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Verstärkter Polizeischutz vor jüdischen Einrichtungen.

Hessen

Jüdisches Leben hinter Zäunen

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Die Polizei in Hessen verstärkt die Sicherheitsmaßnahmen in Frankfurt und ganz Hessen. Die Jüdischen Gemeinden halten auch private Sicherheitsdienste für erforderlich aber nicht jede Gemeinde hat das Geld dafür.

Auf dem Gelände des Jüdischen Gemeindezentrums im Frankfurter Westend spielen am Donnerstagmittag Kinder vergnügt vor der Tür – hinter hohen Zäunen und unter den wachsamen Augen von privaten Sicherheitsleuten auf dem Gelände und Polizeistreifen auf der Straße. All das gehört seit Jahrzehnten zum Alltag in jüdischen Einrichtungen auch in Hessen.

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in der sachsen-anhaltischen Stadt Halle hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter verschärft. Das berichteten das hessische Innenministerium und die Frankfurter Polizei.

„Die Polizei hat die Schutzmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen erhöht“, sagte ein Sprecher von Innenminister Peter Beuth (CDU). Es gebe allerdings „keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohungslage“, fügte er hinzu. Hessen stehe im Austausch mit den Behörden in Sachsen-Anhalt und beobachte die Lage aufmerksam.

24 Stunden am Tag bewacht

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, schrieb auf Twitter, er sei schockiert von der Gewalttat. Es zeige sich leider erneut, „dass jüdische Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Seniorenheim nicht ohne Grund unter Polizeischutz stehen“, so Mendel. „Antisemitismus ist eine reale Gefahr.“

Der Rat der Religionen Frankfurt, in dem Vertreter zahlreicher Religionsgemeinschaften zusammengeschlossen sind, forderte „verbesserte Schutzmaßnahmen für Einrichtungen von Religionsgemeinden und andere bedrohte Organisationen und eine entschiedene Aufklärung rechtsextremer Strukturen, wie sie auch in Frankfurt und in unserem Bundesland Hessen immer wieder deutlich werden“.

In Frankfurt hatte die Jüdische Gemeinde, die größte Hessens mit 6500 Mitgliedern, um einen verstärkten Schutz gebeten. Salomon Korn, der Vorsitzende der Gemeinde, lobte das rasche Handeln der Polizei. „Wir haben zum Glück einen sehr verständnisvollen Polizeipräsidenten.“

Die Gemeinde nehme den Anschlag von Halle jetzt zum Anlass, ihre Sicherheitsmaßnahmen noch einmal zu überprüfen, sagte Korn im Gespräch mit der FR. Allerdings sei das Zusammenwirken von Polizei und privatem Sicherheitspersonal der Gemeinde schon jetzt sehr gut.

Die Synagoge im Westend werde an 24 Stunden täglich von der Polizei überwacht. In Frankfurt gebe es insgesamt nur wenige antisemitische Zwischenfälle, gemessen am Geschehen in anderen Großstädten wie etwa Berlin. Auch am Gemeindezentrum habe es „bisher keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben“, sagte Korn. Allein das gemeinsame Auftreten von Polizei und privaten Sicherheitsleuten schrecke mögliche Attentäter ab.

Aber nicht alle jüdischen Gemeinden können sich einen privaten Sicherheitsdienst wie in Frankfurt leisten. Das berichtet Daniel Neumann, der Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Darüber wolle er mit dem Land sprechen.

Neumann zeigte sich beunruhigt, dass Deutschland „offensichtlich nicht in der Lage ist, jüdisches Leben zu schützen“. Es sei eine „katastrophale Fehlleistung“, wenn nicht einmal Polizeistreifen die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag im Blick behalten hätten. In Hessen sei die Polizei aus seiner Sicht aber besser aufgestellt. „Die Sensibilisierung der Polizei in Hessen ist fortgeschrittener“, urteilt Neumann.

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