (Schüler 12 Euro) erhältlich. Sollten an der Abendkasse noch Eintrittskarten erhältlich sein, beträgt der Preis 20 Euro beziehungsweise 15 Euro.

Ofizieller Festakt am Samstag, 9. November, mit Volker Bouffier und Bodo Ramelow

Am Samstagmorgen werden die Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Bodo Ramelow zur gemeinsamen Festveranstaltung der beiden Länder Hessen und Thüringen und der fünf ausrichtenden Kommunen Wanfried, Weißenborn, Treffurt, Südeichsfeld und Geismar erwartet. Um 10 Uhr findet ein ökumenischer Gottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche statt. Vier katholische und evangelische Bischöfe leiten den Gottesdienst. Wegen begrenzter Platzkapazitäten wird die Veranstaltung per Video nach draußen übertragen.

Kränze für Opfer 

Anschließend zieht die Gesellschaft über die Werrabrücke in Richtung Westen. Auf der Brücke werden zwei Kränze in Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und der deutschen Teilung niedergelegt.

Festveranstaltung im Bahnhof Großburschla

Im Zelt in Bahnhof Großburschla findet die Festveranstaltung statt. Die Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Volker Bouffier werden sprechen. Mit der Nationalhymne wird der offizielle Teil beendet.

Anschließend unterhält der Mitmachzirkus Tasifan die Kinder. Es gibt Speisen und Getränke. Für eine Mitmachaktion werden fast 1200 Mitwirkende gebraucht. In Schwarz, Rot und Gold soll das Wort „Freiheit“ gebildet und aus der Luft fotografiert werden. „Wem Freiheit etwas bedeutet, der macht um 13.30 Uhr mit“, sagt Treffurts Bürgermeister Michael Reinz. Das Ende ist gegen 15 Uhr geplant. Am Abend steigt in dem gleichen Festzelt die 90er-Discoparty mit den DJs des Thüringer Radiosenders MDR Jump. Zu dieser Veranstaltung wird Eintritt erhoben.

30 Jahre Mauerfall: Sternenmarsch am Sonntag, 10. November

Der Sonntag soll der Tag der Begegnung zwischen Ost und West werden und von den Bürgern mit Leben gefüllt werden. Die Einwohner der 24 Dörfer aus den fünf organisierenden Kommunen werden sich im Sternmarsch aus allen vier Himmelsrichtungen auf das Festgelände in Bahnhof Großburschla zubewegen. An vier Orten wird jeweils um 9 Uhr zur gemeinsamen Wanderung gestartet.

Geismar und Wanfried treffen sich in Wanfried am Festplatz Griesgraben und nehmen Altenburschla mit. Vom Start in Weißenborn geht es über Großburschla zum Festzelt. Die Teilnehmer aus Wendehausen treffen sich mit der Gruppe aus Treffurt in Heldra, von wo aus alle gemeinsam weiterziehen. Um elf Uhr beginnt der ökumenische Gottesdienst, an dem alle zwölf Ortspfarrer beteiligt sind. Vier Posaunengruppen bilden einen Chor aus etwa 60 Musikern. Anschließend wird gemeinsam mit regionaler Blasmusik gefeiert. Außerdem werden alle vier Chöre aus Großburschla singen.

Livesendung Hessen Extra des HR-Fernsehens in Wanfried

Zu den Planungen rund um die Feierlichkeiten in Großburschla und Großburschla Bahnhof kommt auf die Stadt Wanfried noch eine weitere Veranstaltung zu. Wenn die Ministerpräsidenten bereits auf dem Heimweg sind, plant das HR-Fernsehen am Samstag, 9. November, um 18 Uhr vor dem Wanfrieder Rathaus eine 90-minütige Livesendung „Hessen Extra“, die ebenfalls ganz im Zeichen von „30 Jahre Mauerfall“ stehen wird. 

Viele Interviewpartner

Moderiert wird die Sendung von Jennifer Sieglar und Andreas Gehrke. Neben kurzen Filmbeiträgen, die in der Region aufgezeichnet und eingespielt werden, erwartet die Zuschauer ein kurzweiliges Programm mit zahlreichen interessanten Interviewpartnern. 

Mit von der Partie werden unter anderem Zeitzeugen, Menschen aus der Region und die fünf Bürgermeister Martin Kozber (Geismar, Landkreis Eichsfeld), Andreas Henning (Südeichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis), Wilhelm Gebhard (Wanfried), Thomas Mäurer (Weißenborn) und Michael Reinz (Treffurt, Wartburgkreis) sein. 

Publikum soll bei HR-Sendung mitdiskutieren

Auch das Publikum, das zahlreich erwartet wird, soll mitdiskutieren, wie den Plakaten zu entnehmen ist, die am Montag vom HR in einigen Wanfrieder Ladenlokalen verteilt wurden. Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der sich auf die Livesendung vor Ort freut und darin eine gute Werbemöglichkeit für die Region sieht, traf sich vergangene Woche vor dem Rathaus mit Technikern, Aufnahmeleitung und weiteren Verantwortlichen des HR.

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